Direkt zum Hauptbereich

Somewhere I have never Travelled (Fu Tian-yu, Taiwan 2009)


Ein sensibles Arthouse-Drama, das den hauptsächlich emotionalen Entwicklungen seiner beiden Hauptfiguren (eines High-School-Jungen und seiner Nichte) folgt. Zum Konflikt kommt es dann nach einem Zeitsprung von fünf Jahren, als ein japanischer Weltenbummler und Photograph in die kleine Hafenstadt im Süden Taiwans kommt - und sich der Protagonist in ihn verliebt. Das Mädchen fühlt sich nicht nur zurückgesetzt, sondern es wird ihr auch da erst richtig bewusst, wie tief ihre Liebe zu ihm ist. Da sie aber nicht mehr an ihn rankommt, wird sie erstmal zickig und unnahbar. 

Der Film selbst, der erst im Nachhinein zu einem Gay-Drama ausschert, ist jedoch alles andere als transgressiv. Und reist ganz sicher nicht an unbekannte Orte, wie der Titel verspricht. Und obwohl vieles für die Protagonisten ein Aufbruch bedeutet, von der Adoleszenz hin zum Erwachsenwerden, so spult der Film doch wie in einem Setzkastenmodell das Arthouse - Einmaleins ab, das man von ihm vielleicht nicht unbedingt erwartet, aber dennoch befürchtet. Erstaunlich unoriginell ist das alles, und lediglich die Photographie kann einigermaßen überzeugen, die sich zwar nicht überforciert den schönen Bildern widmet, aber doch sehr Filmstill-kompatibel ist. Am übelsten ist mir die gezuckerte Klavier-Klimpermusik aufgestoßen (von der es tatsächlich eine Soundtrack-Veröffentlichung gibt), die wirklich viel zu häufig und penetrant eingesetzt wird. Dieser Film ist nicht gut, aber meiner kleinen Nachbarin würde ich ihn schon empfehlen. Könnte was für sie sein. Für meine cineastischen Hardcore-Zyniker, denen jede Normerfüllung ein Gräuel ist, ist der Film sicherlich pures Gift. Ich selbst finde ihn nicht ganz so schlimm, gibt es doch wenigstens ein paar schöne Bilder von Taiwan zu sehen, Bilder des Alltags, gedreht an Nebenschauplätzen, abseits der touristischen Attraktionen. Ein Film wie ein warmes Sommerlüftchen, und genauso flüchtig.








***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Sleep Has Her House (Scott Barley, GB 2016)

"And the dark is always hungry." (Scott Barley) Scott Barley's apocalyptical drone-room of a film is a fascinating experience. Not only a film to watch, but definitely one to listen to, as the audio is almost as impressive as its pictures. Very often, the images are blurred in the beginning, but with the slightest movements of the camera, the picture does get clearer, more concrete, focused, but sometimes nothing happens at all, too. Nevertheless, the film feels very dynamic - it's a weird state of an inherent Bildspannung , a suspense (and tension that might rip apart) inside of the images themselves that keeps you totally immersed.  Static movement  of the camera might be the term of technique to describe the process of capturing those dreamlike images, which are almost incomprehensive at first, always hard to grasp. As there seems to be no plot, no dialogue, no actors, there are none of the usual narrative anchors that guide us through a film, or movie. O...

Nippon Connection 2016: Being Good (Mipo O, Japan 2015)

Die koreanisch-stämmige Japanerin Mipo O verbindet in BEING GOOD drei Erzählfäden zu einem Pastiche des alltäglichen Schreckens: versteckte, häusliche Gewalt gegenüber Kindern ist das Thema des engagierten Films. Dass auch in ihrem aktuellen Film die Sozialkritik im Mittelpunkt steht, konnte man sich schon denken, wenn man an ihren Film THE LIGHT SHINES ONLY THERE zurückdenkt, der nicht nur international erfolgreich war (Filmfestivals, Auslands-Oscar-Beitrag 2014), sondern auch auf Platz 1 des jährlichen Filmrankings der renommierten Filmzeitschrift Kinema Junpo landete. Und so denn auch hier: ein Sozialdrama, das emotional vernichtend sich ins Herz des Zuschauers schleicht, ohne dabei in Kitsch abzurutschen oder sich seine Prämisse allzu deutlich auf die Fahne zu schreiben. Es ist ein Film, der an die Substanz geht. Dabei beginnt der Film recht drastisch: schon in den ersten Minuten wird ein kleines Mädchen von der kaltherzigen Mutter im Wohnzimmer verdroschen, dass sie blaue...