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Fazit zur Masumura-Filmreihe


Es ist fast ein wenig schade, mit diesem etwas unpersönlichen Film von Masumura Abschied von der Filmreihe zu nehmen. Der zweite HANZO ist natürlich kein schlechter Film, aber eben sicher auch keiner, der von der Autorschaft des Regisseurs zeugt - sofern ich überhaupt in der Lage bin, das zu beurteilen. Die angedeutete Gesellschaftkritik versickert doch stark im Sumpf des Sleazes, und Hanzos Aufrichtigkeit gegenüber Ordnung und Gesetz scheint eher von vornherein der Anlage der Figur inhärent zu sein, weniger aufklärerisches Mittel des moralischen Regisseurs. Auch das immer wiederkehrende Thema der Darstellung des individuellen Leidendrucks seiner Protagonisten und Protagonistinnen unter einem wie auch immer gearteten gesellschaftlichen Repressionsmechanismus, was letztlich zu einem unauflösbaren Konflikt führt, der entweder mit einem Befreiungsschlag der Figur endet (MANJI - ALL MIXED UP) oder mit deren Untergang (BLACK TEST CAR), steht im zweiten HANZO nicht zur Debatte, wird höchstens am Rande in einem Seitenerzählstrang evoziert (z. B. in der Figur der Vorsteherin der Prägerei, die das kriminelle System für sich selbst zu nutzen weiß, nachdem sie ihre eigene Machtlosigkeit gegenüber der höherstehenden korrumpierten Autorität erfahren hat), modifiziert als Plotvehikel.

So ist jetzt Zeit für eine Schlußbemerkung, am Ende der kleinen Filmreihe:

Ich bin von mir selbst enttäuscht, so lange gebraucht zu haben, um gerade mal 10 Filme Masumuras zu sichten. Da wäre viel mehr Disziplin notwendig gewesen (auch was meine Gedächtnisleistung angeht). Vielleicht war auch der selbstgestellte Anspruch zu hoch, nun endlich mal etwas tiefer in das Medium Film einzutauchen und so etwas wie Strukturen zu erkennen. Sicher, teilweise mag mir das gelungen sein, aber eben nur in Ansätzen. Eine einmalige Sichtung ist einfach viel zu wenig, um Strukturmerkmale zu analysieren, Kohärenzen und Brüche zu entdecken, einen ‚persönlichen Stil’ herauszufiltern und diese Erkenntnisse dann tatsächlich gewinnbringend anzuwenden. Und alle Filme, das sei nochmals gesagt, waren für mich Erstsichtungen. Ich war also in mehr als einer Hinsicht überfordert.
Zum Anderen sehe ich die Wahl des Regisseurs etwas problematischer mittlerweile: der Reiz, sich jemanden vorzunehmen, über den es sehr wenig Geschriebenes gibt, selbst im Netz - und auch da meist nur die üblichen paar Zeilen zu RED ANGEL und IREZUMI - von Leuten, die alle voneinander abschreiben, nouvelle vague, blablub, und keiner mal irgendwo sagt, an was man das festmachen kann außer in abstrakten Behauptungen, etwa daß sich die Jungen gegen die Alten wenden (was es bei Ozu z. B. auch zuhauf gibt), in der Darstellung der Jugend, der Sexualität (der 1. Leinwandkuß) und in der erhöhten Schnittfrequenz (was erstmal bewiesen sein will), war es ein schönes Experiment, so ziemlich auf sich allein gestellt zu sein. Hin und wieder hätte ich das gerne aber mehr durch Lektüre unterstützt, unterfüttert. Auch was man so in Gesamtdarstellungen liest, etwa im Richie-Buch, ist mehr als unzureichend. Ein paar Kontinuitäten habe ich -glaube ich- dennoch ausmachen können, und vielleicht hat der eine oder andere, der meine Sachen mitverfolgt hat, da etwas mit anfangen können. Das wäre schon mehr, als ich mir erwartet hatte.
Und zuletzt: es bleibt das Wissen um die Unzulänglichkeit des Projekts 'Masumura', denn mehr als einen Einblick in dessen Schaffen konnte ich mit der kümmerlichen Editionslage an Filmen nicht gewinnen. Wenn man gerade mal ein gutes Zehntel aller Filme des Regisseurs gesehen hat (10 von 65), dann muß man leider sagen: gut, besser als nix ist das ja, aber es ist auch weit davon entfernt, einen Regisseur zu kennen (was immer auch das genau ist). Somit komme ich zur

Schlußbemerkung der Schlußbemerkung:

Lust habe ich jedenfalls trotzdem schon wieder, die nächste Reihe zu planen. Diesmal aber mit mehr Zug dahinter, mit besserer und ausführlicherer Vorbereitung, eben halt alles besser, aufwändiger, schöner und doller. Weitermachen ist die Devise, und vielleicht gibt es dann auch mehr Rückmeldungen der Lesenden oder Anlässe zur Diskussion, mehr Mut oder auch nur Lust zum Risiko vielleicht auch mal einen Scheiß zu verzapfen, so wie der, der sich hier aus dem Fenster lehnt. Also: werft faule Eier und Blumen! Ich würde mich freuen.


Eine Empfehlung für die Interessierten möchte ich doch noch loswerden: besonders gut gefallen hat mir sein Erstling KISSES (1957), der ein wenig an AUSSER ATEM erinnert, und der nicht nur eine mitreißende Liebesgeschichte erzählt, sondern auch formal (Bildgestaltung) eine Delikatesse ist, ebenso der hysterische und zugleich tragische GIANTS AND TOYS (1958), sein film noir-Wirtschaftsthriller BLACK TEST CAR von 62, sowie naürlich den überragenden BLIND BEAST (1969). Ein Film, der so gut wie überhaupt nirgendwo eine Erwähnung findet ist die herrlich burleske Komödie A LUSTFUL MAN von 1961, was mir vollkommen schleierhaft ist. Ein toller Film, herrlich ausgestattet, zutiefst menschlich, und: mit Raizo Ichikawa. Die anderen Filme Masumuras sind allerdings auch nicht schlecht, aber das ist wohl klar!

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