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Manji - Die Liebenden (Yasuzo Masumura, Japan 1964)


Die gelangweilte Hausfrau Sonoko (Ayako Wakao) lernt in der Zeichenklasse einer Kunstschule die schöne Mitsuko (Kyoko Kishida) kennen. Bald darauf lädt sie diese zu sich nach Hause ein und überredet sie dazu, Modell zu stehen. Als sie nur wenige Zentimeter unbedeckter Haut von Mitsuko sieht, ist sie so sehr von ihrer Schönheit fasziniert, daß sie ihr in einem ausufernden Duell zunächst der Worte, dann in einem Ringkampf ihr den letzten Fetzen vom Leib reißt. Geblendet von ihrer Schönheit bringt Mitsuko wiederum Sonoko dazu, sich ebenfalls zu entkleiden, und sie versinken in einer tiefen Umarmung. Aus der Anbetung der Anderen erwächst Liebe, und je mehr die beiden Frauen sich aufeinander einlassen, desto weniger sind sie gewillt, den Konventionen der Gesellschaft, dem engen Korsett der Ehe bzw. des Verlobtseins zu folgen. In einer sich anheizenden Liebeseuphorie steigern sie sich hinein bis in den Todesgedanken. Doch dann kommen die Ehemänner…

Masumura hat viel gewagt, mit diesem leicht hysterischen Film über eine lesbische Liebe, der so gut wie keine normal ablaufenden Handlungspunkte hat. Es ist ein waschechtes Charakterdrama, das zudem fast vollständig in Innenräumen spielt. Auch bricht Masumura sehr subtil mit den Konventionen, denn es ist nicht die junge Frau, die sich in das Leben der Reifen drängt, mit einem frischen Geist, mutig und intellektuell; nein, es ist die ältere, verheiratete Frau im Kimono, die die junge im farbenprächtigen Blumenkleid begehrt. Die ihrem Ehemann dann irgendwann die Stirn bietet, sich nichts mehr gefallen läßt, und den Schritt wagt, sich ganz für ihre Liebe –auch gesellschaftlich- zu opfern. Als Mitsuko dies merkt, beginnt sie ein gefährliches Spiel der Täuschungen, das Sonoko immer weiter in eine emotionale Abhängigkeit treibt. Und natürlich stellt sich die Frage, was die schöne, begehrenswerteste Frau tatsächlich vorhat.

Ein sehr reduzierter, klassischer Score begleitet den Film, der seine Kraft aus den emblematischen Bildern und der Darstellungskraft der Schauspieler zieht. Dabei ist schon interessant, wie spannend der Film ist – schöpft er die Spannung doch rein aus der ganz langsam sich steigernden Atmosphäre, die auf einen –ja!- Höhepunkt hinausläuft.

Daß letztlich dem Film eine Art moralisches Erzählkonzept via Rahmenhandlung und Flashback übergestülpt wurde, dürfte an den Produktionsbedingungen des Studios gelegen haben. Das stört jedoch nicht, ist es doch offensichtlich, um was es Masumura gelegen ist. Auch möglich, daß MANJI nicht Masumuras bester Film ist – doch wen juckt das noch, wenn man Film um Film dieses Regisseurs sieht, und jeder scheint gelungen und deutlich über dem Durchschnitt. Sehr sehenswert.

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