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5 random Shorts: Shabu-Shabu Spirit ~ Transferring ~ My Father's Truck ~ Revenge ~ Vitthal


Im japanischen Kurzfilm Shabu-Shabu Spirit (2015) von Yuki Saito stellt sich der neue Freund der Tochter des Hauses den zukünftigen Schwiegereltern vor. Aus diesem Anlass gibt es Shabu-Shabu, eine Art Fleisch-Hotpot-Fondue, bei dem man sehr viel falsch machen kann. Entsprechend genau nimmt der Vater den jungen Mann, der eigentlich um die Hand seiner Tochter anhalten will, unter die Lupe. Natürlich vor allem erstmal die Manieren, aber auch, wie dieser das Bier einschenkt, wie er anstößt, wie er sich verbeugt. Wie lange er das Fleisch gart und wie er die Reihenfolge der Speisen wählt. Doch der Begutachtete macht erstmal alles richtig. Bis dann später, als eigentlich schon alles gut gelaufen ist, die Bombe platzt. Ein schöner Twist wartet am Ende, der dem durchaus originell gemachten Film einen knalligen Abschluss verpasst. Nicht dass es das unbedingt gebraucht hätte, denn schon während des Films gibt es Verfremdungseffekte genug: zum Besipiel fällt der Film wiederholt aus seiner Diegese heraus. Wie bei einem Bühnenstück wird für kurze Zeit unterbrochen, der Vater wendet sich zur Seite und direkt ans Publikum, Spot von unten, teuflisch flüsternd: "Nun wollen wir mal sehen, was er alles falsch macht!" Oder plötzlich schauen die Masken an der Wand ganz genau den Jungen an und verdrehen dabei die Augen. Da ändert sich das Licht und der Vater hält einen Vortrag, wie alles in Japan seine richtige Form und Abfolge hat. Das ist in seiner Überdrehtheit manchmal vielleicht etwas penetrant, aber tatsächlich eigentlich auch recht witzig, wie der Vater sich so richtig reinsteigert. Ein wenig hat mich das an Nobuo Mizutas The Apology King erinnert, der 2014 auf der Nippon Connection lief. Shabu-Shabu Spirit jedenfalls ist hier bei youtube zu sehen.

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In Junichi Kanais Kurzfilm Transferring (2012) freundet sich die in ihrer Schulklasse isolierte Yoko mit einer neuen Schülerin an, die aufgrund eines Umzugs frisch in die Klasse kommt. Diese ist aber genauso zurückgezogen - und abweisend - wie Yoko selbst, sodass erst der gemeinsame Nachhauseweg etwas Annäherung bringt. Leider kommt es aber bald zum unvermeidlichen Bruch zwischen den beiden neuen Freundinnen. Aus einem ganz banalen Grund. Der Film ist ein typisch japanischer, stiller In-Mich-Vertreter, der allen Fans von Shunji Iwais Filmen gefallen dürfte. Für den Begriff coming-of-age ist dieser allerdings zu kurz, so richtig kann sich ein Charakter hier nicht weiterentwickeln. Aber es ist eben auch nur eine (1) der Situation im Leben Yokos, mit der sie zurecht kommen muss. Der Film ist von den beiden jungen Frauen sehr überzeugend gespielt, ebenso toll der Nebendarsteller in der Rolle des jungen Lehrers mit Hemd, Krawatte und Adidas-Jacke, der mit einigen Fettnäpfchen-Situationen zurecht kommen muss. Eine schöne Kamera auch. Toller kleiner Film, der hier bei viddsee zu sehen ist.

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Dass das Erwachsenenleben auch sehr unangenehme Seiten hat, muss das Mädchen Vy früh erfahren: weil sie von ihren Klassenkameraden gehänselt wird, zieht sie es vor, bei ihrem Vater einen Tag lang auszuhelfen. Er fährt ein Lastwagen-Taxi im ländlichen Vietnam von Reisfeld zu Reisfeld, und die Tochter muss jetzt das Fahrgeld eintreiben. Dabei wird sie natürlich übers Ohr gehauen und vom Vater ausgeschimpft. Kurz darauf allerdings ertappt sie ihn, wie er an einem krummen Ding beteiligt ist - und erst ihr Leiden an der Welt und um die Kreatur an sich bringt die beiden, Vater und Tochter, auf Augenhöhe wieder zusammen. Mauricio Osaki, der Name lässt auf einen japanischstämmigen Brasilianer tippen, hat in Vietnam den Kurzfilm My Father's Truck (2013) realisiert, einen Film in ausgebleichten, grauen Farben, der ein Vietnam bar jeden Exotismuses zeigt. Hier ist nichts saftig, bunt und üppig, sondern trist, vernebelt und grau. Der Film ist durchweg spannend, manchmal etwas gewollt dicht dran im Bildausschnitt, und überhaupt wirkt das alles, als hätte sich der Regisseur etwas zu sehr am frühen Jia Zhangke orientiert. Da das alles etwas gewollt wirkt, kann einem durchaus auch der pejorative Ausdruck poverty porn in den Sinn kommen, und das liegt schon recht erreichbar im Assoziationsraum. Den Film kann man sich momentan noch bis Ende Dezember bei arte in der Mediathek anschauen, dort heißt er schlicht: Papas Lastwagen.

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Im indonesischen Kurzfilm Merindu Mantan: Revenge von Andri Cung (2012) sucht eine junge Frau Zuflucht bei Schwarzer Magie, um sich an ihrem Boyfriend zu rächen, der mit einer anderen Dame fremdgeht. Dazu schält sie mit ihren ausgenommen schönen Händen bedächtig eine Banane, bevor sie diese mit Nadeln spickt und dann mit einer Schere malträtiert. Das hat natürlich gewisse Auswirkungen auf das nächtliche Liebesleben des Fremdgehers. Und die Magie wirkt, kein Zweifel! Der Film ist sehr geradlinig und hält insgesamt wenig Überraschungen bereit. Slow Motion-Pans, rituelle, rhythmische Musik. Visuell ist das alles, bis auf obige Szene aus der Vogelperspektive, sehr unoriginell erzählt und kann leider wenig "Magisches" für sich verbuchen. Allenfalls die etwaigen Schmerzen des Fremdgehers sind bis zu einem gewissen Level nachfühlbar dargestellt - im Grunde ist dieser Film aber nicht viel mehr als eine sehr simple Idee sehr simpel umgesetzt. Immerhin werden einem die zehn Minuten nicht lang. Diesen Film (hier online bei viddsee)  muss man nicht unbedingt gesehen haben

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Auf der Plattform vimeo kann man sich den indischen (Marathi-) Film Vitthal (2009, dir. Vinoo Choliparambil) ansehen, ein 24minütiger Kurzfilm über einen Jungen vom Lande, der nach dem Tod seines Großvaters einer rituellen Hindu-Tradition folgend sich den Kopf scheren lassen muss. Das findet er gar nicht lustig, weil er schon weiß, dass er von seinem Bruder verlacht und von seinen Schulkameraden gehänselt werden wird. Als Vitthal sich dann schließlich rächt, passiert ein Unglück. Der Film ist sehr routiniert in Szene gesetzt, mit professionellen Bildern, guten Schauspielern und einer geglückten Spannungskurve. Lediglich das Ende kommt etwas abrupt, bleibt aber absichtlich offen. Da hat ein Film immer ein Stein im Brett bei mir, wenn nicht immer alles auserzählt und gedeutet werden muss - und eigentlich ist das schon auch klar, wie es dann weitergehen muss. Vitthal ist ein Film, der auf großen Festivals lief (in Busan zum Beispiel), allein, richtig begeistern konnte er mich nicht. Es fehlt ein bisschen die Dynamik, die Begeisterung, das Leben vielleicht. Man kommt der Figur Vitthals auch nicht so richtig nahe, da man ja weiß, dass diese doofen Haare übermorgen schon wieder nachgewachsen sein werden. Der ganze Film bleibt etwas zu sehr auf Distanz, berührt zu wenig und die ziemlich perfekte Ausführung vergrößert diese Distanz zum Zuschauer sogar noch etwas. Insgesamt aber durchaus anschaubar.

Michael Schleeh

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