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Midori (Hiroshi Harada, Japan 1992)


Der Film erzählt von den Fährnissen des unglücklichen Mädchens Midori, die sich nach Schicksalschlägen einem Wanderzirkus, besser: einer Freakshow anschließt. Aber auch dort, bei den außerhalb der Gesellschaft Stehenden, ergeht es ihr nicht besser: Mißbrauch, Vergewaltigung, Gewalt für ein bißchen Zugehörigkeit muß von ihr erlitten werden. Erst als sich ein mysteriöser Zauberer mit einem wundersamen Flaschentrick der fahrenden Truppe anschließt, bessert sich ihre Position. Der Mann mit der teuflischen Gestalt hat sich in sie verliebt und nimmt sich ihrer an.

MIDORI ist ein wunderbar kreativer und abgründiger Zeichentrickfilm im Geiste des ero-guro, des erotisch Grotesken, der sich stark bei Tod Brownings legendärem FREAKS - MISSGESTALTETE bedient. Hier treffen Teufelsfratzen auf Kleinmädchenschüchternheit, deformierte Körper auf erträumte Blumenwiesen und gesellschaftskritische Töne auf grausame Unterhaltung. Harada hat angeblich den gesamten Film im Alleingang realisiert und komplett aus eigener Tasche gestemmt. Die fünfjährige Arbeitszeit merkt man dem dichten animierten Bilderspektakel an: dieser fantastisch getimte Augenschmaus ist eine Explosion an Kreativität, die manchesmal etwas den Plot aus den Augen verliert und sich über Gebühr den Bildwelten hingibt - ein kleiner Kritikpunkt meinerseits. Leider muß man sich mit einer 50 minütigen Spielzeit begnügen - doch wie so oft bei solcherlei visueller Potenz ist man damit mehr als ausreichend bedient.

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Dutta Vs. Dutta (Anjan Dutt, Indien 2012)

Wie schreibt man einen Text über diesen Film, wenn man noch nie in seinem Leben in Kalkutta war? Und der Film, wie man allerorten liest, besonders dafür gelobt wird, wie er das Kalkutta der 70er Jahre besonders liebevoll und detailgetreu wiederaufleben lässt? Ich bin 1971 geboren - wie sollte ich einen Bezug zu dieser fernen Zeit, zu diesem fernen Land und zu dieser unbekannten Stadt haben oder bekommen?
Und es geht doch. Denn der Film geht ganz ähnlich vor wie Amitav Ghosh in seinem großen Roman The Shadow Lines, über die Erinnerung der Erzählerfigur an seine Jugend. Der Film als Rückblick, in dem die Hauptfigur, der zugleich auch der Voice-over-Erzähler ist, auf seine eigene Kindheit und Jugend wie auf eine vergangene Zeit, zurückschaut. Und auf eine Jugend können wir alle zurückschauen. Das Schöne: auch ohne melancholischen Revisionismus.
DUTTA VS DUTTA beginnt dabei wie ein Film Robert Altmans (um, hoffentlich verzeihlicherweise und als Referenz gemeint, mit einer westlichen Pers…

Ali's Wedding (Jeffrey Walker, Australien 2017)

Nachdem der talentierte aber leider erfolglose Ali die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium an der Universität von Melbourne verpatzt hat, bringt er es nicht übers Herz, seinem Vater den Misserfolg einzugestehen. Der Sohn war die große  Hoffnung des muslimischen Klerikers, der das Zentrum der arabischen Community darstellt, und höchstes Ansehen genießt. Dass dessen Rivale nur auf einen Misserfolg Alis hofft, um selbst den Platz des Vaters einnehmen zu können, ist ein Seitenerzählstrang, der einen hochinteressanten Handlungsverlauf innerhalb der Moschee voranschiebt.
 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf…

Das Lächeln im Angesicht der Tragödie: Yasujirô Shimazus Tonari no Yae-Chan / Our Neighbour, Miss Yae (Japan 1934)

 Als ich vor kurzem einmal wieder Our Neighbour, Miss Yae gesehen hatte, da war das einer von diesen seltenen Momenten, wo man nicht genau weiß, was da eigentlich gerade passiert ist; aber als die Abblende kam, nach dem letzten Bild mit der Kamera in den wolkenverhangenen Himmel hinauf – obwohl sich doch, wenn nicht alles, so doch so manches zum Guten aufgelöst hatte – war ich den Tränen nahe und zutiefst gerührt. Dabei war da gar nichts wirklich Rührseliges passiert, oder gar aufwühlend Melodramatisches. Der Film endet so, wie er anfängt, zumindest auf der Tonspur. Eine liebliche, langgezogen sehnsuchtsvolle Geigenminiatur, die von etwas Herzschmerz aus dem Leben kleiner Leute der unteren Mittelschicht aus irgendeiner japanischen Vorstadt in der Nähe von Tokio verkündet. Einmal sagt die Mutter, heute sei das Wetter so klar, man könne den Fuji sehen, aber das muss man glauben. Im Film taucht er nicht auf. Das ist kein Film für nationale Monumente. Hier wirken Dinge und K…