Direkt zum Hauptbereich

No Regrets for Our Youth / Waga seishun ni kuinashi (Akira Kurosawa, Japan 1946)


Als ein Universitätsprofessor (Denjiro Okochi) im Jahr 1933 seine Stelle verliert, da er als Linksaktivist die Studentenproteste gegen die Invasion Japans in der Mandschurei unterstützt, muss sich seine verwöhnte Tochter Yukie (Setsuko Hara) zwischen zwei Studenten entscheiden, in die sie sich verkuckt hat, die aber ganz unterschiedliche Lebenspläne haben und völlig unterschiedliche Laufbahnen einschlagen werden. Noge (Susumu Fujita) ist ein engagierter politischer Provokateur, der das Schicksal in die Hand nimmt - ein Mann der Tat. Itokawa (Akitake Kôno) jedoch ist ein schüchterner, zurückhaltender junger Mann, der die Beamtenlaufbahn einschlagen wird: er wird Staatsanwalt. Yukie, temperamentvoll wie sie ist, wird sich gegen den Verstand und für das Gefühl entscheiden. Doch als Noge während eines Protestmarsches von Faschisten verschleppt wird, gerät auch sie in die Mühlen des Polizeiapparats (schmierig: Takashi Shimura) und findet sich plötzlich als Kollaborateurin im Gefängnis wieder. Ein Wiedersehen mit Noge scheint auf Jahre hin unmöglich geworden...


[Yukie muss über den Wildbach: doch welcher der beiden Galane ist der richtige für sie?]

Kurosawa erzählt in diesem zweistündigen Film (mit einem recht drögen Mittelteil) eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund historischer, politischer Ereignisse. Dass er die Wahl Yukies befürwortet, muss wohl kaum explizit erwähnt werden. Sozialkritisches Heldentum, gespiegelt am Schicksal einzelner Individuen ist eines seiner Themen - sozialkritisch bereits per se, da Kurosawa stets das Individuum der Masse bevorzugt.


[Hat sich die Frau entschieden, ist selbst in linken Ehen traditionell Kimono angesagt und sind die patriarchalischen Herrschaftsverhältnisse überdeutlich...]

Wie sehr sie hinter ihrer Wahl des Ehemanns steht, verdeutlich sich im letzten Viertel des Filmes, als Yukie nach dessen Tod zu den Eltern Noges auf's Land zieht und mit ihnen die bäuerliche Existenz teilt. Im Willen hart zu arbeiten ehrt sie dessen Andenken und versucht die Eltern davon zu überzeugen, dass ihr Sohn ein aufrechter und ehrenwerter Mann war. Etwas, von dem sie sich nur schwerlich überzeugen lassen, da sie den Hass und den Spott der Dorfbewohner ertragen müssen, die in Noge nur den Verräter, den Spion zu sehen vermögen. Würden die Eltern sie selbst akzeptieren, würden sie auch dem Sohn vergeben, so ihre Theorie.


[Yukie am Ende ihrer Kräfte, bricht zusammen unter ihrer Last, ihrem Kreuz...]

[Wer leidet hier in diesem Christusmotiv für wessen Sünden? Auch der Vater nimmt die Sünden Japans auf sich...]

Nach dem Krieg schließlich wird Noge als Pazifist öffentlich geehrt, Yukies Vater tritt seine Stelle wieder an, und sie selbst, die ihre Ziele erreicht hat, bleibt bei den Schwiegereltern - sie hat nun ihren Platz im Leben gefunden. Von den zarten Fingern der Pianistin blendet Kurosawa etwas plump auf die harten Hände der Landarbeiterin, die ihre Schwielen im Fluß kühlen muß.
Die letzten Bilder sollen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film mit einem positiven Ende schließt - Yukie, die auf den Lastwagen springt und selbstbewußt zurück in ihre "neue Heimat" fährt.

Beliebte Posts aus diesem Blog

The Woman who wanted to Die / Segura magura: shinitai onna (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Ein wahnsinnig schöner Film von Wakamatsu mit einem etwas verwickelten Plot: in einem tief verschneiten Provinznest verbringt ein beinah schon vermähltes Liebespaar ein paar gemeinsame Tage, doch reist ihnen der ehemalige Geliebte der Frau, ein heißblütiger Student, hinterher. Der befreundet sich, dort angekommen - überraschend und auch sexuell - mit einer älteren, reifen Frau, der Wirtin seines Gasthofes. Diese aber ist die ehemalige Geliebte seines Rivalen, des Mannes seiner Freundin. Damals liebten sich die beiden innig, aber ihre Liebe hatte keine Zukunft. Sie hatten sich dazu entschieden, den Doppelselbstmord aus Liebe   durchzuführen, was aber an der Willensstärke des Mannes gescheitert war, der sich, nachdem er die Frau mit einem Schwerthieb niedergestreckt hatte, nicht selbst töten konnte. Fortan quälte ihn die Gewissheit, seine große Liebe emordet zu haben, aber selbst zu feige gewesen zu sein. Die Frau jedoch überlebte schwerverletzt, zu einem Leben im Leid fern des Ge...

Wenn Kunst und Qual und Lust zusammen kommen ~ IREZUMI - The Spirit of Tattoo (Yoichi Takabayashi, Japan, 1982)

  Yuki no hana , Blumen des Schnees sind es, die auf perfekte Haut tätowiert werden; Abbildungen, die besonders gelingen, wenn beim Akt des Stechens die körperliche Ekstase einhergeht. In diesem Erotik-Drama, das die Kunst des Tätowierens vor allem auf seinen spirituellen Überbau hin abklopft, gerät das Leben einer Frau aus den Fugen. Die Erfahrungen, die sie macht, verändern sie über die Zeit völlig und so weiß am Anfang niemand, wo das enden wird - jedenfalls nicht dort, wo es die dominante Männergesellschaft vorgesehen hatte. Im Hintergrund lauert aber ein größeres Drama, das sich später enthüllt - und auch hier ist das Motiv der Schneeflocke zentral.  Hideo Fujii, ehemals Technik-Assistent bei Hideo Gosha und Nagisa Oshima ist Kameramann bei Yoichi Takabayashis IREZUMI (aus dem Jahr 1982 - nicht mit dem gleichnamigen Film von Yasuzo Masumura verwechseln), ist in IREZUMI für die Kamera verantwortlich. Die Bilder sind gelungen in ihrem manchmal etwas biederen Vers...

Black Rose Mansion / Kuro bara no yakata (Kinji Fukasaku, Japan 1969)

Der gut situierte Geschäftsmann Kyohei (Eitaro Ozawa) führt in seiner Freizeit einen elitären Herrenclub, in dem nur ausgewählte Gäste Zutritt haben. Eines abends steht ein besonderes Highlight an: die bekannt-berüchtigte Sängerin Ryuko Fujio (Akihiko Maruyama), die perfekte Personifikation einer exotischen Femme Fatale, ist zu Gast, und weiß in wenigen Momenten und mit nur einem Lied die Herren des Clubs zu betören. Da stürmt urplötzlich ein verzweifelter Geschäftsmann herein, stürzt sich auf Ryuko und fleht um ihre Liebe, bettelt um ihre Rückkehr, droht sich umzubringen. Alle sind schockiert: doch die Zeichen sind gesetzt. Hinter dieser seltsamen Frau verbirgt sich ein Geheimnis, und Kyohei selbst, erfolgreich und verheiratet mit einer liebenden Gattin, verfällt der exzentrischen Unbekannten. Fukasaku gelingt mit BLACK ROSE MANSION ein echter Augenschmaus, der sich recht eindeutig bei Film Noir-Motiven bedient. Stilistisch aber gleicht er einem bis ins Psychedelische reichende ...