Direkt zum Hauptbereich

Bedevilled / Kim Bok-nam salinsageonui jeonmal (Jang Chul-soo, Südkorea 2010)


Bereits die Hälfte des Films ist vergangen, wenn man zu diesem tollen Bild im Gegenlicht kommt - hier sieht man die Heldin, und wie sie eine Erkenntnis durchfährt. Hier findet der große Umschwung statt, der BEDEVILLED, obwohl schon die ganze Zeit ein mehr als ungemütlicher Film, in dem Frauen permanent verprügelt und misshandelt werden, zu seinem wahren Kern kommen lässt: zur Rachegeschichte.

Doch angefangen hatte alles ganz anders, und vor allem mit einer anderen Person - der Freundin jener Frau, die in Seoul überarbeitet einer Kollegin eine runterhaut, bevor sie von ihrem Chef zwangsbeurlaubt wird. Mit ihrer Freizeit kann sie jedoch nichts anfangen und verfällt auf die Idee, auf jene Insel zu reisen, wo sie aufgewachsen ist - zumal sie von ihrer Freundin (jener aus dem Bild) immer noch Briefe bekommt. Dort angelangt, in der ländlichen Idylle (Kontrast der weißen Haut des Städters vs. der stark gebräunten der Bauern), ist sie vor allem zuerst einmal "die Fremde". Und recht bald merkt sie dann, dass die ehemalige beste Freundin Hilfe nötig hat gegen ihren brutalen Ehemann und die gesamte Dorfgemeinschaft, die sich gegen die junge Frau verschworen hat, und die sie wie eine Sklavin behandeln. Doch die zugereiste Freundin kann sich, fatalerweise, nicht auf die Seite der Unterdrückten schlagen. Die Einzelgängerin, die selbst ein enormes zwischenmenschliches Problem hat, erkennt zu spät, dass die Welt nicht nur aus Konkurrenz besteht und darin, sich möglichst wenig Ärger einzuhandeln.


Und so ergießen sich bald einige Liter Blut in den fruchtbaren koreanischen Inselboden, wenn die um ihre Jugend und um ihr Leben gebrachte Frau die geschärfte Sichel ergreift und sich endlich gegen die Ungerechten wehrt. Der Film ist sehr schön photographiert und fantastisch ist der Umgang mit dem Score. Dieser ist äußerst zurückhaltend und in der Stille, die den Bildern Raum lässt, entfaltet der Film seine ganze Wirkmächtigkeit. Dass das Ende etwas zu lang ist, war beinah zu erwarten. Einige Fäden müssen noch zusammengeführt werden, und der Film schließt mit einem Rahmen zur Eröffnung. Dies wirkt dann sehr konstruiert und hingebogen auf seine narrative Geschlossenheit. Doch selbst im Abspann, kann man sich nicht von diesen tollen Bildern losreissen:

Beliebte Posts aus diesem Blog

Spectrum of Nostalgia (Chen Yi-chu, Taiwan 2017)

 Spectrum of Nostalgia is an experimental and autobiographical short-film of Taiwanese female director Chen Yi-chu (or -zu) with a running time of 24 minutes. Chen's approach is - by using old VHS-Tapes of her childhood - artistical: shecuts the tapes into small fragments of her past that seem to narrate a story which describe a problematic time in her youth. Rearranged, and softened by her own voice as a narrator, she comments on the developments from being the center of attention of the family to a horrible scenario in which her father loses his job and falls into depression. 
She never accuses anyone or anything, but describes - formally aswell by arranging the cinematic snippets - the destructive energy that disrupts her family ties. She, too, poses the question what 'reality' is, and how it may be unconsciously translated into something different by our own memories. Chen Yi-chun basically asks, what is true and what is false, even if it is something that we, ourselves…

Kattradhu Thamizh aka. Kathratu Tamil / Learning Tamil (Ram, Indien 2007)

Man kann nun nicht gerade behaupten, dass der Tamilische Film in Westeuropa irgendeine Rolle spielen würde. Woran das liegt? Vermutlich an der üblichen kulturimperialistischen Impertinenz, die wie immer lieber Bauchnabelbeschau hält, als mal über den Tellerrand hinauszublicken. Die asiatischen Kinostarts 2015 in Deutschland zum Beispiel sprechen für sich: es ist dieses Jahr wieder einmal ein veritables Desaster, was cinephile Grenzgänger zu entnervend langen Wartezeiten auf punktuelle DVD-Veröffentlichungen zwingt, und weniger hemmungslose Ungeduldige zu den netzwärtigen Torrentseiten. Entweder kann man mit diesen Filmen tatsächlich hier  überhaupt kein Geld verdienen, oder man traut ihnen nichts zu. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Drei, vier einsame Seelen hätte es für diesen Nervenzertrümmerer in Berlin oder Köln vermutlich schon ins Kino getrieben, aber wer sonst sollte kommen? Das hier ist schließlich nicht LUNCHBOX mit Irrfan Khan.
Ram ist ein Regieneuling, …

However (Hirokazu Koreeda, Japan 1991)

Wonderful early TV documentary by Japanese director Hirokazu Koreeda following two people's path of live to an early death by suicide - one is Mr. Yamanouchi, who works for the Japanese welfare ministry, after giving up his literary ambitions; the other one is Nobuko Harashima, who, as a single child, survived the fire-bombing of Tokyo in WW II but never got her feet on the ground after falling seriously ill. She works on and off as a bar hostess, but gets seriously harrassed by government employees as she applies for social welfare security.
 Two tragic lifes lived "on opposite sides" of the societal system, two people doing their best endlessly struggling - but both ultimately driven to suicide by the Japanese bureaucracy.
 The film title refers to a poem Yamanouchi wrote as a student called "Shikashi ... " / 然し / しかし (meaning However), which is the one his widowed wife reads to the audience during the film. An early Koreeda, definitely worth watching thoug…