Direkt zum Hauptbereich

Kekexili - Mountain Patrol (Chuan Lu, China/Hongkong 2004)


In der Region Kekexili, die im tibetanischen Hochland auf über 4000 Metern liegt, ist die tibetanische Antilope kurz vor dem Aussterben. Der Grund: Wilderer. Eine selbstorganisierte Bergpatrouille versucht dem ein Ende zu setzen, und ein Reporter aus Peking begleitet sie bei der Jagd nach den Übeltätern. Massig Platz für esoterisches Lokalkolorit und Weltkino-Bilder, sollte man meinen. Doch nicht so hier. Vielmehr ist es ein beständiger Kampf ums Überleben, der uns gezeigt wird. Die Schönheit der endlosen Weite und der Berge ist als Raum jenseits aller Zivilisation in seiner Erhabenheit immer auch menschenfeindlich gezeichnet. Und die Menschen, die wahrlich so gut wie nichts besitzen, die auch ein ganz eigenes Verständnis von Zeit haben, vom Sinn und Zweck des Lebens, stemmen sich der Weite entgegen.

Umso erstaunlicher, daß der Film kaum zu berühren vermag. Vielleicht fehlt so etwas wie die "mythische Dimension" - der Film kommt seltsam nüchtern daher. Die Erklärung im Abspann, daß durch die Berichterstattung des Reporters nun ein Naturschutzgebiet entstanden sei, und sich dadurch die Population der Antilope auf 30000 vermehrt habe, verzweckt den Film im Nachhinein und beraubt ihn noch stärker einer menschlichen Dimension. Gutmenschenkino mit Auftrag, ziemlich übel.
***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ali's Wedding (Jeffrey Walker, Australien 2017)

Nachdem der talentierte aber leider erfolglose Ali die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium an der Universität von Melbourne verpatzt hat, bringt er es nicht übers Herz, seinem Vater den Misserfolg einzugestehen. Der Sohn war die große  Hoffnung des muslimischen Klerikers, der das Zentrum der arabischen Community darstellt, und höchstes Ansehen genießt. Dass dessen Rivale nur auf einen Misserfolg Alis hofft, um selbst den Platz des Vaters einnehmen zu können, ist ein Seitenerzählstrang, der einen hochinteressanten Handlungsverlauf innerhalb der Moschee voranschiebt.
 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf…

HERRMANN (Reda, Deutschland 2012)

Ein nicht mehr ganz junger Familienvater, der aus der linksalternativen Szene zu stammen scheint und der  mittlerweile wohl ziemlich in der Bürgerlichkeit angekommen ist, verabschiedet sich eines Abends von seiner Frau/Freundin und seinem bereits schlafenden Kind, da er noch auf einen Geburtstag will. Sein halb schelmisch-unterwürfig ausgedrückter Wunsch, anschließend noch kurz aufs Konzert zu gehen (dem ein echtes Begehren zugrunde zu liegen scheint, da seine Stimme schon zu zittern beginnt), wird von der verantwortungsbewußteren, vernünftigen Herzdame mit Stirnrunzeln weggeknutscht. Vermutlich kennt auch sie das Lied von der Punkband Oma Hans, wo die Mädchen auf dem Konzert einfach besser küssen als sonstwo. Da muss sie gar nicht mehr viel zu sagen, es liegt alles in ihrem Blick: er soll halt endlich mal erwachsen werden, dieser Berufsjugendliche. Schließlich gibt es jetzt Familie. Und eigentlich hatte er ja auch schon kapituliert, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat. Da kan…

A Pool without Water / Mizu no nai puuru (Kôji Wakamatsu, 1982)

Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist.
Diese Spannung überträgt sich bald auf die Handlung und findet ein Ventil - mehrfach wird er Zeuge, wie verschiedene Menschen, meist Frauen, Opfer von Rücksichtslosigkeiten, rüpelhaftem Benehmen oder gar körperlicher Gewalt werden. Da ist er dann de…