Direkt zum Hauptbereich

Haebaragi / Sunflower (Seok-beom Kang, Südkorea 2006)


Der Gangster Taeshik (Rae-won Kim) wird nach Verbüßung seiner 10-jährigen Haftstrafe entlassen. Wieder auf dem rechten Weg, kehrt er in seine Heimatstadt zurück und findet bei der Betreiberin eines kleinen Restaurants am Rande eines Sonnenblumenfeldes ein neues Zuhause. In einer Autowerkstatt findet er Arbeit. Die Tochter der Wirtin umflirtet ihn. Alles scheint gut zu werden. Bis ein skrupelloser Politiker und Unternehmer, der mittlerweile mit Taeshiks alter Gang zusammenarbeitet, das Feld aufkauft, um dort ein Einkaufszentrum hinzubauen. Nur das Restaurant steht ihm noch -sprichwörtlich- im Wege; die wollen nämlich nicht verkaufen und wehren sich. So wird Taeshik, der sich geschworen hatte, nie wieder zu kämpfen, wieder in die Welt aus Gewalt und Abhängigkeiten hineingezogen.
Beginnt der Film zunächst als melancholische Feel-Good-Komödie, schlägt er nach etwa der Hälfte um in ein beinhartes koreanisches Brett. Und ist dabei noch konsequenter als der ebenfalls interessante THE SHOW MUST GO ON. Die Faustkämpfe sind äußerst realistisch und roh, die Gewalt explodiert wie aus dem Nichts - in diesem Film auch gegen Frauen. Sicherlich, das Ende ist etwas martialisch geraten, aber alles bleibt deutlich realistischer als beim überschätzten A BITTERSWEET LIFE.
Zum Negativen: einige Elemente werden sehr plakativ umgesetzt. Taesiks Läuterung, seine guten Vorsätze, nie wieder zu kämpfen, zu trinken, oder zu rauchen, schreibt er wie ein Plakatmaler in ein kleines Notizbuch, das er wie einen Schatz hütet. Hat er eines seiner notierten Ziele erreicht, dann streicht er es dick mit dem Stift durch. Das ist so überdeutlich in Szene gesetzt, daß man sich schon fragt, ob die einen vielleicht für verblödet halten. Kommt es zum Beispiel zu einer halbromantischen Szene zwischen den beiden Herzchen, dann geht die Sonne pinkfarben am Horizont über dem Häusermeer unter. Dazu natürlich die obligatorische Klavierminiatur. Und auch das Abschlußbild ist von ähnlichem Kaliber.
Positiv, das sei erwähnt, ist aber eine sehr stringente und immer logisch nachvollziehbare Handlung, was gerade im asiatischen Raum ja nicht immer selbstverständlich ist. Und auch die Schauspieler sind hervorragend, besonders der Verzweiflungs-Monolog der Mutter sei erwähnt.
Alles in allem fand ich HAEBARAGI durchaus sehenswert: romantisch, spannend, brutal.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Und dann friert die Pfütze zu: Liebe am Papierrand (Yoko Ogawa, 1991/2005)

Abgesehen vom obligatorisch esoterischen Asien-Coverbild auf dem Buchdeckel, das die Erwartungshaltung in eine völlig falsche Richtung lenkt, ist dieses Buch, eine Kranken- und Liebesgeschichte einer Frau zu einem mysteriösen Stenographen mit schönen Händen, vor allem aber eines für Ohrenfetischisten. Laut Wikipedia war dieses der erste große, erfolgreiche Roman der Autorin und vielleicht ja auch eine Hommage an Murakami Haruki, dessen Ohren-Obsession hinlänglich bekannt ist. Es hagelte jedenfalls Literaturpreise in Japan.
 Es ist ein leises Buch, noch viel leiser als die Eulersche Formel, und ein präzises in der Beobachtung des Alltäglichen. Die Figuren sind noch behutsamer und rücksichtsvoller gegen sich selbst und die Umwelt. Hier wird viel in Erinnerungen geschwelgt und in Gefühlszuständen, die nur mit ständig eingeschaltetem Seismographen wahrgenommen werden können. So ziemlich das Gegenteil von einem Ryu Murakami-Roman, aber keinesfalls besser. Und dann fällt Schnee, oder es l…

Afterlife / Wandâfuru raifu (Hirokazu Kore-eda, Japan 1998)

Angekommen in einem nüchternen Zwischenreich, müssen zehn Verstorbene den schönsten Moment ihres Leben auswählen, um mit dieser Erinnerung anschließend ins Jenseits einzugehen.

Kore-eda ist ein Regisseur der vom Dokumentarfilm kommt. Das sieht man ihm auch bei seinen filmischen Mitteln im feature film an. Die Kreation irrwitziger Filmwelten ist nicht sein Ding. Stets führt die ruhige Kamera in langen Einstellungen "reales" Leben vor, das sich nicht den Gesetzen des Entertainments unterwirft. Lange Einstellungen, Stille, Respekt vor den Menschen, dem kleinen Moment des Besonderen.
Seine Mittel der Authentizitätserzeugung wählt er gründlich: neben den bereits erwähnten technisch-strukturellen Komponenten ist es auch die Wahl der Schauspieler und Laiendarsteller, für die er sich enorm viel Zeit genommen hatte. So werden die Toten (etwa 10 Personen) allesamt von Laien dargestellt, die Kore-eda nach 500 geführten Interviews ausgewählt hatte. Zudem waren nur die Dialoge der profe…

Violent Virgin aka Gewalt! Gewalt: shojo geba-geba (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Ein verstörender Film: die beiden Protagonisten, ein Mann namens Hoshi (gespielt von Toshiyuki Tanigawa) und eine Frau (Hanako, gespielt von Eri Ashikawa - doch die Namen spielen wieder mal eigentlich keine Rolle) mit Sack über dem Kopf, werden offensichtlich von einer Gruppe sadistischer Yakuza und ihren kreischenden Gespielinnen entführt. Man gelangt über holprige Wege in eine Einöde, wo die Frau nach einigen Misshandlungen an ein großes Holzkreuz gefesselt wird. Blut läuft ihr über die Brust, sie ist beinahe nackt. Der Mann wird auf verschiedene Arten misshandelt, bevor er von den Peinigern zum Verkehr mit den prolligen Weibern gezwungen wird. In seiner Wut und Hilflosigkeit geht er jedoch äußerst ruppig mit ihnen zur Sache. Er beginnt sich aufzulehnen und erwürgt eines der Mädchen. Später kommt dann heraus, dass die Gräueltaten von einer Anhöhe aus vom Yakuza-Boss beobachtet werden, der seine sadistische Freude daran hat, das Liebespaar zu quälen. Denn Hoshi ist sein untreu gewo…