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Samurai Spy (Masahiro Shinoda, Japan 1965)


Dieser politisch engagierte Samurai-Streifen hat vor allem ein großes Problem: er nimmt sich mehrerer Themen gleichzeitig an, leuchtet aber keines so richtig zufriedenstellend aus. Zunächst steht man erst einmal vor einer politisch verworrenen Situation: Japan im Jahr 1600. Mehrere Clans lauern auf die Chance, die Vorherrschaft im Land an sich reißen zu können. Und nach einer Phase relativen Friedens werden Spione ausgesandt, die die Neuigkeiten zu den jeweiligen Anführern bringen. Sasuke, der Held, ist einer von ihnen. Der Frieden treibt aber auch so einige Ronin durchs Land, arbeitslose Söldner, die sich durchschlagen müssen (siehe Sword of Doom). Einer der Samurai spricht es dann auch aus, was es denn schon Sinnvolles im Leben gebe, außer "Women and Sake". Sasuke, der Held, sieht das natürlich anders.

Nun gesellt sich hierzu eine Vielzahl an Personen, die nicht nur Spys, sondern Doppelagenten sind; Personen die entweder zur Regierung oder zu einem Clan, zu einer Räuberbande oder einem Tempel, zu einem Dorf oder sonstwo dazu gehören. Das geht dann teilweise noch in die Väter- und Vorvätergeneration zurück, sodaß innerhalb weniger Minuten ein Dostojewskischer Figurenkosmos ausgebreitet wird. (Auf der DVD befindet sich auch ein Figurenindex (!), der alle wichtigen Personen (etwa 12) näher beschreibt, was ich aber leider erst nach der Sichtung gesehen habe.) Man sieht schon, es wird einem nicht leicht gemacht. Mit dieser Vielzahl an Personen verliert sich in kürzester Zeit der Überblick, und man läßt sich ganz auf die Geschichte ein, denkt man.

Doch ist das Drehbuch nicht auf’s Erzählen hin konzipiert. Shinoda geht folgendermaßen vor: Gespräch (verschiedener Personen über versch. Personen, deren Machtpositionen und Loyalitäten usw.), dann Kampfszene, dann wieder Gespräch, wieder Kampfszene,… usw usf. Dadurch wird fast schon eine Anti-Dramaturgie aufgebaut, da man ständig verfolgen muß, wer mit wem, und warum dann gleich wieder gekämpft wird. Eine richtige Handlung im herkömmlichen Sinne mit abfolgenden Plotpoints wird also nicht entwickelt.

Man denkt: OK, schau ich mir die Kämpfe. Jedoch will Shinoda die Entpersönlichung der Samurai zeigen, und legt diese dummerweise als Ninja an (die ich, nur so nebenbei, eh nicht leiden kann). Also schwarz gewandete Fassadenhüpfer vor schwarzem Hintergrund. Man sieht demnach überhaupt nichts, und plötzlich ist einer tot. Wurfstern in die Stirn, oder ähnlich doofe Tricks. Es gibt also wenig Schwertkämpfe. Dazu kommt permanenter Nebel in Situationen, wo man etwas sehen könnte; also bei Tag. Shinoda macht das wohl deswegen, da dies die unklare politische Situation symbolisieren soll. Nun gut, das ist ihm gelungen, aber vom Kampf sieht man halt dann wenig. Und plötzlich ist wieder einer tot.

Verquickt wird das noch mit experimentellen Kamerapositionen, die sich häufig sehr weit vom Geschehen befinden. Cinemascope-Totale, und plötzlich ist wieder einer tot. Nun gut. Dazu gibt’s noch eine Liebesgeschichte, in der man die emotionalen Verwicklungen aber nicht so recht nachvollziehen kann, man hat inzwischen vollkommen den Überblick über die Figuren verloren, und plötzlich gibt es also neben der Ehre noch die Liebe. Letztenendes ist der Film aber doch noch ganz interessant. Es gibt viele schöne Bilder, Großaufnahmen von blutbespritzten Gesichtern und hartkontrastigen film noir - Schwarz/Weißaufnahmen a la Sword of Doom. Und nach 1 1/2 Stunden ist der Spaß vorbei. Gott sei's gedankt. Vielleicht hilft eine Zweitsichtung…

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