Direkt zum Hauptbereich

Don (Farhan Akhtar, Indien 2006)


Der skrupellose Gangster Don (Shahrukh Khan) ist die rechte Hand des Drogenkartell-Bosses Singhania (Rajesh Khattar) und führt seine Aufträge mit äußerster Präzision und mitleidloser Grausamkeit aus. Als Ramesh (Diwakar Pundir) aus dem Syndikat aussteigen will, wird er von Don getötet - wie auch seine Verlobte, die sich an Don zu rächen versucht. Aber auch Rameshs Schwester Roma (Priyanka Chopra) hat es auf den Killer abgesehen. Sie ist sogar recht skrupellos, schleicht sich in die Organisation ein, um so an ihn ranzukommen. Doch Don wird auch von der Polizei gejagt und dann bei einer Verfolgungsjagd angeschossen - anschleißend in einer Klinik versteckt. Policecommissioner De Silva (Boman Irani) steckt dahinter, der nun seinerseits einen Maulwurf in die Organisation einschleust. Das Besondere: es ist der Straßensänger Vijay (ebenfalls Shahrukh Khan), der dem Killer aufs Haar gleicht. Ein gefährliches Doppelspiel beginnt, vor allem da auch De Silva ein Geheimnis zu hüten scheint.

Es ist ein irrer Plot, der einem hier vorgesetzt wird. Dazu Hochglanz-Action, spektakuläre Stunts und haarsträubende Verfolgungsjagden, schöne Frauen und im Zentrum des Ganzen: Shahrukh Khan. Immer sexy, immer sympathisch, immer brandgefährlich. Höhepunkt ist sicherlich die Verfolgung in den Petronas Towers in Kuala Lumpur, wo der indische Megastar auf dem Dach der Verbindungsbrücke der beiden Türme balanciert und die Kamera diese Aktion in "spektakulären Bildern" festhält. Diese sind allerdings wenig einprägsam, da ihnen eine künstlerische Handschrift fehlt. Wie das ganze zudem recht sensationalistisch nach 80er Jahre-Art montiert ist, passt zur orientierungslosen Gesichtslosigkeit. Jedoch, DON ist vor allem auch ein Kino der Sensationen.

Was außerdem als Kuriosum auffällt, ist die Tatsache, dass der Hauptdarsteller und das Aushängeschild des Films der Übeltäter ist. Dessen Handlungen werden durchaus durch keinerlei nachgeschobene Erklärung, durch ein Trauma oder dergleichen nach hollywoodianischer Art gerechtfertigt. Der Mann ist der Gangster. Musik ab.

Die Songs des Films haben mir, etwa im Vergleich zu SINGHAM, überhaupt nicht gefallen (die teilweise aus dem Original von 1966 mit Amitabh Bachchan übernommen sein sollen). Schlechte Melodien, pappige Konzepte, over-the-top-Choreographien, elektro-Produktionen, die mehr an Plastik denken lassen, denn an modernste Technik (siehe dazu auch den Vor-, sowie den Abspann). Was Shahrukh Khan auch für ein unglaublicher Charmebolzen sein kann, lässt sich dann gut in den Straßensänger - Doppelgänger - Szenen begutachten. Hier kommt endlich mal ein wenig Sympathie auf in einem Film, dessen Figuren völlig unterentwickelt bleiben. Extrem wandlungsfähig ist dieser Schauspieler, dem hier nur Boman Irani ansatzweise etwas entgegenzusetzen hat. Alle anderen verblassen hinter King Khan. Wie auch der Film recht schnell das Gedächtnis wieder verlässt.

***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Two famous female writers from Japan: Yû Miri's 'Tokyo Ueno Station' & Hiromi Kawakami's 'People from my Neighbourhood'

TOKYO UENO STATION is not a straight narrative, but rather a quite experimental novel. As "the plot" unravels in flashbacks - by an obscure, already seemingly dead medium floating around Ueno park, the story of a life of hardship  is slowly being revealed. Of heavy labor, broken families, financial troubles and finally: homelessness. This is not the exotistic Japan you will find on a successful youtuber's channel. The events get illustrated by those of "greater dimensions", like the historical events around Ueno park hill during the Tokugawa period, the Great Kanto earthquake, the fire bombings at the end of WW II or the life of the Emperor. Quite often, Yû Miri uses methods of association, of glueing scraps and bits of pieces together in order to abstractly poetize the narrative flow . There are passages where ideas or narrative structures dominate the text, which only slowly floats back to its central plot. TOKYO UENO STATION is rather complex and surely is n...

Solang ich lebe / Jab Tak Hai Jaan (Yash Chopra, Indien 2012)

Der stille Eigenbrötler Samar (Shah Rukh Khan) arbeitet für das indische Militär als Bombenentschärfer, wo er sich einen legendären Ruf als "Mann, der nicht sterben kann" erworben hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen trägt er bei seinen Einsätzen nämlich keinen der dicken, unförmigen Schutzanzüge und Gesichtsmasken, sondern geht mit bloßen Händen und im Grünzeug an die Sache ran. Weshalb nun der schöne Unzugängliche so rücksictslos mit seinem Leben spielt, diese Geschichte erzählt JAB TAK HAI JAAN. Es ist freilich die Geschichte einer unerfüllten Liebe, die hinter seinem persönlichen Unglück steht. Die eines Schwurs im Geiste der Religion, die seine Geliebte von ihm fernhält. In einem Rückblick blättert der Film die Geschichte der beiden ungleichen Liebenden auf: in London soll die schöne Meera (Katrina Kaif), Erbin eines Supermarkt-Tycoons (Anupam Kher), an einen erfolgreichen Karrieremenschen verheiratet werden. Da sie der Augapfel des Vaters ist, wagt sie nicht zu ...