Direkt zum Hauptbereich

Midori (Hiroshi Harada, Japan 1992)


Der Film erzählt von den Fährnissen des unglücklichen Mädchens Midori, die sich nach Schicksalschlägen einem Wanderzirkus, besser: einer Freakshow anschließt. Aber auch dort, bei den außerhalb der Gesellschaft Stehenden, ergeht es ihr nicht besser: Mißbrauch, Vergewaltigung, Gewalt für ein bißchen Zugehörigkeit muß von ihr erlitten werden. Erst als sich ein mysteriöser Zauberer mit einem wundersamen Flaschentrick der fahrenden Truppe anschließt, bessert sich ihre Position. Der Mann mit der teuflischen Gestalt hat sich in sie verliebt und nimmt sich ihrer an.

MIDORI ist ein wunderbar kreativer und abgründiger Zeichentrickfilm im Geiste des ero-guro, des erotisch Grotesken, der sich stark bei Tod Brownings legendärem FREAKS - MISSGESTALTETE bedient. Hier treffen Teufelsfratzen auf Kleinmädchenschüchternheit, deformierte Körper auf erträumte Blumenwiesen und gesellschaftskritische Töne auf grausame Unterhaltung. Harada hat angeblich den gesamten Film im Alleingang realisiert und komplett aus eigener Tasche gestemmt. Die fünfjährige Arbeitszeit merkt man dem dichten animierten Bilderspektakel an: dieser fantastisch getimte Augenschmaus ist eine Explosion an Kreativität, die manchesmal etwas den Plot aus den Augen verliert und sich über Gebühr den Bildwelten hingibt - ein kleiner Kritikpunkt meinerseits. Leider muß man sich mit einer 50 minütigen Spielzeit begnügen - doch wie so oft bei solcherlei visueller Potenz ist man damit mehr als ausreichend bedient.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Nippon Connection 2016: Ken and Kazu (Hiroshi Shoji, Japan 2015)

Der Konflikt, der in KEN TO KAZU das Leben der Hauptfiguren ruiniern wird, ist der Spagat zwischen dem Lebensentwurf des kriminellen Kleingangsters und dem einer bürgerlichen Existenz. Als Saki schließlich schwanger wird, setzt sie ihren Freund Ken mächtig unter Druck: endlich mit Kazu zu brechen und ein ordentliches Leben zu beginnen. Etwas, was Ken ihr wohl schon mehrfach versprochen hat, aber anscheinend nicht einhalten wollte. Die Spuren seines unsteten und kriminellen Lebenswandels werden ihm während des Films mehrfach entlarvend ins Gesicht geschrieben: Kratzer auf den Wangen, eine blutige Nase, Schwellungen und blaue Flecken von Prügeleien. Und so muss sich Ken entscheiden, ob er eine Familie gründen und es bei den Einkünften aus seiner Autowerkstatt belassen will, oder ob er dem ständigen Drängen des penetrant grenzüberschreitenden, brutalen Kazu nachgibt und weiterhin Drogen verhökert. Doch Ken kommt nicht gegen ihn an, er wirkt eingeschüchtert und scheint zuviel Angst vo...

Drug War / Du zhan (Johnnie To, China/Hongkong 2012)

Viel Aufhebens wird gemacht um Johnnie Tos "erste" Mainland-Action-Produktion (obwohl der Film durchaus HK-co-produziert ist und auch teilweise in Hong Kong selbst spielt, die zweite Hauptfigur Honk Kong-Superstar Louis Koo ist und To die Romcom DON'T GO BREAKING MY HEART (2011) ebenfalls schon in China drehte) - und damit soll einerseits darauf abgehoben werden, dass das Filmemachen in Hong Kong (wieder mal) in einer Krise stecke, und andererseits der chinesische (Absatz-) Markt, alles dominierend, die habgierigen Krallen ausstreckt. Und in gewisser Weise sind die Befürchtungen auch berechtigt, denn was wird aus dem "unabhängigen" Filmland Hong Kong, wenn sogar schon Johnnie To, eine Ikone der Stadt, seine Filme nach den zensurkonformen Mainlandbedingungen ausrichtet! Aber man darf sich beruhigen: DRUG WAR ist ein echtes Johnnie To-Brett geworden. DRUG WAR wird dominiert von formalen Strukturen, die über zwei Knotenpunkte die Entwicklung des Films steue...