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Berlinale: Powerless (Fahad Mustafa & Deepti Kakkar, Indien 2013)


Die Stadt Kanpur in Indien: eine der größten Industriestädte im Bundesstaat Uttar Pradesh ("The Manchester of Asia"), die die meisten Blackouts weltweit zu verzeichnen hat. Denn die Energieversorgung ist bei weitem nicht ausreichend für die rasant anwachsende Bevölkerung. Folglich hat sich in der Bevölkerung die Unsitte eingeschlichen, Strom zu stehlen. Mit kleinen Haken versehen, werden Drähte über die großen stabilen Hauptleitungen geworfen, um Strom zu zapfen. Oder man bezahlt einen selbsternannten "Elektriker" dafür, eine fest installierte, aber illegale Leitung zu legen. Dies ist freilich recht gefährlich, wie man an sprühenden Funken, Kabelbränden und explodierenden Generatoren in diesem Dokumentarfilm eindrucksvoll geschildert bekommt. Und so sind die Kabelnetze, die die Straßen und die Häuser überziehen das erste, was einem auffalle, wenn man Kanpur besuche. So die beiden sympathischen Regisseure im Anschluß an den Film im Q&A. Diesem Phänomen wollte man nachgehen und habe zwei Jahre am Film gearbeitet. Und neben der Stadt, die portraitiert wird und dem Anti-Helden des Films, den im Bild zu sehenden Loha Singh, geht es genauso um die Frau an der Spitze des Energiekonzerns "Kesco": Mrs. Ritu Maheshwari. Sie ist die Vorreiterin im Kampf gegen den Stromdiebstahl und versucht dabei zugleich, ein Bewußtsein dafür zu schaffen, dass für verbrauchte Energie eben zu bezahlen sei. Was keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist in einem Alltag, der das Chaos für sich gepachtet zu haben scheint. So pendelt der Film zwischen diesen beiden Figuren, setzt optische Höhepunkte durch die Abbildung der Stadt und seiner Gassen, und behält sich eine Wertung vor. Vielmehr versucht der Film, auf einen Mißstand aufmerksam zu machen - und das mit durchaus unterhaltsamen Mitteln, etwa durch die Verwendung von treibender Musik oder von narrativ arrangierten Szenen. Durch einen Spannungsbogen, der dem Film eine Form geben soll. Was leider nicht bis zum Ende hin gelingt, dort bröselt er ziemlich auseinander und die 70 Minuten kommen einem dann doch etwas lang vor. Ein aber nichtsdestotrotz sehenswerter Film, der eben nicht nur vom Skandalösen, sondern auch vom Menschlichen erzählt.

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