Direkt zum Hauptbereich

Murder 3 (Vishesh Bhatt, Indien 2013)


Ein Fotograf, der kurz vor dem großen Durchbruch steht, wird von seiner Freundin verlassen. Sie wirft ihm vor, mit anderen Frauen fremd zu gehen - was er auch tut, aber nicht zugibt. Kurze Zeit später hat er auch schon eine neue, feste Geliebte, mit der er sich über den kaum vorhandenen, eher behaupteten Trennungsschmerz hinwegtröstet. Die Neue aber ist ein feinsinniges Wesen, bemerkt merkwürdige Vorgänge im Haus - Wasser, das sich im Waschbecken bewegt, Geräusche in den Rohren, plötzliche Stromausfälle. Sie hat Angst vor einem Geist, der möglicherweise von der prächtigen Residenz Besitz ergriffen haben könnte. Die beiden wohnen kurioserweise ausgerechnet in dem Haus, das die ehemalige Freundin, eine Architektin, hinterlassen hat - sie war nach der Trennung mysteriöserweise verschwunden. Plötzlich aber taucht die Polizei auf und verdächtigt ihn, die verschwundene Freundin ermordet zu haben.

Wie die beiden Vorgänger-Filme, die ebenfalls aus dem Hause Bhatt stammen und die gleichfalls Remakes von westlichen Filmen sind, so ist Murder 3 ein Aufguss eines kolumbianischen Thrillers names La Cara Oculta von Andrés Baiz. Das macht den Film aber leider nicht besser. Über eine Stunde lang quält man sich durch ein glossy-ges, stumpfes, langweiliges, klischeebeladenes, peinliches Märchen, dass es schon sehr viel Durchhaltevermögen braucht, um den Film nicht abzubrechen. Abgesehen davon, dass die männliche Hauptfigur ein unsympathischer und arroganter Mistkerl ist (Randeep Hooda als Vikram) und sein love interest Nishi (Sara Loren) als Dummchen daherkommt (kommen muss), bleibt die einzig interessante Figur die verschwundene Ex-Freundin Roshni (Aditi Rao Hydari) - sie erklärt dann auch, sie verlasse ihn, weil sie ihn nicht mehr kenne, er ihr fremd geworden sei - viel einfallen dazu tut ihm (und dem Script) allerdings nicht. Die Dialoge in Murder 3 sind allesamt nicht gerade besonders ausgefeilt. Dafür darf man die gesamte Spielzeit über etliche weichgespülte Rocksongs ertragen.

Mit der Plotvolte nach etwa gut einer Stunde hält dann allerdings endlich Spannung Einzug, und der Fokus verschiebt sich von Schönling Vikram auf die sowieso interessantere und darstellerisch vielschichtigere Roshni. Sowohl die in den Flashbacks eingefangenen, glücklichen Momente vergangener Tage als auch ihre aktuelle Situation, in der ihre Welt zur Hölle geht, spielt sie mit großer Überzeugung und Leidenschaft - während sich alles andere Personal Schaufensterpuppen gleich durch den Film schiebt. Spoilern will ich nicht, deshalb rate ich allen, bei Interesse sich nicht zuviel im Vorfeld über den Film zu informieren oder auch nur sich den Trailer anzuschauen. Der Überraschungseffekt ist noch mit das Beste, was der Film zu bieten hat - auch wenn das für einen Film letztlich ein Armutszeugnis ist. Der Film wird gegen Ende dann auch komplexer und entwickelt sich weg von den billigen Jump-Scares, mit denen er sich bislang in den ersten zwei Dritteln zufrieden gegeben hatte. So kann am Ende das Urteil nicht ganz so vernichtend ausfallen, wie man zunächst dachte - ein guter Film ist Murder 3 aber ganz sicher trotzdem nicht.

***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Two famous female writers from Japan: Yû Miri's 'Tokyo Ueno Station' & Hiromi Kawakami's 'People from my Neighbourhood'

TOKYO UENO STATION is not a straight narrative, but rather a quite experimental novel. As "the plot" unravels in flashbacks - by an obscure, already seemingly dead medium floating around Ueno park, the story of a life of hardship  is slowly being revealed. Of heavy labor, broken families, financial troubles and finally: homelessness. This is not the exotistic Japan you will find on a successful youtuber's channel. The events get illustrated by those of "greater dimensions", like the historical events around Ueno park hill during the Tokugawa period, the Great Kanto earthquake, the fire bombings at the end of WW II or the life of the Emperor. Quite often, Yû Miri uses methods of association, of glueing scraps and bits of pieces together in order to abstractly poetize the narrative flow . There are passages where ideas or narrative structures dominate the text, which only slowly floats back to its central plot. TOKYO UENO STATION is rather complex and surely is n...

Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...