Direkt zum Hauptbereich

Zombie Fight Club (Joe Chien, Taiwan 2014)



Joe Chiens Nachfolge-Film zum schon damals sehr geschmacklosen Debut ZOMBIE 108 haut wieder in dieselbe Kerbe. Sehr viele Zombies, sehr brutal, sehr misogyn. Und: Frauen haben bei Joe Chien nichts zu lachen, es sei denn, sie befinden sich unter dem Einfluß von bewußtseinserweiternden Drogen. Ansonsten dürfen sie schön den pushed up-Busen oder gleich das Hinterteil in die Kamera halten, bevor der Dominator anrückt und es ihnen mal so richtig besorgt. Ich glaube, so primitiv und animalisch habe ich das selten gesehen - und es ist offenkundig, dass wirklich alle Darstellerinnen ausschließlich wegen ihres Aussehens gecastet worden sind. Lasst alle Würde fahren, Herrgott! Hier hätte mich mal ein Behind-the-scenes-Special interessiert. Aber nun zum Film, der mit einem dystopischen Szenario startet, das ebenfalls keine Gefangenen macht. Und wenn dein eigenes Gehirn irgendwann kapituliert, dann geht es dir nicht anders, wie den Figuren im Film (oder Andy On, über dessen Karriere man sich nun endgültig Sorgen machen darf):

Taipeh wird überrollt von einer Zombieplage, die durch amerikanische Pharmapillen ins Land geschleppt wurde. SARS aus den USA importiert, quasi. Die Bewohner eines Hochhauses (siehe DREDD & THE RAID) scheinen mit die letzten Überlebenden zu sein und müssen irgendwie durchhalten. Wohin und wozu wird man sehen müssen. Alldieweil, sie kommen sowieso nicht weit. Die Zombies sind zwar nicht so aggressiv wie man das von Danny Boyles Langstreckenrennern gewohnt ist, aber die schiere Übermacht scheint unbezwingbar. Ein paar Drogenhändler und ihre HipHop-Schnallen, sowie ein bis zwei Männer einer Spezialeinheit retten sich in die Wohnung eines Lehrers, der gerade Besuch hat von ein paar Schülerinnen, denen er übrigens auch erotischerseits zugeneigt ist. Da Sex so wichtig ist wie Überleben, kann man sich denken, was nun für ein Zwischenspiel folgt. Nach etwa zwei Drittel bricht der Film dann plötzlich ab, wenn es die letzten Überlebenden in den Untergrund geschafft haben. Sprung in die Zukunft. Aber auch dort wartet nicht das Paradies. In einer bizarren Cage-Fight-Situation wie in einer römischen Arena müssen sie nun ums Überleben kämpfen, angeführt von einem debilen Irren, der irgendwie schwarze Lodenmäntel trägt und sich geriert wie von der Waffen-SS. Warum nicht alles machen, was man sich so ausdenken kann, Hauptsache, es wird gematscht! Mit Exploitation-Kino hat dieser crispe Hochglanz-Schmuh natürlich nicht das geringste zu tun, das sollte man keinesfalls verwechseln.

Zur DVD-Veröffentlichung: 

Das scheint also die Devise zu sein von Joe Chiens Filmemachen: Matschepampe. Eine zweite Chance wollte ich diesem Extremtransgressions-Regisseur durchaus einräumen, nachdem mir schon sein Erstling so auf den Magen geschlagen hatte. Besser finde ich das hier leider nicht, sondern von ganz ähnlicher, unterirdischer Qualität. ZOMBIE FIGHT CLUB ist vielleicht etwas für ganz besonders Hartgesottene, die vor nichts zurückschrecken. Auch nicht vor Tonnen von CGI-Gematsche. Es ist ein Wunder, dass die DVD von Mad Dimension ungeschnitten auf den Markt gekommen ist, so wie es hier zur Sache geht. FSK 18 prangt auf der Hülle, Uncut Edition (mit Wendecover). Den Ton gibt es im Original (Mandarin), sowie in deutscher Synchronisation. Deutsche Untertitel können zugeschaltet werden. Extras finden sich - bis auf die üblichen Werbetrailer - keine auf der DVD. Den Film kann man hier bei amazon erstehen. Und wer gerne in HD schaut, hier die Blu-Ray. VÖ-Termin in Deutschland war der 31. Juli 2015.

Michael Schleeh

***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Zick-Zack durch den Zombie-Film: ONE CUT OF THE DEAD (Shinichiro Ueda, Japan 2017)

Den Film habe ich vor etwa zwei Wochen gesehen und es ist ganz interessant, was noch in der Erinnerung von ihm übrigbleibt. Und das ist eigentlich recht viel. Was vor allem, wie ich glaube, daran liegt, dass er geschickt mit "Bild-Ankern" arbeitet. Zum Beispiel mit der Pyramide am Ende, die vergisst man nicht so schnell. Genausowenig wie das Haupt-Setting, die verlassene Fabrik. Oder dann den dritten Schauplatz, einen gesichtslosen Büroraum mit 08/15-Mobiliar und wenig Euphorie. Woher die ganze Saftigkeit kommt, wenn ein Film - in der Produktion - dort in dieser nüchternen Tristesse beginnt, ist auch so ein kleines Wunder. Auf der Leinwand ist er dann ja schon eine ganz andere Erfahrung.
Auf letterboxd hatte ich das schon kurz angemerkt: der Film hat ein merkwürdiges, schräges Pacing. Schnell und actionreich am Beginn, dann die Zerstörung der filmischen Illusion und der Aufbau der Backstory, dann Switch zurück und das quasi-live-Making-of. Der Film ist also ein Erzählfilm, …

Chinesische Dystopie: PEKING FALTEN von Hao Jingfang (2018)

Lao Dao, ein Leben als Rundungsfehler.

In der nahen Zukunft: Die Metropole Peking ist in drei Sektoren aufgeteilt, um den knapp bemessenen Raum möglichst effizient zu nutzen und um der Überbevölkerung Herr zu werden. Der Protagonist Lao Dao, ein älterer Herr, lebt im Dritten Sektor, dort wo das einfache Volk ohne Bildung, die Tagelöhner hausen. Er ist Mülltrenner und verwertet die Abfälle aus Sektor zwei und drei, um sie einem Recycling-System zuzuführen. Außerdem kümmert er sich um seine Tochter; ein Findelkind, das er einmal aus dem Abfall gezogen hat. Da er ihr eine bessere Zukunft sichern will, verdingt er sich als Bote zwischen den Sektoren - jeder Kontakt zwischen ihnen ist strengstens untersagt - um eine Nachricht an eine Frau in Sektor Eins zu übermitteln.
Freilich, ein Job voller Gefahren. Da sich in einem gewissen Zeitabstand die Stadt Peking stetig neu "umfaltet", um einen anderen Stadtsektor an die Erdoberfläche gelangen zu lassen, muss er sich auf einer komplizi…

Solang ich lebe / Jab Tak Hai Jaan (Yash Chopra, Indien 2012)

Der stille Eigenbrötler Samar (Shah Rukh Khan) arbeitet für das indische Militär als Bombenentschärfer, wo er sich einen legendären Ruf als "Mann, der nicht sterben kann" erworben hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen trägt er bei seinen Einsätzen nämlich keinen der dicken, unförmigen Schutzanzüge und Gesichtsmasken, sondern geht mit bloßen Händen und im Grünzeug an die Sache ran. Weshalb nun der schöne Unzugängliche so rücksictslos mit seinem Leben spielt, diese Geschichte erzählt JAB TAK HAI JAAN.
Es ist freilich die Geschichte einer unerfüllten Liebe, die hinter seinem persönlichen Unglück steht. Die eines Schwurs im Geiste der Religion, die seine Geliebte von ihm fernhält. In einem Rückblick blättert der Film die Geschichte der beiden ungleichen Liebenden auf: in London soll die schöne Meera (Katrina Kaif), Erbin eines Supermarkt-Tycoons (Anupam Kher), an einen erfolgreichen Karrieremenschen verheiratet werden. Da sie der Augapfel des Vaters ist, wagt sie nicht zu widers…