Direkt zum Hauptbereich

Kekexili - Mountain Patrol (Chuan Lu, China/Hongkong 2004)


In der Region Kekexili, die im tibetanischen Hochland auf über 4000 Metern liegt, ist die tibetanische Antilope kurz vor dem Aussterben. Der Grund: Wilderer. Eine selbstorganisierte Bergpatrouille versucht dem ein Ende zu setzen, und ein Reporter aus Peking begleitet sie bei der Jagd nach den Übeltätern. Massig Platz für esoterisches Lokalkolorit und Weltkino-Bilder, sollte man meinen. Doch nicht so hier. Vielmehr ist es ein beständiger Kampf ums Überleben, der uns gezeigt wird. Die Schönheit der endlosen Weite und der Berge ist als Raum jenseits aller Zivilisation in seiner Erhabenheit immer auch menschenfeindlich gezeichnet. Und die Menschen, die wahrlich so gut wie nichts besitzen, die auch ein ganz eigenes Verständnis von Zeit haben, vom Sinn und Zweck des Lebens, stemmen sich der Weite entgegen.

Umso erstaunlicher, daß der Film kaum zu berühren vermag. Vielleicht fehlt so etwas wie die "mythische Dimension" - der Film kommt seltsam nüchtern daher. Die Erklärung im Abspann, daß durch die Berichterstattung des Reporters nun ein Naturschutzgebiet entstanden sei, und sich dadurch die Population der Antilope auf 30000 vermehrt habe, verzweckt den Film im Nachhinein und beraubt ihn noch stärker einer menschlichen Dimension. Gutmenschenkino mit Auftrag, ziemlich übel.
***

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Wahnsinn nachtdunkler Farben: The Ghost Bride (Chito S. Rono, Philippinen 2017)

The Ghost Bride ist einer der unzähligen philippinischen Grusel-Horror-Filme, die in ihrer tendenziell dilettantischen Machart hochsympathisch sind, auch weil es ihnen immer wieder gelingt, für Abwechslung und damit Überraschung zu sorgen: immer wieder spektakulär tolle Bilder, die aus einem Wust aus TV-Film-Optik herausragen, komische Geister aus dem südostasiatischen Raum (hier auch aus der chinesischen Mythologie) inmitten unzähliger amerikanisierter Jump-Scares, saturierte Farben verstörender Alpträume in einem Einheitsgrau der Bildgestaltung. Plötzlich hervorbrechend gutes Schauspiel in einem bisweilen an Overacting leidenden und an Ungelenkheiten krankenden Geisterfilm. Also Dinge, die verstören, faszinieren, begeistern. In einem Film, der streckenweise ziemlich öde, der in seiner Narration behäbig ist, und bei dem man immer wieder den Überblick verliert. Weil er vollgestopft ist mit Nebenhandlungen. Es ist eine typisch philippinische, schwer in sich verästelte Überforderung mit…

shomingeki deluxe: Ein Gespräch über EQUINOX FLOWER von Yasujiro Ozu (Japan, 1958)

Heiraten, ja oder nein? Und wenn, dann wen? Und was sagt der Vater dazu, wenn der Schwiegersohn doch nicht ganz den Erwartungen entspricht? Ein weiteres Mal behandelt Yasujiro Ozu dieses Thema in einem seiner späten Filme, dieses mal erzählt aus der Sicht und Perspektive des Vaters.  Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hat mich eingeladen, mit ihm über EQUINOX FLOWER von Yasujiro Ozu zu sprechen. Wir haben fast eine ganze Stunde miteinander diskutiert und hätten noch viel mehr sagen können, glaube ich. Das Gespräch findet ihr hier: 
Link
 (original Poster)

Michael Schleeh
***

Digi-Tech und Geta-Klappern: SUMMER WARS von Mamoru Hosoda (Japan, 2008)

"Die Eröffnung, ein wilder Strudel der Farben auf weißer Leinwand. Chaos. Vorbeirauschende Symbolketten und glitzernde Schwärme von Abziehbildchen, blinkende Icons und Avatare, die aufeinander zujagen, in rasanten Kurven wie bisher nur Raumschiffe durchs All schossen, außer Kontrolle oder doch nicht – und in der Mitte, da dreht sich der große Katzen-Bodhisattva. Mit leichtem Grinsen und einem Om auf den Lippen. Irgendwie auch debil wahnsinnig zwischen Digimon und Doraemon und chinesischer Winke-Katze. Im digitalen blank space von Summer Wars, an dem Ort im digitalen Netz, an dem alles zusammenkommt. Im Herzen aller Anwendungen, aller mobilen Dienste, aller Apps und jedes digitalen Contents, dort gibt es den einen Punkt, der die Welt zusammenhält: es ist Oz, der neue Mittelpunkt der Erde. Und wenn er kollabiert, dann geht sprichwörtlich nichts mehr. Nirgendwo."
Für die japanische Kulturwebseite Tanuki Republic habe ich mir Mamoru Hosodas SUMMER WARS angesehen, un…