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Afterlife / Wandâfuru raifu (Hirokazu Kore-eda, Japan 1998)


Angekommen in einem nüchternen Zwischenreich, müssen zehn Verstorbene den schönsten Moment ihres Leben auswählen, um mit dieser Erinnerung anschließend ins Jenseits einzugehen.

Kore-eda ist ein Regisseur der vom Dokumentarfilm kommt. Das sieht man ihm auch bei seinen filmischen Mitteln im feature film an. Die Kreation irrwitziger Filmwelten ist nicht sein Ding. Stets führt die ruhige Kamera in langen Einstellungen "reales" Leben vor, das sich nicht den Gesetzen des Entertainments unterwirft. Lange Einstellungen, Stille, Respekt vor den Menschen, dem kleinen Moment des Besonderen.
Seine Mittel der Authentizitätserzeugung wählt er gründlich: neben den bereits erwähnten technisch-strukturellen Komponenten ist es auch die Wahl der Schauspieler und Laiendarsteller, für die er sich enorm viel Zeit genommen hatte. So werden die Toten (etwa 10 Personen) allesamt von Laien dargestellt, die Kore-eda nach 500 geführten Interviews ausgewählt hatte. Zudem waren nur die Dialoge der professionellen Schauspieler gescriptet, die Laien, die im Film von ihrem Leben erzählen, sprechen frei und ohne Vorgaben. Auf diese Weise erreicht der Regisseur natürlich eine völlig eigene Form des Authentischen.

Die Suche nach dem schönsten Moment im Leben wird bei Kore-eda zunächst in oben erwähnten sehr konstruierten Plot gepreßt, der reichlich Platz für Kitsch und Pathos geboten hätte. Das wird glücklicherweise durch die nüchterne Realisation eben jenes quasi-dokumentarischen Stils vermieden, der in seiner zurückhaltenden Art den "Banalitäten" des Alltags ihren Platz einräumt. Es ist nicht die "große Liebe", die wir als Erinnerung mit ins Jenseits nehmen, sondern der sommerlichen Luftzug in einem Bus auf dem Weg zur Schule. Auch das nüchterne Ambiente des beinah verkommenen Gebäudes, in dem die Toten untergbracht sind, entbehrt jeder Verklärung und ätherischer Magie. AFTER LIFE ist ein sehr schöner, eindrücklicher Film voller Würde und mit einer kleinen Pointe am Ende, die es nicht gebraucht hätte.

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 (original Poster)

Michael Schleeh
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