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Tokyo Sonata (Kiyoshi Kurosawa, Japan 2008)


Ein Familienvater verliert von einem Tag auf den anderen seinen Job in einer renommierten Agentur und schämt sich zu sehr, es seiner Familie mitzuteilen. Doch schon wenige Tage später hat er begriffen, wie schwer es werden wird, erneut auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Aber auch seine Frau fühlt sich in ihrer Rolle als Hausfrau zunehmend unwohl, der älteste Sohn treibt zwielichtige Geschäfte, der jüngste, Kikuchi, muss in der Schule zurechtkommen und wünscht sich, Klavierunterrricht nehmen zu können. Dies verbietet ihm aber sein Vater. Zusehends zerfallen die Strukturen dieser einst "glücklichen" Familie...

Kiyoshi Kurosawas Anliegen war stets die Darstellung des Hereinbrechens von Katastrophen in den normalen Alltag. Dabei variieren aber seine Sujets und Plots, je nachdem, ob das Phänomen übersinnlicher Natur ist, kriminalistischer, oder wie hier: rein gesellschaftlichen Ursprungs entstammt. Gemein ist ihnen aber eine inhärente Gesellschaftskritik, deren Auswirkungen man am Individuum beabachten kann. So auch in TOKYO SONATA, der eine Familiengeschichte erzählt vor dem Hintergrund eines inhumanen Arbeitsmarkts - eine Geschichte, in der tatsächlich alle festen Koordinaten einer Lebensrealität sukzessive wegbrechen.

TOKYO SONATA ist ein meisterhaft erzählter, souveräner Film, der seine zwei Stunden durchweg spannend ist, elegant photographiert und stark mit den Topographien der Lebenswelten arbeitet (Inszenierung der Räume), der getragen wird von sehr starken Schauspielern und an wenigen Stellen von einer reduzierten, einnehmen Musik unterstützt wird. Das schlußendliche Finale ist enorm rührend und gibt etwas Hoffnung zurück ins völlig verloren geglaubte Dasein. Absolut phantastisch.

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