Direkt zum Hauptbereich

Sonne, Strand und Badenixen mit Kanonen ~ STRAY CAT ROCK: WILD JUMBO (Toshiya Fujita, Japan 1970)


 Der zweite Teil in der Reihe der STRAY CAT ROCK-Rüpelfilme spielt hauptsächlich am Strand: dort vergnügt sich die Pelican Gang und trainiert für einen großen Coup. Allerdings ist das nichts Politisches, sondern purer Eigennutz. Die revolutionäre Gruppe, die bei viel Bier in einem roten (!) Zelt gegründet wird, der geht schlicht und einfach die Knete aus. Und so plant man den Geldtransporter einer religiosen Vereinigung, der Seikyo Gakkei, zu überfallen - am Ende geht alles schief und den Protagonisten ergeht es entsprechend schlecht. Einen Kommentar zur counterculture kann man hier nur mit viel gutem Willen entdecken, auch wenn man sicherlich anmerken muss, dass der Protest in Japan wohl schon ab dem Zeitpunkt manifest wird, wenn man morgens nicht zur Arbeit geht wie Millionen andere. 

 Dass man aber zwei Drittel des Filmes hinter sich bringen muss - mit allerlei Belanglosigkeiten natürlich - um endlich einmal etwas wie einem sinnvollen Handlungsstrang zu begegen, ist durchaus etwas zermürbend. Vor allem, da der Film auch auf visueller Eben wenig zu bieten hat - zumindest deutlich weniger psychedelische Extravaganzen als in Teil eins. Zum Glück ist da noch der äußerst gelungene Soundtrack, der rettet vieles. Aber wie dem auch sei: Nikkatsu hat nach dem Erfolg des Debuts in schneller Folge die Sequels rausgehauen, um so viel wie möglich aus der Serie herauszuholen.

Hier geht es zum Podcast:



 Viel Vergnügen!

 Michael Schleeh

***


*** Teil 1 der STRAY CAT ROCK-Serie (DELINQUENT GIRL BOSS) findet ihr hier besprochen. Hier eine Szene aus dem ersten Teil:

http://schneeland-mono.blogspot.de/2018/01/mein-auspuff-ist-lauter-als-deiner.html

***


Beliebte Posts aus diesem Blog

Masahista / The Masseur (Brillante Mendoza, Philippinen 2005)

Brillante Mendozas erste Spielfilmregie verortet ihn sogleich im Independentkosmos des modernen philippinischen, cineastischen Undergrounds. Geringe Budgets und die Digitalkamera eröffnen jungen Filmemachern die Möglichkeit, nicht nur jenseits einer etablierten Filmindustrie, sondern so gut wie jenseits jeder filmischen Szene aktiv zu werden. Ein Status, der sich auch in der Verfügbarkeit der Filme zeigt. So sind die Filme von Brillante Mendoza, Lav Diaz, Raya Martin, KHAVN de la Cruz u. a. nur in Ausnahmefällen auf DVD greifbar (wenn, dann sowieso nur weltweit), oder sie sind mit etwas Glück auf engagierten Retrospektiven und Filmfestivals zu sehen. Im Falle KHAVNs übrigens durchaus auch auf youtube, selbst eingestellt vom Regisseur. Die Filme eint neben den o. g. Kriterien ein Hang zum ästhetischen Radikalismus in Kombination mit einem Blick auf gesellschaftliche Mißstände, welcher gerne mal als "neorealistischer" italienischer Prägung oder als einer im Geiste des "Cin...

Accident / Yi ngoi (Soi Cheang, HK 2009)

Pou-Soi Cheangs erster Film unter Johnnie Tos Produktionshoheit (Milkyway) ist ein hervorragend schneller, straffer und kluger Genreknaller geworden. Ho Kwok-Fai (Louis Koo) hat ein Killerteam um sich geschart (Stanley Fung, Lam Suet, Michelle Ye), das sich auf die Inszenierung von Auftragsmorden spezialisiert hat. Diese laufen stets nach einem Dominosystem ab und erscheinen - da sie so komplex konstruiert wurden - wie tatsächlich Unfälle. Doch plötzlich wird einer des Teams während einer Aktion durch eine Verkettung tragischer Zufälle getötet. Ho entkommt nur knapp. An diesen Zufall will er nicht glauben und wähnt sich selbst das Ziel eines Killerteams. ACCIDENT beginnt enorm stark - und es ist eine Lust, den kreativen Inszenierungen zuschauen zu können. Cheangs in DOG BITE DOG zelebrierter harter Realismus und die ungestüme Wildheit SHAMOs geht ACCIDENT ab, da wurde er wohl von To gebremst. Doch nicht zum Schlechten: der Film ist sehr flüssig und elegant inszeniert, spart aber nicht ...

Fire of Conscience / Fire Dragon / For lung (Dante Lam, Hongkong 2010)

Die beiden Cops Kee (Richie Ren) und Manfred (Leon Lai) beginnen zusammen zu arbeiten, als sich herausstellt, dass ihre Fälle einen gemeinsamen Hintergrund haben. Der Saubermann Kee überrascht dabei plötzlich mit radikalen Methoden, die ihm niemanden zugetraut hätte. Manfred ist sowieso ein harter Hund, seit die böse Unterwelt seine Frau samt ungeborenem Kind auf dem Gewissen hat. Dass Kee einen hinterlistigen Plan ausführt, stellt sich erst heraus, als schon so einiger Blutzoll entrichtet wurde. Dante THE BEAST STALKER Lams neuer Film ist ein verworrenes Etwas: das Skript geht in den ersten beiden Dritteln völlig drunter und drüber, es weiß Aktionen nicht zu gewichten, die gleichzeitigen Ermittlungen in den drei (!) Kriminalfällen bleiben über weite Strecken nicht nachvollziehbar. Stark wird der Film immer in seinen Actionszenen; und da kann man wohl sagen, dass es Lam wie kaum ein anderer schafft, diese von der ästhetischen als auch von der kreativen Seite her unvergleichlich zu insz...