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FILME VON YASUZO MASUMURA : RETROSPEKTIVE

Das japanische Kino erlebte in den Fünfzigern und Sechzigern seine Blütezeit – mit den weltweit bekannten Regisseuren Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi, Yasujiro Ozu, Kon Ichikawa, Mikio Naruse oder auch Kaneto Shindô, die in diesen 20 Jahren einige ihrer wichtigsten Filme drehten. Die nachfolgende Generation, die häufig bei diesen Herren als Regieassistenten tätig war, sollte den Weg frei machen zu einer neuen Form des Kinos: radikaler in Inhalt und Form, gesellschaftliche Standards hinterfragend und kritisierend, und die sozialen Konventionen torpedierend: die japanische New Wave (Nuberu bagu). Masumura ist nun solch ein Mann der Schnittstelle, hat er doch den Weg bereitet für Leute wie Nagisa Oshima, Hiroshi Teshigahara, Masahiro Shinoda und Shohei Imamura, und später in den Siebzigern eindrücklich zum Exploitation-Kino beigetragen.
Masumura jedoch läßt sich schwer klassifizieren, denn sein Oeuvre umfaßt beinah 60 Filme -jährlich drehte er drei bis vier (!)- und er war in vielen Genres zuhause. Da er innerhalb der kommerziellen Filmindustrie verankert war, erlang er nie den Kultstatus eines Underdogs wie etwa Oshima, der einige seiner Filme bei der unabhängigen Art Theatre Guild realisieren konnte, nachdem Shochiku seinen NGHT AND FOG IN JAPAN (1960) verstauben ließ. Dennoch schaffte es Masumura immer sein wichtigstes Thema, den oft gewalttätigen Kampf des Individuums gegen die unterdrückende Gesellschaft, gepaart mit einer Faszination für extreme Leidenschaften bis hin zum Wahnsinn und zu sexuellen Abartigkeiten, darzustellen.

"My goal is to create an exaggerated depiction featuring only the ideas and passions of living human beings. [...] In Japanese society, which is essentially regimented, freedom and the individual do not exist. The theme of Japanese film is the emotions of the Japanese people, who have no choice but to live according to the norms of that society .”

Angefangen jedoch hat er als Abbrecher: 1924 geboren in Kofu auf Honshu, brach er sein Jurastudium an der Tokioter Universität ab, und begann als assistant director bei Daiei. Er war fasziniert von Filmen, denn als Jugendlicher bereits war er häufig im Kino gewesen. Dies hatte ihm ein Freund aus Kindergartentagen ermöglicht, dessen Vater ein Kino besessen hatte. Als Kurosawas SANSHIRO SUGATA anlief, sah er ihn sich dreimal in Folge an.
Später dann, 1949, beendete er ein Philosophiestudium, das ihm ein Stipendium einbrachte. Dieses ermöglichte ihm nach Italien zu gehen und bei drei sehr großen italienischen Regisseuren in Rom am Centro Sperimentale Cinematografico zu studieren. 1953 kehrte er nach Japan zu Daiei in Kyoto zurück, und war ab 55 second-unit director erst bei Mizoguchi und anschließend bei Ichikawa. 1957 erhielt er die Chance seinen ersten eigenen Langfilm zu drehen: KISSES.

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