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Thattathin Marayathu / Behind the Veil (Vineeth Sreenivasan, Indien 2012)


Dieser Malayalam Film erzählt die gesellschaftlich brisante Geschichte von der zunächst unerfüllbaren Liebe zwischen dem Hindu Vinod (Nivin Pauly) und der Muslima Aisha (Isha Talwar), die aufgrund, logischerweise, der Religion, dem Stand und dem sozialen Status nicht zusammen finden können - und dürfen. Der Film wird in der ersten Hälfte komplett als Rückblick erzählt: wie der junge Mann nachts auf dem Grundstück von Abdul Khader, mächtiger Polititker sowie Onkel und Erziehungsberechtigter Ayshas, geschnappt und im lokalen Polizeirevier in Gewahrsam genommen wurde. Freilich im Verdacht, dem politischen Gegner anzugehören (es stehen Wahlen an). Natürlich wollte Vinod nur zu Aysha, was er aber nicht sagen kann. So offenbart er sich in einer langen Nacht des Geschichtenerzählens den anwesenden Polizisten, die so begierig auf eine Romanze sind, dass sie sich schließlich dazu entschließen, dieser "unmöglichen Liebe" auf die Sprünge und über alle Schranken hinweg, zum Glück zu verhelfen...

BEHIND THE VEIL, obwohl von den gängigen Netzinstanzen wie der zuletzt rezensierte USTAD HOTEL zu den besten MALAYALAM MOVIES 2012 zugerechnet (vgl. hier, hier, oder hier), ist wirklich grottenschlecht. Eine völlig verkitschte und hohle Angelegenheit. Das Ärgerlichste am Film aber ist die Tatsache, dass aus der wirklich ernsthaften und interessanten Prämisse nichts gemacht wurde. Hier wird nur behauptet, nichts erzählt. Die Motivationen der Charaktere bleiben völlig unerklärlich: Liebe auf den ersten Blick, klar und dann auch: Heirat, natürlich. Obwohl man sich nur einmal kurz gesehen hat - und noch nie mit einander gesprochen. Ein paar kurze Briefe in Geheimschrift sollen ausreichen, um dem Publikum glaubhaft zu machen, wie unendlich tief diese Liebe ist, die noch nichts Gemeinsames erlebt hat; zwischen zwei Menschen, denen scheinbar der Gedanke an das Verliebtsein als Substitut für den anderen Menschen genügt. Protagonisten, die bei kurzen Aufeinandertreffen nichts sagen können vor Schüchtern- oder Verstocktheit oder auch aus gesellschaftlichen Gründen. Es ist geradezu absurd - THATTATHIN MARAYATHU ist vollkommen auf romantischen Konstruktionen aufgebaut, bei denen vergessen wurde, sie mit Leben zu füllen. Insbesondere Aisha, die vielleicht drei Sätze im ganzen Film sagt, bleibt ein schön anzusehendes Mysterium, deren Schleier (der Vinod so sehr verzaubert) auch den Mund zu verschließen scheint (was ja noch glaubhaft wäre), aber man muss es deutlich sagen: dieser Vinod ist so ein Tropf, so ein Antiheld, so ein unglaublicher Langweiler in blöden H&M-Shirts, dass man sich fragt, warum um Gottes Willen man sich auf diesen Menschen einlassen sollte. Gefühle werden hier nicht nachfühlbar gemacht, sie werden nur behauptet.

Die permanent nur anzitierte Musik weiß ebenfalls nicht zu überzeugen, die Montage ist schleppend, die Konstruktion bemüht. So hat der Film etwa noch eine Rahmenhandlung, die dann auf dem Pier von Thalassery wieder ihren Abschluß findet und so als geradezu klassischer Erzählrahmen fungiert, der vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter den Lebensläufen eine Form gibt (bzw. diese vorgaukeln soll). Ein merkwürdiges Verständnis von Schicksalhaftigkeit für einen Film, der auf den Bruch mit verkarsteten Bräuchen und Traditionen setzt und auf ein neues Glücksversprechen abzielt, das sich in freien Entscheidungsoptionen des Individuums äußern soll. Am Ende also, da führt sich der Film selbst noch ad absurdum.

Michael Schleeh

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