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The Actor (Satoko Yokohama, Japan 2015)

Please welcome Yavuz! Ein neuer Autor bei Schneeland! Yavuz Say ist freier Autor und Teammitglied bei Nippon Connection e.V., Japanese Film Festival Frankfurt, wo er - laut Eigenaussage - ironischerweise nie zum Filmegucken kommt. Den Film "The Actor", der auch dieses Jahr auf dem Festival lief und der, wenn ich mich recht erinnere, sehr gut beim Publikum ankam, den hat er nun nachgeholt.
 

 Der Schauspieler Takuji Kameoka (Ken Yasuda) ist vor allem wegen einem gefragt: auf Kommando tot umzufallen. Takuji ist nämlich ein Spezialist für kirare-yaku, die Kunst, auf der Leinwand oder der Bühne zu sterben. Regisseure und Schauspielkollegen verehren ihn wegen seiner Gabe. Doch mit nur einem Ausdruck will er sich nicht mehr zufrieden geben. Als er eines Abends Bardame Azumi (Kumiko Aso) kennenlernt, beschließt er, ein „richtiger“ Schauspieler zu werden.

 Satoko Yokohamas Film springt oftmals zwischen Flashbacks und Flash-forward hin und her, ohne diese zu markieren - und das manchmal so erratisch, dass der Zuschauer die Zeitebenen gedanklich kaum noch einordnen kann. Oftmals wirken sie eher wie Tagträume, in denen sich der Protagonist verliert. In der Vermischung von Realem und Fiktion erlebt der Zuschauer auch die Reise von Takuji, die ihn zu dessen schauspielerischer Weiterentwicklung führen soll. Die Motivationen und Gefühle seiner Figuren, so bringt es ihm seine Lehrerin bei, sollen von ihm verinnerlicht werden. Ein erotischer Moment, den die beiden dann am Höhepunkt des Films miteinander bei einer Theaterperformance erleben, lässt durch seine Doppelkodierung das ambivalente Verhältnis von Gespieltem und Realem erahnen. 

 Dieser Drahtseilakt, auf dem Takuji sich bewegt, wird skurril und witzig, größtenteils aber eher gemächlich inszeniert – immerhin ist der Film, wie so viele andere aus Japan, ziemlich genau 2 Stunden lang. Dabei ist es irgendwie passend, dass man Takuji bei seiner Odyssee durch die Filmszenerien der jidai-geki und gendai-geki folgt. Schließlich dienen diese beiden Hauptgenres des japanischen Films, der Historienfilm und Gegenwartsfilm, nicht nur als zentrale Kulissen für den Selbstfindungstrip des Helden, sondern auch für die Reise in die Vergangenheit des japanischen Filmes, der noch heute Elemente des minimalistischen Kabuki- und Noh-Theaters in sich trägt.

  Den Mittelweg zwischen Pose und expressivem Ausleben der Rolle findet Takuji schließlich bei spontanen Improvisationen, bei denen er nicht mehr Wert darauf legt, ob er überhaupt noch von der Kamera gefilmt wird (worauf der Regisseur vor lauter Begeisterung sogar noch mehr Kameras aufstellen lässt). Als er dann ans Ende des Weges und damit an sein vermeintliches Ziel gelangt, bleibt für ihn konsequenterweise nur noch eine Handlung: nämlich die Einengung durch den filmischen Raum endgültig zu verlassen. Dies tut er dann auch, wortwörtlich, indem er in der letzten Einstellung aus der Kadrierung geht.

Yavuz Say

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