Freitag, 13. März 2009

Ichi (Fumihiko Sori, Japan 2008)

Eine blinde Schwertkämpferin (Haruka Ayase) hilft einem unbeholfenen Samurai bei einem Angriff mehrerer Gauner aus der Patsche. Der rivalisierende Clan hält ihn daraufhin für einen Helden und stellt ihn als Bodyguard an, doch stellt sich heraus, daß er unfähig ist, sein Schwert zu ziehen. Dies wird durch eine psychische Blockade verhindert, deren Ursprung in der Kindheit liegt. Doch die blinde Samurette ist nicht weit, denn nach und nach hat sich auch ihr Herz für ihn entflammt.

Es wird viel zitiert in diese Film - unzählige Szenen kennt man aus den klassischen und modernen Samuraifilmen. Das ist zunächst ganz spannend, spart der Film doch auch nicht mit überzeichneten Charakteren, die ihn in Richtung Groteske rücken. Mit zunehmender Laufzeit entdeckt der Film allerdings seinen Hang zur poetischen Langsamkeit und kann nur mit Mühe seine überlange, zweistündige Laufzeit beenden. Auch immer deutlicher werden große Schwächen im Rhythmus, die ihn mehrfach ausbremsen, sodaß man teils schon schwer genervt ist bei jeder weiteren Unterbrechung der Haupthandlung. Auch Riki Takeuchis Hackfresse, die erst noch für Zunder sorgt, wird immer mehr zur Karrikatur eines grimmigen Samurais, sodaß man ihn überhauopt nicht mehr ernst nehmen kann. Der Kontrast zur poetischen Elegie, mit der die Liebesgeschichte erzählt wird, könnte größer nicht sein. Und man hofft wenigstens auf die Action. Doch auch der zwanzigste Kampf wird irgendwann langweilig, wenn man nichts sieht, die herausgeschnittenen Actionszenen, die den High-Speed der Kampffinesse simulieren sollen, nur Leichenberge anhäuft. Da wünscht man sich mehr Ballett und Kunstfertigkeit oder auch mal Distanz. Lediglich die unglaublich hübsche Protagonistin hält einen bei der Stange. Der westliche Soundtrack ist ebenfalls öfter mißlungen. Hier paßt irgendwie nichts so richtig zusammen. Eine ziemliche Gurke, also.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe "Ichi" erst jetzt gesehen und mich zuerst auch über einige der von Dir erwähnten Schwächen geärgert. Es handelt sich neben all den popkulturellen Konnotationen vor allem um eine klassische Goze-Geschichte (http://de.wikipedia.org/wiki/Goze). Da hätte man sich eigentlich klassische Shamisen-Lieder wünschen müssen usw. Aber um Authentizität scheint es nicht zu gehen, vielmehr hatte ich den Eindruck, dass der Jidai-geki-Exploitation, eine weitere Variante zur Belebung/Neuerfindung hinzugefügt werden soll. Und da verstehe ich vieles nicht (Kostümierung, Haartracht -und farbe...)
Gruß,
Nemo

mono.micha hat gesagt…

Hi Nemo,

danke für den Link. Mein Problem mit solchen Filmen ist meistens, dass man ihnen ihre Traditionsverbundenheit, ihren historischen Kontext ansieht, über eine Neubearbeitung und Verortung in unserem post-postmodernen Filmzeitalter aber der Willkür Tür und Tor geöffnet werden. Das hat für mich in SAMURAI FICTION besser funktioniert, auch weil der mir überschaubarer schien und klarer codiert. Bei ICHI leckt man an verschiedenen Lollipops und hinterher hat man einen süßen Brei im Mund. Ob das noch Exploitation ist oder die Gulaschkanone des Computerspielzeitalters weiß ich nicht. äähh,

Beste Grüße!