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Hwayi: A Monster Boy / Hwai gwimuleul samkin ahyi (Jang Joon-hwan, Südkorea 2013)


Der Film hat keine Hemmungen, sein Trauma ins Bild zu setzen: Hwayi, ein siebzehnjähriger Junge, der als Kind von maskierten Kidnappern entführt wurde, fühlt sich in Stresssituationen von einem riesigen silberfarbenen Fabelwesen bedroht, das urplötzlich auftaucht und ihn bedrohlich anfaucht. Der Film lässt sich etwas Zeit damit, den Ursprung des Untiers herzuleiten; jedoch erklärt er sich natürlich aus den Erlebnissen der Kindheit der Hauptfigur, zusammengesetzt aus verschiedenen, prägenden Eindrücken dieser Zeit. Wörtlich übersetzt lautet der Filmtitel dann auch: derjenige, der das Monster gegessen hat.

Hwayi, ein merkwürdiger Kunstname nach einer seltenen Baumart. Da die Kidnapper eine Gärtnerei und Baumschule betreiben um sich einen bürgerlichen Anstrich zu verpassen, sind sie auf die kreative Idee verfallen, das Kind in einem Blumentrog fortzuschaffen, verborgen unter eben genau diesem Hwayi-Baum. Der Fortgang der Geschichte ist denkbar simpel: die fünf extrem gewalttätigen und sadistischen Männer ziehen Hwayi als ihren eigenen Sohn auf, freilich mit dem Ziel, einen für ihre Zwecke perfekten und hemmungslosen Nachwuchs zu finden. Doch Hwayi ist ein sanfter Junge, eher künstlerisch veranlagt, und bleibt hinter den Erwartungen zurück. Wenig später lernt er eine Mitschülerin kennen, verliebt sich ein wenig, und der Drang, auszubrechen, wird immer größer. Zugleich spitzt  sich aber die Situation der Gangster zu: bei einem job gone bad hockt ihnen ein ebenso rücksichtsloser Polizist im Genick, der nicht locker lässt.

Jang Joon-hwan hat sich viel Zeit gelassen nach seinem sehr erfolgreichen Film SAVE THE GREEN PLANET (2003), der auch auf internationalen Filmfestivals damals sehr erfolgreich war. Auch in HWAYI lassen sich feine Reste und Spuren seines grotesken Humors finden, insgesamt ist der Film aber vor allem: ironiefrei, hart, vielleicht sadistisch, manchesmal etwas übernatürlich. Toll gefilmt und mit beiden Beinen im Handwerk stehend (Kamera: Kim Ji-yong, A BITTERSWEET LIFE, THE LAST STAND) und mit einem gestreckten Spannungsbogen versehen, der über die gut zwei Stunden hinweg problemlos anhält, verfliegt der Film und kulminiert schließlich in einem auch auf der Soundspur herausragenden Exekutionsszenarium, dessen Vorgang ohne zu Spoilern nicht erklärt werden kann. Hier aber wird deutlich, wie enorm der Druck ist, der auf dem Jungen lastet - und dass eben genau dies der letzte Umkehrpunkt ist, von dem aus keiner mehr zurück kann. Danach wird alles anders sein, und wie so oft im koreanischen Kino, läuft literweise Blut über den Fußboden. 
 
Besonders hervorzuheben ist der ganz ausgezeichnete Cast des Films. Bis in die kleinste Nebenrolle finden sich hier großartige Schauspieler, von denen mindestens zwei erwähnt werden müssen: Yeo Jin-goo als Hwayi, ein TV-Sternchen in einer Feature-Film-Hauptrolle, der sich sehr beachtlich schlägt, wie auch der ebenfalls vom Fernsehen kommende Kim Yun-seok, der hier den besonders skrupellosen Anführer Suk-Tae spielt, und der sich schon als Bösewicht in THE YELLOW SEA beeindruckend im Gedächtnis verankern konnte. Der Film ruft allerdings nicht nur positive Resonanz hervor. Maggie Lee etwa äußert harsche Kritik in der Variety und fühlt sich von einem widerwärtigen Film förmlich abgestoßen. Ich würde ihr in fast allen Kritikpunkten widersprechen.

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