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Under the Blossoming Cherry Trees (Masahiro Shinoda, Japan 1975)


Der Erzähler kündet von einer Geschichte von Unterdrückung, Wahnsinn und Mord: denn einst sei das Wandeln unter blühenden Kirschbäumen keine frühlingshafte Erquickung gewesen, sondern ein gefährliches Unterfangen, das die Dämonen wachrufe und den Flanierenden in den Wahnsinn treibe. Als ein Mörder und Dieb (Tomisabura Wakayama) einen vorüberziehenden Edelmann überfällt und meuchelt, ist er von der Schönheit der Ehefrau so in den Bann gezogen, daß er sie mit in sein Haus im Wald führt, und ihr unter ihrem autoritärem Regime völlig verfällt. Zuerst einmal bringt sie ihn dazu, seine neun Ehefrauen abzuschlachten. Aber das ist erst der Anfang...

Shinoda, einer der Autorenfilmer der japanischen Nouvelle Vague, erzählt seine grausame Geschichte in wunderbaren Bildern, welche in ihrer Schönheit in groteskem Gegensatz zur Irren- und Geistergeschichte stehen. Dass die entführte Schöne bald die Herrin markiert und mit immer debileren Einfällen ihren Gatten in den Untergang treibt, erinnert ein wenig an UGETSU MONOGATARI, um dann nach einem ausgiebigen Spiel mit Leichenteilen in ein fulminantes, beinah surreales Ende zu münden. Die fantastische Filmmusik von Toru Takemitsu darf nicht unterschlagen werden.


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Shinjuku Mad (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Der Film beginnt wie ein jazziges Requiem: zu sowohl swingender wie melancholischer Musik läuft die Kamera (wie der Protagonist) durch die Straßen Shinjukus und überall liegen Leichen oder schwerverletzte Jugendliche herum. Ein Gefühl von Vergeblichkeit und Hoffnungslosigkeitg, von Entsetzen macht sich breit. In einem amerikanischen Film wäre das nun die Ausgangslage, und in einem Rückblick würde man sehen, wie es zu diesem Desaster gekommen ist. Nicht so bei Wakamatsu, der von seinen Zuschauern zu wissen erwarten kann, dass man es hier mit den Aufständen der Studenten zu tun hat, die Mitte und Ende der 60er gegen den Staat und das Militär die Stimme und auch ihre Fäuste erhoben, eine Gemeinschaft der Revolte, mit Splittergruppen der Japanischen Roten Armee, oder sonst einer radikalisierten linken Zelle. Vielleicht waren es aber auch nur Künstler oder Hippies, die hier ihr Leben lassen mussten. Vor diesem politischen Hintergrund spielt sich das persönliche Drama eines Vaters ab,...

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Mad World - Hong Kong's entry for the foreign language Oscar (Wong Chun, 2016)

Wong Chun's debut feature film is not really part of the Hong Kong International Film Festival , but one I did see during my stay here at Mongkok's Broadway Circuit outlet as a regular screening on a sunday morning. It's a quiet and atmospheric film that is quite beautifully shot and extremely well acted by Eric Tsang (kudos!) and Shawn Yue, his son suffering from bipolar disease. It's a film about fatherhood and responsibilities, about getting old in financially difficult times. They both live in a shared flat with three other parties. No one seems to be able to pay rent anymore in Hong Kong. It's really depressing. Mad World is definitely worth watching, as it has been screened in Busan and in Toronto. It got mixed reviews overall, but I really don't understand why. There are no loose ends, the plot is fragmented with flashbacks to family history, but that always makes sense and adds to the depth of the characters. I really liked it and...