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Two Countries (Shafi, Indien 2015)

 
"A marriage is the most important business deal in a man's life!"

Vor allem dann ist die Aussage wahr, wenn man nicht viel Knete hat. Und zum Beispiel gerade seine illegale Import-Export-Firma ruiniert hat. Da kommt dem Helden Ullas (Dileep), einem sympathischen Schwindler, die Hochzeit im Hause des Kredithais gerade recht: denn dort ist auch dessen Tochter anwesend, auf die er es abgesehen hat. Diese dürfte über eine gewaltige Mitgift verfügen, was die Probleme des Anti-Helden schlagartig lösen dürfte. Ullas wähnt sich seiner Sache sicher, denn sie sitzt im Rollstuhl und die Anzahl ihrer Verehrer ist bedauerlicherweise gering. Er wirft ihr zuckersüße Blicke zu, hinweg über Gesang & Tanz, und tatsächlich, sie scheint von seinem Charme sehr angetan. Sogar der Vater, ein knallharter Geschäftemacher mit dem Ruf eines brutalen Psychopathen und mit einem beeindruckenden Schnauzer ausgestattet, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das Geld, das er Ullas geliehen hat, hätte er aber trotzdem gerne wieder. Kurz darauf kommt Ullas aber eine bessere Partie wie vor die Füße gefallen: seine ehemalige Jugendfreundin Laya (Mamta Mohandas) ist zurück, die dann in Kanada aufgewachsen ist, wodurch sie sich aus den Augen verloren haben. Auch deren Eltern verfügen über ein großes Vermögen. Sie hat ihn schon kurz darauf wieder verzaubert und er setzt alles daran, nach Kanada zu kommen, um im fremden Land sein Glück zu machen. Was er nicht weiß, weil er, trunken vor Liebe, nicht richtig hingehört hat: seine Angebetete ist Alkoholikerin und ihr Erbe eingefroren.

Wenn man sich auskennt im südindischen Film, dann kennt man die beiden Hauptdarsteller. Sie sind Superstars des Malayalam Films, oder vielleicht sagt man auch Malayalali Film. Man finde mal einen brauchbaren deutschen Text zu dieser National-, bzw. Regionalkinematographie, das wäre allein schon gut, um mal die Begriffe zu klären. Jedenfalls ist Schauspieler Dileep, der mit vollem Namen Gopalakrishnan Padmanabhan Pillai heisst, eine Institution in seiner Heimat. Er hat bisher in über 130 Filmen mitgespielt und ist noch keine 50 Jahre alt. Auch hat er jeden namhaften indischen Filmpreis gewonnen, den man sich vorstellen kann. Auch als Produzent ist er tätig und als comedian, man muss es gar nicht erwähnen: auch da ist er jeweils erfolgreich. 2 COUNTRIES ist nun eine kommerzielle Liebeskomödie, die auch aus ihrem culture-clash-Potenzial einiges an Sprachwitz und sanfter Gesellschaftskritik zieht. Am meisten gefreut hat mich, dass hier ein Tabu zwar mit leichter Hand inszeniert wurde (das Alkoholproblem Layas), aber generell die Rolle(n) der Frau(en) sehr stark gemacht wurden. Dabei sind die Männer in diesem Film nicht nur steifhüftige Volltrottel, deren eigentlicher Boss die Angetraute zu Hause ist, sondern im Film finden sich auch mehrere Dialogszenen, die ernsthaft für ein freieres, offeneres Gesellschaftsmodell plädieren, in der die Rechte der Frauen stark gemacht werden. Rechte, die nicht nur als selbstverständlich zu erreichendes Ziel etabliert werden, sondern auch als ein notwendiges. Denn mit den Männern steuert man todsicher auf den Abgrund zu.

Keine Frage, der Film bietet auch viel Slapstick und Sprachwitz, den man nicht unbedingt nochmals aufgewärmt gebraucht hätte. Auf der anderen Seite ist der Humor oft originell, von einer befreienden Albernheit, und durchaus mit viel Liebe zum Detail inszeniert und herausgearbeitet worden, sodass der Film leichtfüßig dahinfliegt und sehr gut zu unterhalten weiß. Wenn es dann mal aus den Ohren herausdampft, weil Dileep innerlich kocht, dann kann man das durchaus verzeihen (oder auch okay finden). Ob der Film nun eine Sternstunde der Malayalam Komödie markiert oder einfach nur ein weiteres Lustspiel unter vielen vergleichbaren ist, das kann ich mit meinem beschränkten Horizont nicht beurteilen. Dafür kenne ich mich schlicht zu wenig aus. Er ist jedenfalls nicht so ruppig wie viele Vertreter des tamilischen Kinos, die ich bisher gesehen habe - das waren allerdings auch eher Vertreter der "Neuen Welle" und weniger Klopper des Mainstream-Kinos. Am Ende jedenfalls hat der Film noch etwas versöhnliche Moral auf der Pfanne (die man so gar nicht unbedingt erwartet hätte), und ein, zwei spannende Twists zu bieten, die völlig plausibel sind und noch etwas Geschwindigkeit in die ohnehin euphorische Schlußsequenz pumpen. Da kommt alles sauber zusammen, die losen Fäden werden sortiert und am Ende zu einer runden Sache gefügt. Davon, auf diesem Level, gerne zukünftig mehr.

Michael Schleeh

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