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Sharasojyu / Shara (Naomi Kawase, Japan 2003)

Als Shuns Bruder beim Fange-Spielen und durch-die-Gassen-Rennen plötzlich verschwindet, bricht der Ernst in den Film ein. Außerdem will das bevorstehende Basara-Fest organisiert werden, in dessen Komitee Shuns Vater den Vorsitz inne hat. Die hübsche Nachbarstochter hat es auf Shun abgesehen und versucht diesen aus seiner Schüchternheit herauszulocken.



Soweit die nüchternen Fakten. Gefilmt wir dieser Alltag in Nara mit extrem langen Einstellungen. Die Vermeidung des Schnitts ist Stilmittel der Autorin Kawase: minutenlang begleitet die Kamera die Protagonisten oder fängt auch mal klassisch anmutende japanische Petitessen ein - eine schöne Blume am Wegesrand, schwenken wir mal hin! Das Fehlen von Filmmusik und Beleuchtung ist obligatorisch, und am Ende sehen wir die Regisseurin selbst in der Rolle der Hochschwangeren, die ein Kind zur Welt bringen wird. So vermengen sich dokumentarisch anmutende Aufnahmen mit einem extrem künstlichen, besser: künstlerischen Stil, der uns scheinbar "ungefiltert" am Leben der Personen Teil haben läßt und zugleich sein ästhetisches Programm, das sicherlich manche als zäh und langweilig bezeichnen würden, immerzu deutlich formuliert. Prägendstes Mittel ist sicherlich die lange Einstellung, die uns nicht aus der Filmwelt erlöst in eine Unterhaltung hinein: eine 7minütige, repetetive Tanzszene wird so ein rauschendes, beinah magisches Filmerlebnis, da man sich als Teilhabender wähnt. Ebenso die Annäherungsszenen der Nachbarstochter: schüchtern sitzen die beiden minutenlang nebeneinander, bevor sich einer getraut, was zu sagen oder gar zu machen! Wenn dann etwas passiert, das ist klar, haut einen auch die Kleinigkeit um wie ein Ereignis.

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Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Sleep Has Her House (Scott Barley, GB 2016)

"And the dark is always hungry." (Scott Barley) Scott Barley's apocalyptical drone-room of a film is a fascinating experience. Not only a film to watch, but definitely one to listen to, as the audio is almost as impressive as its pictures. Very often, the images are blurred in the beginning, but with the slightest movements of the camera, the picture does get clearer, more concrete, focused, but sometimes nothing happens at all, too. Nevertheless, the film feels very dynamic - it's a weird state of an inherent Bildspannung , a suspense (and tension that might rip apart) inside of the images themselves that keeps you totally immersed.  Static movement  of the camera might be the term of technique to describe the process of capturing those dreamlike images, which are almost incomprehensive at first, always hard to grasp. As there seems to be no plot, no dialogue, no actors, there are none of the usual narrative anchors that guide us through a film, or movie. O...

Nippon Connection 2016: Oyster Factory / Kakikoba (Kazuhiro Soda, Japan 2015)

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