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Exte: Hair Extensions / Ekusute (Sion Sono, Japan 2007)


Äußerst bekloppte Angelegenheit; sogar fast so unterirdisch wie TOKYO PSYCHO von Ataru Oikawa, der den Platz meiner persönlichen Übergurke einnimmt. EXTE ist besser. Ja, ganz hübsche Darstellerinnen (also eye-candy) und eine nette Story mit ihrer kleinen Cousine. Und Meta ist er freilich auch, das Horror-Movie das den J-Horror mal so richtig auf die Schippe nimmt. Nur leider konnte ich genau dies gar nicht feststellen: anstatt immer noch ein wenig zuviel des Guten abzuliefern und so implizit den Kommentar zu installieren, bietet Sono lediglich überdrehten Popcorn-Horror mit viel Tricks und ohne Atmosphäre. Dialoge vom Format: "Meine Nasenhaare wachsen in letzter Zeit sehr schnell..."/ "Das ist sicher die Luftverschmutzung!" weisen einfach nicht über sich selbst hinaus. Das ist Laberrhabarber und das ist eben nicht SCREAM! Und, schrecklich genug, das ist der allererste Dialog im Film. Wie soll man da nicht direkt scharf die Luft anhalten? Später gibt es dann fernöstliche Weisheiten: "Wenn man die Organe und die Augen stiehlt, werden die Harre wütend und rächen sich." Achso. Dazu gesellt sich ein dummruppiger Schnitt um die ganze Sache grobschlächtig abzurunden. Einfach ein zweistündiger Quark. Ich kann mir ehrlich gesagt auch keine Zielgruppe vorstellen, der das gefallen könnte (nicht mal (Achtung Meta-Gag:) Frisörlehrlingen). Dummerweise kann man sowas auch nicht weiterverschenken, da kriegt man nur Ärger. Für die Punktierer: 1/10 (aber auch nur für Chiaki Kuriyama, die in einer Szene mit dem Fahrrad durch den Vorort kurvt wie in einem Shunji Iwai-Film.)

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Ali's Wedding (Jeffrey Walker, Australien 2017)

Nachdem der talentierte aber leider erfolglose Ali die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium an der Universität von Melbourne verpatzt hat, bringt er es nicht übers Herz, seinem Vater den Misserfolg einzugestehen. Der Sohn war die große  Hoffnung des muslimischen Klerikers, der das Zentrum der arabischen Community darstellt, und höchstes Ansehen genießt. Dass dessen Rivale nur auf einen Misserfolg Alis hofft, um selbst den Platz des Vaters einnehmen zu können, ist ein Seitenerzählstrang, der einen hochinteressanten Handlungsverlauf innerhalb der Moschee voranschiebt.
 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf…

HERRMANN (Reda, Deutschland 2012)

Ein nicht mehr ganz junger Familienvater, der aus der linksalternativen Szene zu stammen scheint und der  mittlerweile wohl ziemlich in der Bürgerlichkeit angekommen ist, verabschiedet sich eines Abends von seiner Frau/Freundin und seinem bereits schlafenden Kind, da er noch auf einen Geburtstag will. Sein halb schelmisch-unterwürfig ausgedrückter Wunsch, anschließend noch kurz aufs Konzert zu gehen (dem ein echtes Begehren zugrunde zu liegen scheint, da seine Stimme schon zu zittern beginnt), wird von der verantwortungsbewußteren, vernünftigen Herzdame mit Stirnrunzeln weggeknutscht. Vermutlich kennt auch sie das Lied von der Punkband Oma Hans, wo die Mädchen auf dem Konzert einfach besser küssen als sonstwo. Da muss sie gar nicht mehr viel zu sagen, es liegt alles in ihrem Blick: er soll halt endlich mal erwachsen werden, dieser Berufsjugendliche. Schließlich gibt es jetzt Familie. Und eigentlich hatte er ja auch schon kapituliert, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat. Da kan…

A Pool without Water / Mizu no nai puuru (Kôji Wakamatsu, 1982)

Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist.
Diese Spannung überträgt sich bald auf die Handlung und findet ein Ventil - mehrfach wird er Zeuge, wie verschiedene Menschen, meist Frauen, Opfer von Rücksichtslosigkeiten, rüpelhaftem Benehmen oder gar körperlicher Gewalt werden. Da ist er dann de…