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That Girl from Nobuhiko Obayashi's TABETA HITO (1963)

Sie ist eine stille, junge Frau, die hier als Kellnerin die vorwiegend männlichen Gäste bedient. Die essen Nudelsuppe, schlingen sie runter wie die Tiere und auf der Tonspur hört man das Schmatzen und Grunzen der offenen Mäuler - so laut muss es in ihren Ohren dröhnen, das Tagein-, Tagaus-Immergleiche, ihr eklig werdender Soundtrack des Alltags. Diese ganzen Männer, die sich kurz den Magen vollfressen, bevor sie wieder verschwinden in ihre wichtigen Büros zu ihren wichtigen Jobs mit ihrer wichtigen Unersetzbarkeit. Sie aber stellt nur die Teller hin. Man schaut kaum hoch, wenn sie bedient. Wer ist sie schon. Sie scheint der Aufmerksamkeit nicht wert zu sein, im busy business life mitten in Tokyo - allenfalls die schrill lachenden Mädchen, die affektiert zu rauchen versuchen als wären die Amerikaner immer noch da im Jazzclub ums Eck, werden von den Sararyman wahrgenommen. Eingeladen, wer weiß, vielleicht für ein schnelles Nümmerchen in einem naheliegenden Love Hotel. Doch ihr ist das alles egal und zuwider zugleich. Bis sie dann schließlich doch umkippt, vor Ohnmacht, vielleicht aus Respekt vor dem eigenen Leben, das hier verschwendet wird. Als sie erwacht, jedoch, befindet sie sich noch tiefer drin in Obayashis surrealem Kurzfilm, da werden Nudeln aus ihrer geöffneten Lende gelöffelt und ein hungriger Mann lebt in ihrem Bauch. Aber hier sehen wir sie noch, wie sie noch ganz aufrecht steht, ein bisschen gelangweilt, auf einem Bein balancierend. Kurz vor dem Entsetzen und dem Dahinsinken, wie ein Filmstar in einem großen Hollywoodfilm. Und am Ende bleibt nichts als leere Melancholie.








Michael Schleeh

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Und dann friert die Pfütze zu: Liebe am Papierrand (Yoko Ogawa, 1991/2005)

Abgesehen vom obligatorisch esoterischen Asien-Coverbild auf dem Buchdeckel, das die Erwartungshaltung in eine völlig falsche Richtung lenkt, ist dieses Buch, eine Kranken- und Liebesgeschichte einer Frau zu einem mysteriösen Stenographen mit schönen Händen, vor allem aber eines für Ohrenfetischisten. Laut Wikipedia war dieses der erste große, erfolgreiche Roman der Autorin und vielleicht ja auch eine Hommage an Murakami Haruki, dessen Ohren-Obsession hinlänglich bekannt ist. Es hagelte jedenfalls Literaturpreise in Japan.
 Es ist ein leises Buch, noch viel leiser als die Eulersche Formel, und ein präzises in der Beobachtung des Alltäglichen. Die Figuren sind noch behutsamer und rücksichtsvoller gegen sich selbst und die Umwelt. Hier wird viel in Erinnerungen geschwelgt und in Gefühlszuständen, die nur mit ständig eingeschaltetem Seismographen wahrgenommen werden können. So ziemlich das Gegenteil von einem Ryu Murakami-Roman, aber keinesfalls besser. Und dann fällt Schnee, oder es l…

Afterlife / Wandâfuru raifu (Hirokazu Kore-eda, Japan 1998)

Angekommen in einem nüchternen Zwischenreich, müssen zehn Verstorbene den schönsten Moment ihres Leben auswählen, um mit dieser Erinnerung anschließend ins Jenseits einzugehen.

Kore-eda ist ein Regisseur der vom Dokumentarfilm kommt. Das sieht man ihm auch bei seinen filmischen Mitteln im feature film an. Die Kreation irrwitziger Filmwelten ist nicht sein Ding. Stets führt die ruhige Kamera in langen Einstellungen "reales" Leben vor, das sich nicht den Gesetzen des Entertainments unterwirft. Lange Einstellungen, Stille, Respekt vor den Menschen, dem kleinen Moment des Besonderen.
Seine Mittel der Authentizitätserzeugung wählt er gründlich: neben den bereits erwähnten technisch-strukturellen Komponenten ist es auch die Wahl der Schauspieler und Laiendarsteller, für die er sich enorm viel Zeit genommen hatte. So werden die Toten (etwa 10 Personen) allesamt von Laien dargestellt, die Kore-eda nach 500 geführten Interviews ausgewählt hatte. Zudem waren nur die Dialoge der profe…

Violent Virgin aka Gewalt! Gewalt: shojo geba-geba (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Ein verstörender Film: die beiden Protagonisten, ein Mann namens Hoshi (gespielt von Toshiyuki Tanigawa) und eine Frau (Hanako, gespielt von Eri Ashikawa - doch die Namen spielen wieder mal eigentlich keine Rolle) mit Sack über dem Kopf, werden offensichtlich von einer Gruppe sadistischer Yakuza und ihren kreischenden Gespielinnen entführt. Man gelangt über holprige Wege in eine Einöde, wo die Frau nach einigen Misshandlungen an ein großes Holzkreuz gefesselt wird. Blut läuft ihr über die Brust, sie ist beinahe nackt. Der Mann wird auf verschiedene Arten misshandelt, bevor er von den Peinigern zum Verkehr mit den prolligen Weibern gezwungen wird. In seiner Wut und Hilflosigkeit geht er jedoch äußerst ruppig mit ihnen zur Sache. Er beginnt sich aufzulehnen und erwürgt eines der Mädchen. Später kommt dann heraus, dass die Gräueltaten von einer Anhöhe aus vom Yakuza-Boss beobachtet werden, der seine sadistische Freude daran hat, das Liebespaar zu quälen. Denn Hoshi ist sein untreu gewo…