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That Girl from Nobuhiko Obayashi's TABETA HITO (1963)

Sie ist eine stille, junge Frau, die hier als Kellnerin die vorwiegend männlichen Gäste bedient. Die essen Nudelsuppe, schlingen sie runter wie die Tiere und auf der Tonspur hört man das Schmatzen und Grunzen der offenen Mäuler - so laut muss es in ihren Ohren dröhnen, das Tagein-, Tagaus-Immergleiche, ihr eklig werdender Soundtrack des Alltags. Diese ganzen Männer, die sich kurz den Magen vollfressen, bevor sie wieder verschwinden in ihre wichtigen Büros zu ihren wichtigen Jobs mit ihrer wichtigen Unersetzbarkeit. Sie aber stellt nur die Teller hin. Man schaut kaum hoch, wenn sie bedient. Wer ist sie schon. Sie scheint der Aufmerksamkeit nicht wert zu sein, im busy business life mitten in Tokyo - allenfalls die schrill lachenden Mädchen, die affektiert zu rauchen versuchen als wären die Amerikaner immer noch da im Jazzclub ums Eck, werden von den Sararyman wahrgenommen. Eingeladen, wer weiß, vielleicht für ein schnelles Nümmerchen in einem naheliegenden Love Hotel. Doch ihr ist das alles egal und zuwider zugleich. Bis sie dann schließlich doch umkippt, vor Ohnmacht, vielleicht aus Respekt vor dem eigenen Leben, das hier verschwendet wird. Als sie erwacht, jedoch, befindet sie sich noch tiefer drin in Obayashis surrealem Kurzfilm, da werden Nudeln aus ihrer geöffneten Lende gelöffelt und ein hungriger Mann lebt in ihrem Bauch. Aber hier sehen wir sie noch, wie sie noch ganz aufrecht steht, ein bisschen gelangweilt, auf einem Bein balancierend. Kurz vor dem Entsetzen und dem Dahinsinken, wie ein Filmstar in einem großen Hollywoodfilm. Und am Ende bleibt nichts als leere Melancholie.








Michael Schleeh

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Für alle sichtbar und dennoch weit weg: Die Ladenhüterin (Sayaka Murata, 2018)

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Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist.
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