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Tora-San's Cherished Mother (Yoji Yamada, Japan 1969)



Im zweiten Teil der Serie kehrt Torajiro (Kiyoshi Atsumi) wieder einmal nach Hause zurück; dort erfährt er, daß seine Schwester Sakura (Chieko Baisho) einen Sohn geboren hat, Tora-chan nun Onkel geworden ist. Diese Neuigkeit setzt ihm sehr zu. Er windet sich aus der emotionalen Situation heraus, indem er behauptet, nur auf der Durchreise zu sein. Er schafft es aber nur ein paar Straßen weit, denn dort trifft er auf seinen ehemaligen Sensei Tsubouchi (Eijiro Tono), mit dem er gleich ein Saufgelage veranstaltet. Die attraktive Tochter des Lehrers hat es ihm außerdem sehr angetan. Der weise sensei überzeugt ihn schließlich, nach Kyoto zu reisen und seine verschollene Mutter aufzusuchen. Voller Angst macht er sich mit Natsuko (Orie Satoh) auf den Weg...

Teil zwei ist vor allem eines: narrativ stringenter. Schien der erste Teil noch etwas episodisch, so haben wir es hier mit zwei miteinander verknüpften Haupterzählfäden zu tun, die der Erzählung größere Geschlossenheit verleihen. Allerdings bietet sie auch weniger Witz, dafür ordentlich Tragik. Wer auf seichte Familienunterhaltung gesetzt hat, ist in dieser Episode falsch. Probleme des Erwachsenen, unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Tod, stehen im narrativen und emotionalen Zentrum. Ein Film über verpasste Gelegenheiten und tragische Abschiede. So sagt Tora einmal: "das Gesicht lacht, aber das Herz weint."

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Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Drug War / Du zhan (Johnnie To, China/Hongkong 2012)

Viel Aufhebens wird gemacht um Johnnie Tos "erste" Mainland-Action-Produktion (obwohl der Film durchaus HK-co-produziert ist und auch teilweise in Hong Kong selbst spielt, die zweite Hauptfigur Honk Kong-Superstar Louis Koo ist und To die Romcom DON'T GO BREAKING MY HEART (2011) ebenfalls schon in China drehte) - und damit soll einerseits darauf abgehoben werden, dass das Filmemachen in Hong Kong (wieder mal) in einer Krise stecke, und andererseits der chinesische (Absatz-) Markt, alles dominierend, die habgierigen Krallen ausstreckt. Und in gewisser Weise sind die Befürchtungen auch berechtigt, denn was wird aus dem "unabhängigen" Filmland Hong Kong, wenn sogar schon Johnnie To, eine Ikone der Stadt, seine Filme nach den zensurkonformen Mainlandbedingungen ausrichtet! Aber man darf sich beruhigen: DRUG WAR ist ein echtes Johnnie To-Brett geworden. DRUG WAR wird dominiert von formalen Strukturen, die über zwei Knotenpunkte die Entwicklung des Films steue...

Nippon Connection 2016: Ken and Kazu (Hiroshi Shoji, Japan 2015)

Der Konflikt, der in KEN TO KAZU das Leben der Hauptfiguren ruiniern wird, ist der Spagat zwischen dem Lebensentwurf des kriminellen Kleingangsters und dem einer bürgerlichen Existenz. Als Saki schließlich schwanger wird, setzt sie ihren Freund Ken mächtig unter Druck: endlich mit Kazu zu brechen und ein ordentliches Leben zu beginnen. Etwas, was Ken ihr wohl schon mehrfach versprochen hat, aber anscheinend nicht einhalten wollte. Die Spuren seines unsteten und kriminellen Lebenswandels werden ihm während des Films mehrfach entlarvend ins Gesicht geschrieben: Kratzer auf den Wangen, eine blutige Nase, Schwellungen und blaue Flecken von Prügeleien. Und so muss sich Ken entscheiden, ob er eine Familie gründen und es bei den Einkünften aus seiner Autowerkstatt belassen will, oder ob er dem ständigen Drängen des penetrant grenzüberschreitenden, brutalen Kazu nachgibt und weiterhin Drogen verhökert. Doch Ken kommt nicht gegen ihn an, er wirkt eingeschüchtert und scheint zuviel Angst vo...