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Nippon Connection 2016: Being Good (Mipo O, Japan 2015)

Die koreanisch-stämmige Japanerin Mipo O verbindet in BEING GOOD drei Erzählfäden zu einem Pastiche des alltäglichen Schreckens: versteckte, häusliche Gewalt gegenüber Kindern ist das Thema des engagierten Films. Dass auch in ihrem aktuellen Film die Sozialkritik im Mittelpunkt steht, konnte man sich schon denken, wenn man an ihren Film THE LIGHT SHINES ONLY THERE zurückdenkt, der nicht nur international erfolgreich war (Filmfestivals, Auslands-Oscar-Beitrag 2014), sondern auch auf Platz 1 des jährlichen Filmrankings der renommierten Filmzeitschrift Kinema Junpo landete. Und so denn auch hier: ein Sozialdrama, das emotional vernichtend sich ins Herz des Zuschauers schleicht, ohne dabei in Kitsch abzurutschen oder sich seine Prämisse allzu deutlich auf die Fahne zu schreiben. Es ist ein Film, der an die Substanz geht. Dabei beginnt der Film recht drastisch: schon in den ersten Minuten wird ein kleines Mädchen von der kaltherzigen Mutter im Wohnzimmer verdroschen, dass sie blaue...

Nippon Connection 2016: Lowlife Love (Eiji Uchida, Japan 2015)

  Der Independent-Regisseur - das unbekannte Wesen. Von uns Zuschauern hoch verehrt, denn er ist der letzte unbürgerliche Fackelträger der reinen Kunst. So könnte man denken, wenn man naiv an die Sache rangeht. Und Uchida und mit ihm sein großartiger Hauptdarsteller, der ungemein sympathische Kiyohiko Shibukawa, haben nichts besseres zu tun, als uns diese romantische Vorstellung vom wahren Künstler, der an nichts als der radikalen Realisierung seiner Vision interessiert ist, um die Ohren zu schlagen. In Japan wurde der Film hart kritisiert - von innerhalb des Filmbusiness. Ganz einfach deshalb, weil er eine richtige Pestpocke ist, ein Nestbeschmutzer par excellence. Denn obwohl Indie-Talent Tetsuo vor Jahren mal einen viel diskutierten Film gemacht hat, ist seitdem nichts mehr so richtig zustande gekommen. Oder, um mit der Wahrheit herauszurücken: er ist ein vollkommener Hedonist und Loser, der nur an seinem persönlichen Vorteil interessiert ist. Und dafür ist ihm jede Gre...

Nippon Connection 2016: Gonin Saga (Takashi Ishii, Japan 2016)

Es gibt Kinomomente, die sind so überdeckt von Geraune und unklaren Vorahnungen, dass einen die Ungewissheit, was denn nun zu erwarten sei, fast verrückt machen könnte. Entsprechend ambivalent habe die Vorführung von Takashi Ishiis Yakuza-Klassiker-Fortsetzung GONIN SAGA erwartet. Wird das nun eine langweilige Fortsetzung des heiligen Gangsterfilm-Grals, eine Schändung des eigenen Legendenstatus gar? Oder sollte der Film vielleicht sogar was können? Die Meinungen und die Stimmungslage, die man im Vorfeld aus dem Programm-Macher-Team der Nippon Connection herausdestillieren konnte, war ebenso ambivalent. Und Ishii ist auch kaum zu greifen, ein Regisseur, der schon immer alles gemacht hat: zuletzt etwa wieder Pinku-Erotikfilme mit so vielversprechenden Titeln wie SWEET WHIP (2013) oder NIGHT IN NUDE (2011) - etwas, was so gar nicht ins bierernst genommen werden wollende System des europäischen Filmautorenbegriffs passen will. Und so wurde auch, offen und ehrlich, in der Anmoderation...

Nippon Connection 2016: Oyster Factory / Kakikoba (Kazuhiro Soda, Japan 2015)

Der in New York lebende und aus Tokyo stammende japanische Dokumentarfilmer Kazuhiro Soda legt mit OYSTER FACTORY seinen neuesten Film vor: 2007 war er mit CAMPAIGN noch bei der Berlinale vertreten, weitere Filme liefen auf verschiedenen Festivals. Dieser ist nun der sechste Film in einer Reihe von Dokumentarfilmen, die Soda selbst in den Anfangstiteln als Serie durchnummeriert. Der Regisseur tritt zugleich als Produzent, Skriptwriter, Kameramann und Cutter auf. OYSTER FACTORY ist also ein Leidenschaftsprojekt, das mit wenigen Mitteln finanziert wurde und als Autorenkino durchgehen darf. Sein Platz im Programm der Reihe Nippon Visions ist also durchaus angemessen, obwohl Soda alles andere als ein Debutant ist. Und umso toller, dass er mein Eröffnungsfilm des Festivals war, denn dieser Film ist großartig. Es war ein wenig der Zufall, der mich in diesen Film trieb: Kiyoshi Kurosawas JOURNEY TO THE SHORE, der eigentliche Eröffnungsfilm des Festivals, war bereits rappelvoll, und ...

Die Nippon Connection 2016 - Japanisches Filmfestival Frankfurt

Was ich nie vergessen werde: wie im Frühjahr 2013, an einem für die Jahreszeit viel zu heißen Tag, die ganzen Leute, mit denen man sich getroffen hat, dann gemeinsam ins Filmmuseum Frankfurt hinabgestiegen sind um sich im kühlen, dunklen Kino von einer Bikergang überfahren zu lassen. In meiner Erinnerung ist im ganzen Film kein einziger normal ausgesprochener Satz gefallen, alles wurde gebrüllt oder geschrien, über das Röhren der rauchenden Auspuffe hinweg, über das Wegspritzen des Drecks und des Steinbelags, Gummispuren auf dem Asphalt hinterlassend und man selbst war eingehüllt in eine Nebelwolke aus Abgasen und Ekstase. Der Film hieß CRAZY THUNDER ROAD, sein Regisseur Sogo Ishii. Einführung: Tom Mes. Ein selten aufgeführter Mega-Klassiker der japanischen Filmgeschichte, der so genannten "Punk Years", gezeigt in der Retrospektive Eccentric and Explosive - the cinema of Sogo Ishii . Dieser Film war nur einer der Höhepunkte dieses Festivals, da gab es noch viel andere. U...

Two Countries (Shafi, Indien 2015)

  "A marriage is the most important business deal in a man's life!" Vor allem dann ist die Aussage wahr, wenn man nicht viel Knete hat. Und zum Beispiel gerade seine illegale Import-Export-Firma ruiniert hat. Da kommt dem Helden Ullas (Dileep), einem sympathischen Schwindler, die Hochzeit im Hause des Kredithais gerade recht: denn dort ist auch dessen Tochter anwesend, auf die er es abgesehen hat. Diese dürfte über eine gewaltige Mitgift verfügen, was die Probleme des Anti-Helden schlagartig lösen dürfte. Ullas wähnt sich seiner Sache sicher, denn sie sitzt im Rollstuhl und die Anzahl ihrer Verehrer ist bedauerlicherweise gering. Er wirft ihr zuckersüße Blicke zu, hinweg über Gesang & Tanz, und tatsächlich, sie scheint von seinem Charme sehr angetan. Sogar der Vater, ein knallharter Geschäftemacher mit dem Ruf eines brutalen Psychopathen und mit einem beeindruckenden Schnauzer ausgestattet, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das Geld, das er Ullas geliehen ...

Wakaranai: Where Are You? (Masahiro Kobayashi, Japan 2009)

Mit wackliger Handkamera gefilmt, ohne zusätzliches Licht, wodurch die Dunkelheit viele Details, teilweise sogar ganze Bilder zu verschlucken droht, alles ohne Musik: Masahiro Kobayashis WAKARANAI schaut nach einem waschechten Independent-Film aus. Und die Produktionsfirma namens 'Monkey Town Productions' spricht ebenfalls dafür, denn die hat offensichtlich alle Kobayashi-Filme produziert. Das dürfte folglich die eigene Produktionsfirma des Regisseurs sein. Es beginnt auch schon sehr ungewöhnlich, wie man das bei einem kommerziellen Film nicht erwarten würde: denn am Anfang des Films ist erstmal nichts. Ein Song ertönt, Gitarre und Gesang, gut fünf Minuten lang, dazu ein Schwarzbild. Dann erst beginnt der eigentliche Film mit einem Filmbild . Am Ende genauso merkwürdig: der Junge stolpert aus der Szene, eine endlose Straße entlang, so verlässt er das Filmbild, den ganzen Film. Das Ende ist ein Aufbruch ins Unbekannte. Die Kamera lässt ihn gehen, in eine ungewisse Zukunft h...