Direkt zum Hauptbereich

The Quiet Duel / Shizukanaru ketto (Akira Kurosawa, Japan 1949)


Während des Krieges operiert der junge Arzt Kyoji Fujisaki (Toshiro Mifune) in einem Lazarett auf einer der Inseln im Südpazifik einen verwundeten Soldaten, und schneidet sich in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit mit dem Skalpell in den Daumen. Später stellt sich heraus, dass besagter Soldat die Syphilis hat und Kyoji infiziert hat.
Nach dem Krieg kehrt Kyoji nach Tokyo in das kleine Familienspital zurück, wo er sich neben seinem Vater (Takashi Shimura) um die Kranken kümmert. Die hübsche Misao (Miki Sanjo), die sechs Jahre auf ihn gewartet hatte, ist enorm enttäuscht, als Kyoji die Verbindung lösen will. Er könne es nicht verantworten, dass das Mädchen auf die (damals unsichere) Genesung des Kranken warte, und so ihr Leben ruiniere. Sagen allerdings kann er ihr das nicht, da er mit Recht vermutet, dass sie, aufopferungsbereites Wesen das sie ist, auf ihn warten würde.


Der Film zerfällt offensichtlich in zwei Teile: auf den extrem atmosphärischen Beginn im Lazarett, der durch eine spannungsgeladene Stille in den Operationsszenen, sowie durch das flackernde Licht, die schwüle Hitze und den tropfenden Regen zu begeistern weiß, folgt in den beiden anschließenden Dritteln das (Liebes-)Drama in Tokyo, welches sich beinah ausschließlich auf dem Studioset abspielt (das Spital), und in seiner kargen, nüchternen Räumlichkeit aller Atmosphäre entbehrt. Hier zeigt sich die Nähe zum Theaterstück, auf dem das Skript des Filmes basiert: der Fokus richtet sich nun stärker auf den Plot.



Dies ist auch die Schwäche des Filmes: so verständlich und redlich Kyojis Konflikt auch ist - er erscheint allzu konstruiert. Hier können Männer ihre Gefühle nicht äußern, und stürzen die Umwelt damit ins Unglück. Es schließen sich aber noch mehrere Subplots an, die dem Film die nötige Spannung verleihen: etwa die Entwicklungen um die Hilfsschwester Minegishi, oder die tragischen Szenen um die Ehe des nun wieder aufgetauchten, kranken Soldaten, der sich als emotional rücksichtslosen Tagedieb und Säufer zu erkennen gibt. Kyoji kämpft dann auch um das Kind dessen Frau (Chieko Nakakita), die, ebenfalls mit Syphilis infiziert, an ihrem Gatten zugrunde zu gehen scheint. Mifune ist hier die moralische Instanz.


Das Finale von QUIET DUEL (das auf ein Wahnsinnigwerden Mifunes hinauslief) mußte entschärft werden, da die Prüfungskommission der amerikanische Okkupationsmacht hierfür kein grünes Licht gab. So verplätschert der Film am Ende etwas in die Alltäglichkeit des Arbeitsalltags hinein, und zeigt uns den gefestigten Arzt, der sich für seine Patienten aufopfert. Am Ende gibt es weiße Wäsche...

Beliebte Posts aus diesem Blog

Masahista / The Masseur (Brillante Mendoza, Philippinen 2005)

Brillante Mendozas erste Spielfilmregie verortet ihn sogleich im Independentkosmos des modernen philippinischen, cineastischen Undergrounds. Geringe Budgets und die Digitalkamera eröffnen jungen Filmemachern die Möglichkeit, nicht nur jenseits einer etablierten Filmindustrie, sondern so gut wie jenseits jeder filmischen Szene aktiv zu werden. Ein Status, der sich auch in der Verfügbarkeit der Filme zeigt. So sind die Filme von Brillante Mendoza, Lav Diaz, Raya Martin, KHAVN de la Cruz u. a. nur in Ausnahmefällen auf DVD greifbar (wenn, dann sowieso nur weltweit), oder sie sind mit etwas Glück auf engagierten Retrospektiven und Filmfestivals zu sehen. Im Falle KHAVNs übrigens durchaus auch auf youtube, selbst eingestellt vom Regisseur. Die Filme eint neben den o. g. Kriterien ein Hang zum ästhetischen Radikalismus in Kombination mit einem Blick auf gesellschaftliche Mißstände, welcher gerne mal als "neorealistischer" italienischer Prägung oder als einer im Geiste des "Cin...

Accident / Yi ngoi (Soi Cheang, HK 2009)

Pou-Soi Cheangs erster Film unter Johnnie Tos Produktionshoheit (Milkyway) ist ein hervorragend schneller, straffer und kluger Genreknaller geworden. Ho Kwok-Fai (Louis Koo) hat ein Killerteam um sich geschart (Stanley Fung, Lam Suet, Michelle Ye), das sich auf die Inszenierung von Auftragsmorden spezialisiert hat. Diese laufen stets nach einem Dominosystem ab und erscheinen - da sie so komplex konstruiert wurden - wie tatsächlich Unfälle. Doch plötzlich wird einer des Teams während einer Aktion durch eine Verkettung tragischer Zufälle getötet. Ho entkommt nur knapp. An diesen Zufall will er nicht glauben und wähnt sich selbst das Ziel eines Killerteams. ACCIDENT beginnt enorm stark - und es ist eine Lust, den kreativen Inszenierungen zuschauen zu können. Cheangs in DOG BITE DOG zelebrierter harter Realismus und die ungestüme Wildheit SHAMOs geht ACCIDENT ab, da wurde er wohl von To gebremst. Doch nicht zum Schlechten: der Film ist sehr flüssig und elegant inszeniert, spart aber nicht ...

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...