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One Million Yen Girl (Yuki Tanada, Japan 2008)

Die 21-jährige Suzuko (Yu Aoi) will mit ihrer besten Freundin zusammenziehen, da sie sich als Teilzeit-Jobber keine eigene Wohnung leisten kann. Mit ihren Eltern steht sie nicht auf bestem Fuße, der kleine Bruder kann sie nicht leiden. Als dieses Experiment gründlich schief geht, muß sie einen hohen Schadensersatzbetrag abbezahlen, da sie vom Freund ihrer Mitbewohnerin gelinkt wurde. Wieder eine menschliche Enttäuschung. Fortan beschließt sie, frei von Ort zu Ort zu ziehen, allzu enge menschliche Kontakte zu vermeiden, und erst zurückzukehren, wenn sie eine Million Yen gespart hat.

Tanada weiß zu begeistern mit ihrem zugleich ruhigen, anrührenden und lustigen Film. Er ist phantastisch photographiert, gut rhythmisiert, exzellent gespielt, sehr unterhaltend, feinfühlig, vielschichtig und trotz seiner Länge enorm kurzweilig. Tolle Charakterentwicklungen. Wollte man etwas bekritteln, dann allenfalls, dass die Regisseurin dank ihrer Hauptdarstellerin manchmal sehr auf die Charmedrüse drückt. Der Film ist schon eine ziemliche Yu Aoi - Show. Tanada hat übrigens auch das Drehbuch zu SAKURAN von Mika Ninagawa geschrieben - ebenso ein Film, den man sich tunlichst anschauen sollte.
So hatte sich der Festivaltag für uns stetig gesteigert und mit einem tollen Film abgeschlossen.

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Dutta Vs. Dutta (Anjan Dutt, Indien 2012)

Wie schreibt man einen Text über diesen Film, wenn man noch nie in seinem Leben in Kalkutta war? Und der Film, wie man allerorten liest, besonders dafür gelobt wird, wie er das Kalkutta der 70er Jahre besonders liebevoll und detailgetreu wiederaufleben lässt? Ich bin 1971 geboren - wie sollte ich einen Bezug zu dieser fernen Zeit, zu diesem fernen Land und zu dieser unbekannten Stadt haben oder bekommen?
Und es geht doch. Denn der Film geht ganz ähnlich vor wie Amitav Ghosh in seinem großen Roman The Shadow Lines, über die Erinnerung der Erzählerfigur an seine Jugend. Der Film als Rückblick, in dem die Hauptfigur, der zugleich auch der Voice-over-Erzähler ist, auf seine eigene Kindheit und Jugend wie auf eine vergangene Zeit, zurückschaut. Und auf eine Jugend können wir alle zurückschauen. Das Schöne: auch ohne melancholischen Revisionismus.
DUTTA VS DUTTA beginnt dabei wie ein Film Robert Altmans (um, hoffentlich verzeihlicherweise und als Referenz gemeint, mit einer westlichen Pers…

Ali's Wedding (Jeffrey Walker, Australien 2017)

Nachdem der talentierte aber leider erfolglose Ali die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium an der Universität von Melbourne verpatzt hat, bringt er es nicht übers Herz, seinem Vater den Misserfolg einzugestehen. Der Sohn war die große  Hoffnung des muslimischen Klerikers, der das Zentrum der arabischen Community darstellt, und höchstes Ansehen genießt. Dass dessen Rivale nur auf einen Misserfolg Alis hofft, um selbst den Platz des Vaters einnehmen zu können, ist ein Seitenerzählstrang, der einen hochinteressanten Handlungsverlauf innerhalb der Moschee voranschiebt.
 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf…

Das Lächeln im Angesicht der Tragödie: Yasujirô Shimazus Tonari no Yae-Chan / Our Neighbour, Miss Yae (Japan 1934)

 Als ich vor kurzem einmal wieder Our Neighbour, Miss Yae gesehen hatte, da war das einer von diesen seltenen Momenten, wo man nicht genau weiß, was da eigentlich gerade passiert ist; aber als die Abblende kam, nach dem letzten Bild mit der Kamera in den wolkenverhangenen Himmel hinauf – obwohl sich doch, wenn nicht alles, so doch so manches zum Guten aufgelöst hatte – war ich den Tränen nahe und zutiefst gerührt. Dabei war da gar nichts wirklich Rührseliges passiert, oder gar aufwühlend Melodramatisches. Der Film endet so, wie er anfängt, zumindest auf der Tonspur. Eine liebliche, langgezogen sehnsuchtsvolle Geigenminiatur, die von etwas Herzschmerz aus dem Leben kleiner Leute der unteren Mittelschicht aus irgendeiner japanischen Vorstadt in der Nähe von Tokio verkündet. Einmal sagt die Mutter, heute sei das Wetter so klar, man könne den Fuji sehen, aber das muss man glauben. Im Film taucht er nicht auf. Das ist kein Film für nationale Monumente. Hier wirken Dinge und K…