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Troubleshooter / Haegyeolsa (Kwon Hyeok-jae, Südkorea 2010)

  Der koreanische Actionthriller ist für mich eine besonders angenehme Angelegenheit, denn zumeist weiß man, was man bekommt (und wird dennoch oft genug überrascht): nämlich handwerklich hochwertiges, oft mitreissendes Actionkino, das mit einer Plotline gesegnet ist, die irgendwie auch immer gleich ist. Manchmal gibt es einen Ausreisser - nach unten wie mit SECTOR 7 , aber auch nach oben wie zuletzt mit dem überragenden THE YELLOW SEA. Üblicherweise aber bleibt alles auf nicht gerade originellem, dafür dennoch ansprechendem Niveau. Dass mir solche Filme in der Regel mehr Spaß machen als ihre Pendants aus USA, liegt nicht nur daran, dass die koreanische Kultur letztlich doch fremder ist als die amerikanische (und es so mehr zu entdecken gibt), sondern auch daran, dass selbst im Mainstreamkino immer noch Elemente durchschlagen, von denen man das nicht erwarten würde. Die eine oder andere künstlerische Radikalität etwa, unerhörte Ruppigkeiten, die im Westen nicht denkbar wären, od...

Die Nacht des Mörders / Japanese Summer: Double Suicide (Nagisa Oshima, Japan 1967)

Die sexuell enthemmte junge Dame Nejiko (Keiko Sakurai) streift mit dem schüchternen Deserteur Otoko (Kei Sato)  herum - sie ist stets auf der Suche nach sexuellen Abenteuern, er ist seines Lebens überdrüssig und sucht jemanden, der ihn zu töten bereit ist. Beide haben aber zunächst wenig Erfolg, auch wenn Nejiko auf der Brücke ihr Höschen auszieht und den Schwimmern im Fluss nachwirft. Das gibt zwar Gejohle, man schwimmt aber lieber weiter. Dann geraten die beide in die Hände von Anarchisten, die sich in einen Unterschlupf zurückgezogen haben um ihre nächste Aktion zu planen. In ein Verlies eingesperrt, lernt man die anderen Gefangenen kennen, und die beiden Protagonisten scheinen zu bekommen was sie suchen: Sex und einen Killer. Doch dann verläuft alles wieder ganz anders... MURI SHINJU: NIHON NO NATSU ist ein selten gesehener Film Oshimas. Zu Unrecht, meine ich. Freilich gehört er zu den weniger zugänglichen Werken des "Meisterregisseurs" (so die mittlerweile leider...

Bin Bulaye Baraati (Chandrakant Singh, Indien 2011)

Eine ganze Horde Kleinganoven, die alle zeitgleich etwas ausgefressen haben, landen unter absurden Umständen in einem gestohlenen Lieferwagen, in dem sich (!) ein Koffer voller Juwelen befindet. Die Gangster sind zwar hinter ihnen her, doch können sie mit Hilfe einiger Tricks (und dem Filmschnitt) der Situation entkommen und landen in einem kleinen Dorf. Dort verkleiden sie sich als Polizisten und retten die unterdrückten Einwohner, die unter der Knute eines korrupten Reichen stehen. Hinter diesem aber steht noch der Oberbösewicht Black Cobra, der ein wenig wie der King aussieht (also Elvis) - nur aus dem Reich der Toten (in schwarz, hochgestellter Kragen, Kajal-Augen und Vokuhila). Diesen müssen die wackeren Helden wider Willen also ebenfalls aus dem Weg räumen, sowie dessen älteren Bruder, der aber aufgrund seiner erwachten homoerotischen Gefühle auf unseren Helden steht. Wie ich auf indischen Filmseiten lese, versammeln sich in diesem Film einige Komödiengrößen des indischen ...

The Cloud Door / Die Himmelspforte / बादल द्वार (Mani Kaul, Indien/D 1994)

Mani Kauls THE CLOUD DOOR ist ein indisch-muslimischer Erotikfilm, der Teil einer größeren Kompilation an Kurzfilmen ist; ein weiterer Film, der es zu etwas Bekanntheit gebracht hat, ist Ken Russells THE UNSATIABLE MRS. KIRSCH oder ANGELA von Amos Kollek. Produziert wurde dieses Projekt anscheinend vom WDR. Mani Kaul adaptiert für seinen Film verschiedene indische und muslimische historische Texte, etwa aus dem Sanskrit ( Aimaraka ) oder das aus dem islamischen Sufismus stammende epische Liebespoem Padmavat von Malik Mohammed Jayasi. Zur Handlung: Der König von Rajasthan bemerkt, wie ein grüner Papagei, der eigentliche Protagonist des Films, seiner Tochter, der Prinzessin Kurangi, erotische Geschichten ins Ohr flüstert. Enragiert zieht er das Messer und will den Vogel töten, doch dieser wird von Kurangi in Schtutz genommen. Der Vogel wiederhole nur, was er bei Menschen gelernt habe. Dann lässt sie ihn frei und nimmt ihn mit ins Badehaus, wo sie splitternackt mit anderen Damen der ...

Der weiße Tiger / The white Tiger (Aravind Adiga, Indien 2008)

 Ein indischer Zuckerbäcker aus der Provinz steigt sozial auf und wird der Fahrer eines reichen Industriellen in Delhi. Er beobachtet, lernt schnell und als sich ihm schließlich die Gelegenheit bietet, begeht er ein Verbrechen um selbst Unternehmer zu werden. Der Clou des Buches aber ist der, dass der Ich-Erzähler mitsamt seiner gewonnenen Souveränität aus der Rückschau auf seinen Werdegang einen Briefroman schreibt, nun als etabliertes Mitgleid der Gesellschaft. Das fügt der Erzählung eine weitere Reflektionsebene hinzu - genauso wie die etwas hanebüchene Prämisse, dass der Empfänger der Briefe der chinesische Ministerpräsident ist, welchem er sich bei dessen Indien-Besuch empfehlen will. Wen Jiabao möchte nämlich an das Geheimnis des "indischen Unternehmertums" gelangen, und Balram Halwai, der Erzähler, meint nun ganz selbstbewußt, er könne daraus Ruhm und Profit schlagen.    Der weiße Tiger ist ziemlich lustig erzählt und man bekommt eine Vielzahl ...

Laaga Chunari Mein Daag / Der Weg einer Frau (Pradeep Sarkar, Indien 2007)

Eine intakte Familie mit zwei schönen Töchtern lebt am Ufer des Ganges in einem großen, aber langsam verfallenden Haus in der Stadt Benares. Als ein Filmdreh, der im Haus stattfinden sollte, nicht zustande kommt und das Geld dafür ausbleibt, der Vater einen Herzanfall bekommt, alle Verwandten angeschnorrt sind, schwebt das Unheil über der Familie. Lange kann es nicht mehr dauern, bis sie mit einem Gerichtsurteil aus dem Haus vertrieben werden. Der Vater wirft der ältesten Tochter Badki ( Rani Mukerji ) vor, kein Sohn zu sein, nicht für die Familie sorgen zu können. Die Schulabbrecherin setzt daraufhin alles auf eine Karte, reist nach Mumbai und versucht, dort Geld zu verdienen. Das gestaltet sich aber ohne Qualifikation als äußerst schwierig. Jedoch warten die Eltern sehnlichst auf das Geld aus Mumbai. Schließlich, nachdem sie mit einem Jobversprechen ins Bett eines Geschäftsmanns gelotst worden ist, und der sie freilich nur ausgenutzt hat, streift sie alle Hemmungen ab und wird ein...

Das Jagdgewehr / Ryoju (Yasushi Inoue, Japan 1949)

 Der Herausgeber einer japanischen Jagdzeitschrift ("Der Jägerfreund") veröffentlicht ein extra für ihn verfasstes Gedicht eines ehemaligen Freundes, nun ein Schriftsteller. Obwohl sich das Gedicht gegen das Töten ausspricht, wird es an das Ende das Heftes gesetzt - der zuletzt erscheinenden Nummer zudem, bevor es eingestellt wird (ein durchaus interessanter Kommentar des Herausgebers). Aufgrund dieses Gedichtes bekommt der Schriftsteller von einem Mann, dem dieses Gedicht gefällt und das unter anderem die Einsamkeit des Jägers thematisiert, drei Briefe mit der Bitte um Lektüre zugesandt. Darin offenbart sich eine tragische Geschichte: der Absender, selbst ein Jäger, hinterging jahrelang seine Frau mit einer Geliebten (der Cousine seiner Gattin), welche er aufrichtig liebte. Diese Geschichte ergibt sich puzzle-artig und polyperspektivisch aus den Inhalten der drei Briefe der betroffenen Frauen (seiner Gattin, der Liebhaberin und deren Tochter). Höhepunkt des Romans ist si...