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Exte: Hair Extensions / Ekusute (Sion Sono, Japan 2007)


Äußerst bekloppte Angelegenheit; sogar fast so unterirdisch wie TOKYO PSYCHO von Ataru Oikawa, der den Platz meiner persönlichen Übergurke einnimmt. EXTE ist besser. Ja, ganz hübsche Darstellerinnen (also eye-candy) und eine nette Story mit ihrer kleinen Cousine. Und Meta ist er freilich auch, das Horror-Movie das den J-Horror mal so richtig auf die Schippe nimmt. Nur leider konnte ich genau dies gar nicht feststellen: anstatt immer noch ein wenig zuviel des Guten abzuliefern und so implizit den Kommentar zu installieren, bietet Sono lediglich überdrehten Popcorn-Horror mit viel Tricks und ohne Atmosphäre. Dialoge vom Format: "Meine Nasenhaare wachsen in letzter Zeit sehr schnell..."/ "Das ist sicher die Luftverschmutzung!" weisen einfach nicht über sich selbst hinaus. Das ist Laberrhabarber und das ist eben nicht SCREAM! Und, schrecklich genug, das ist der allererste Dialog im Film. Wie soll man da nicht direkt scharf die Luft anhalten? Später gibt es dann fernöstliche Weisheiten: "Wenn man die Organe und die Augen stiehlt, werden die Harre wütend und rächen sich." Achso. Dazu gesellt sich ein dummruppiger Schnitt um die ganze Sache grobschlächtig abzurunden. Einfach ein zweistündiger Quark. Ich kann mir ehrlich gesagt auch keine Zielgruppe vorstellen, der das gefallen könnte (nicht mal (Achtung Meta-Gag:) Frisörlehrlingen). Dummerweise kann man sowas auch nicht weiterverschenken, da kriegt man nur Ärger. Für die Punktierer: 1/10 (aber auch nur für Chiaki Kuriyama, die in einer Szene mit dem Fahrrad durch den Vorort kurvt wie in einem Shunji Iwai-Film.)

***
 

Kommentare

  1. Es ist schon unglaublich, dass der selbe Regisseur der mit LOVE EXPOSURE einen meiner Lieblingsfilme des jüngeren japanischen Kinos geschaffen hat, hier so eine Gurke abliefern kann. Vermutlich eine Auftragsarbeit, um seinen Kokskonsum zu finanzieren (zumindest wirkt er in Interviews manchmal so). Als der Haare-Song erklang, zweifelte ich zunächst an meinem Verstand, dann begannen die Ohren zu bluten und meinem offenen Mund entstiegen tierische Angst-Laute. Der Trashfaktor hat eine gewisse humoristische Qualität, zumindest wenn man nicht mehr ganz nüchtern ist.

    Trotz allem würde ich dem Film großzügige 2 (nüchtern) bis 3 (voll) von 10 wild wuchernden Haarteilen gewähren, denn zumindest nimmt sich dieser filmische Auswurf keine Sekunde ernst, oder habe ich diese Trashkomödie einfach falsch verstanden?

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  2. Vermutlich bin ich derjenige, der zu streng ist - was wohl an der Frustration liegen dürfte, die mich während der Sichtung überfiel.

    Notiz am Rande: Während der diesjährigen Nippon Connection unterhielten sich zwei "Japannerds" hinter mir über den "großartigen Exte". Ich hätte mich entsetzt beinahe eingemischt, bewahrte aber die Ruhe. Dass ihnen der dann gezeigte KAIJI gut gefiehl, was an euphorischem Gelächter mehr als deutlich wurde, versicherte mich meiner Position*; KAIJI ist auch so ein unsägliches Gebräu einer Pseudopopkultur, die nur an der Warenwelt interessiert ist.

    *Dabei hätte ich es ja gut gefunden, wenn sie mir die Augen geöffnet hätten...

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  3. Also ich hab mich von diesem absurden Quark aber ganz gut unterhalten gefühlt. Der Streifen will halt bewusst Trash sein und schafft das auch. Aber klar, wer jetzt ein zweites Love Exposure oder Strange Circus erwartet, wird bestimmt enttäuscht sein.

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  4. Dein Spaß sei Dir ja gegönnt! Und versteh mich bitte nicht falsch, gegen den sog. "Trash" habe ich überhaupt nicht, gegen Grindhouse-Kino, debile Monsterfilmchen oder die Blüten der 70er Jahre. Aber unter Trash würde ich EXTE gar nicht subsummieren wollen - ich fand ihn schlicht: schlecht.
    (Btw, LOVE EXPOSURE und STRANGE CIRCUS kenne ich gar nicht, meine Erwartungshaltung war also sehr offen.)

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  5. In meiner Bewertung von Sion Sonos STRANGE CIRCUS bin ich mir bis heute unschlüssig. Das Thema Kindesmissbrauch wird hier auf zum Teil ziemlich ekelhaft voyeuristische Art und Weise ausgeschlachtet. Sono betont den Exploitation-Faktor für meinen Geschmack zu stark, als dass ich dem Film eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik abnehmen könnte. Natürlich hat der Film (gerade in der ersten halben Stunde) eine große Sogwirkung, bildet in seiner surrealen Dynamik einen emotionalen Strudel, aber irgendwie fühle ich mich dabei wie ein ertappter Voyeur.

    Sono baut auch im Falle von HAIR EXTENSIONS ernste Subthemen ein, hier aber weitaus dilettantischer in einen trashigen Horrorplot "eingeflochten". Das wirkt dann nur noch lächerlich. Das ist auch der Grund, dass ich den Film "nur" mit 2-3 von 10 bewerten kann. Den durchaus vorhandenen Fun-Faktor hätte ich ansonsten weitaus milder und positiver bewertet.

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