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The Stool Pigeon / Sin yan (Dante Lam, Hongkong 2010)

Polizeiinspektor Don Lee (Nick Cheung) arbeitet stark mit verdeckten Informanten zusammen, den sogenannten Stoolies . Eine gewisse Rücksichtslosigkeit wird vor allem dann ausgepackt, wenn es um die abschließende Klärung des Falles geht. Dann gibt es Bauernopfer. Bei einem besonders tragischen Fall allerdings kommt er selbst nicht darüber hinweg - und als erneut eine berüchtigte Einbrecherbande in Hongkong auftaucht, die sich auf Juweliere spezialisiert hat, schleust er den jungen Delinquenten Ghost Jr. (Nicholas Tse) in die Gang ein. Als schließlich auch hier die Vorgesetzten den Informanten zu opfern bereit sind, revoltiert er. Dante Lam ist mittlerweile das Aushängeschild für rasante, harte und intelligente Actionfilme aus Hongkong. Seit seinem furiosen THE BEAST STALKER hat sich zwar eine leichte Sättigung der Thematik eingestellt (und mit dem überfrachteten FIRE OF CONSCIENCE konnte man seine Probleme haben (ich weniger)), dafür ist THE STOOL PIGEON nun wieder ein Schritt in di...

The Ghosts of Kasane Swamp / Kaidan Kasane-ga-fuchi (Nobuo Nakagawa, Japan 1957)

Der Film beginnt mit einem Auftakt im 18. Jahrhundert: ein blinder Kaufmann leiht einem verarmten Samurai eine größere Summe Geldes. Als dieser seine Schulden nicht bezahlen kann, der Kaufmann aber auf Rückzahlung pocht, wähnt der Samurai seine Ehre beschmutzt und tötet in Raserei den hilflosen Gönner. Der Diener versenkt daraufhin die Leiche im nahegelegenen Kasane-Sumpf, nicht ohne Versuch, den Zorn des Verstorbenen durch Gebete zu begütigen. Was naturgemäß nicht gelingt - er kehrt zurück, erscheint dem Samurai als Wahnfigur, die sich vor die realen Personen schiebt, woraufhin er seine Gattin ermordet, anschließend sich selbst. 20 Jahre später setzt die Haupthandlung ein: der Sohn des Samurai, Shinkichi (Takashi Wada), wurde als Findelkind bei einem reichen Händler abgegeben und wuchs dort als demütiger Hausangestellter auf. Obwohl dessen Herkunft bekannt war. Er verliebt sich in die hübsche Tochter des Kaufmanns, Hisa (Noriko Kitazawa), die aber bereits versprochen ist. Ihre Sham...

Geom-eun jib / Black House (Sin Tae-ra, Südkorea 2007)

Juno ist bei einer Versicherung als Gutachter angestellt und soll eventuelle Versicherungsbetrüger entlarven. Als er zu einem stark verfallenen Haus gerufen wird, ahnt er zunächst nichts Schlimmes, doch entdeckt er dort ein möglicherweise gewaltsam begangenes Verbrechen. Der dubiose Vater der Familie scheint es auf die Versicherungssumme abgesehen zu haben und als diese schließlich ausbezahlt wird, könnte er den Fall eigentlich ruhen lassen. Doch Juno vermutet im Vater einen Mörder, und will unbedingt hinter das Geheimnis kommen. Nicht zuletzt deshalb, da er selbst schon von diesem Mann, den er für einen Psychopathen hält, mehrfach bedroht wurde, da die Auszahlung der Summe etwas gedauert hatte. Zunächst ist auffällig, wie sehr hier die geordneten Lebensumstände Junos eine Entsprechung in der Bildgestaltung finden: stets werden streng geradlinige geometrische Gegenstände im Bild mit dem Protagonisten eingefangen. Etwa auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz fällt der Blick a...

The Third Yakuza / Shin daisan no gokudo I + II (Takashi Miike, Japan 1996)

Da der Clan des Yakuza Reijiro Masaki (Kiyoshi Nakajo) aufgelöst wird, findet er beim bislang verfeindeten Todo-Clan Unterschlupf. Da er früher einmal das Leben des Bosses Retsu Hattori verschont hatte, wird er als dessen rechte Hand, die Nummer 2 des Clans also, an die Spitze der Führung gesetzt. Das führt bei den Mitgliedern natürlich zu massivem Unmut, da sich einige übergangen fühlen. Und schon bald beginnt der Terror und der Kampf um die Nachfolge. Dieser frühe Film von Miike, gedreht für den Videomarkt, kann es weder mit seinen großen, bekannteren Filmen, noch mit den stilprägenden ruppigen Genreerneuern wie den Filmen von Fukasaku oder Suzuki aufnehmen. Dennoch finden sich immer wieder Ansätze, etwa im Bereich der schrägen Komik oder der ruppig-gewalttätigen Verstörung, die von einem Stilwillen des Regisseurs zeugen, der hier leider kaum zur Entfaltung kommt. Allzu behäbig schiebt sich die Handlung voran, werden Klischees und Genrestandards abgehakt (Intrigen, Mord, Rache), a...

Ako / White Morning (Hiroshi Teshigahara, Japan 1965)

Ein Tag im Leben der 16jährigen Ako, die ihre Tage in einer großindustriellen Backfabrik fristet. Später zieht sie dann los mit einer Freundin und drei Jungs, ihren Kollegen, um "so viel Spaß wie möglich" zu haben. Diesen Spaß stellen sich die Jungmänner anders vor als die Frauen, und als das Auto dann im Industriegebiet eine Panne hat, drängt sich der Alphamann Ako auf. Es gibt so Filme, die ziehen einen nach wenigen Sekunden in den Bann. Das kann nur an den Bildern liegen, am Schnitt, an der Montage im Ganzen. Denn Handlung gab es ja noch keine. Asynchroner Sound, extradiegetisch, verzerrte Musik, Kommentar aus den Geräuschen, später erst Dialoge (wenn gerade niemand spricht), Jump-Cuts ohne Ende und ein Wirbel in drei vier Minuten, der mehr zu erzählen weiß, als jeder allwissende Erzähler das mit seinem Opa-Schlapphut jemals könnte. Dass in den Film dann so eine Gewalt, wie urplötzlich, Einzug erhalten kann, ist zutiefst beunruhigend. Und da man mittlerweile darum...

Koma (Naomi Kawase, Japan 2009)

Ein junger Großstädter koreanischer Abstammung reist in den Bezirk Koma in Nara, um eine Schriftrolle seines verstorbenen Großvaters dem rechtmäßigen Besitzer zurückzubringen. Die Erfüllung dieses letzten Wunsches hat dann aber zur Folge, dass er die etwas verquere Hatsuko, die Tochter der Familie, kennenlernt, die ihm mythische Geschichten von Berggeistern und ihrer hingebungsvollen Liebe erzählt. Von Hatsuko scheint eine seltsame Faszination auszugehen... Wie kaum ein(e) andre(r) Regisseur(in) versteht es Naomi Kawase, arthousige Filme zu drehen, die so wunderbar schwebend leicht und balastfrei daherkommen (allenfalls Hong Sang-soo fällt mir da noch ein). Mit Handkamera und selbstredend ohne extradiegetische Musik kreiert sie die ihr eigene Kawase-Atmosphäre, die eine tiefe, ruhige, beinahe schon meditative Stille ausstrahlt (die sehr faszinierend ist und nie manieristisch wirkt), und die dennoch eine Spannung unter der Oberfläche vermittelt, die einen gebannt am Film kleben läß...