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Ali's Wedding (Jeffrey Walker, Australien 2017)


 Nachdem der talentierte aber leider erfolglose Ali die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium an der Universität von Melbourne verpatzt hat, bringt er es nicht übers Herz, seinem Vater den Misserfolg einzugestehen. Der Sohn war die große  Hoffnung des muslimischen Klerikers, der das Zentrum der arabischen Community darstellt, und höchstes Ansehen genießt. Dass dessen Rivale nur auf einen Misserfolg Alis hofft, um selbst den Platz des Vaters einnehmen zu können, ist ein Seitenerzählstrang, der einen hochinteressanten Handlungsverlauf innerhalb der Moschee voranschiebt.

 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Dummerweise ist Ali aber Yomna versprochen, der Tochter eines Freundes des Hauses. Ali verstrickt sich immer tiefer in das Lügengespinst, bis alles irgendwann über seinem Kopf zusammenbrechen muss.

 Ali's Wedding ist viele Filme in einem, und welchen man von diesen sieht, bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass für irakische Muslime die Szenen des Theaterstücks nochmal einen ganz anderen Stellenwert haben, als für einen Westler. Dort wird nämlich ein fröhliches Singstück aufgeführt, in dem Saddam Hussein mächtig durch den Kakao gezogen wird. Neben den Einblicken in die Abläufe des Alltags in der Moschee, ist der Film aber natürlich ebenso ein Migrationsfilm, der von der zweiten Generation im neuen Land erzählt. Wodurch sich ein ständiger Konflikt zwischen alter Kultur und neuer Moderne einstellt, der sich vor allem an den Bedürfnissen der Jugendlichen entzündet.

 Aber in Liebesdingen ist es auch nicht viel einfacher. Die Rivalitäten zwischen den Angehörigen der arabischen Staaten ist nicht weniger unterhaltsam, sind sie doch - ähnlich wie im indischen Kino - vor allem durch Vorbehalte und Vorurteile geprägt, die der Film sehr unterhaltsam aufs Korn nimmt. Etwa wenn sich die Gattinnen darüber streiten, welches Kochbuch welcher Nationalität die besten arabischen Gerichte zeitige. Das ist zwar humorvoll, bestätigt aber natürlich zugleich den status quo, den der Film überwinden will. Ali's Wedding ist damit auch ein culture-clash-Film, der sich auf die spezifischen Gewohnheiten und Differenzen seiner Protagonisten stürzt.

 Dass am Ende beinahe alle Hürden und Hindernisse überwunden werden, macht aus ihm schließlich einen feelgood-Film, der die großen Katastrophen mit der Kraft der Liebe auszugleichen weiß und ein ziemlich versöhnliches Ende findet. Ein Film, der durchaus auch klischeehaft ist, mit diesen Standards aber zu spielen weiß und auch über sie hinausgeht. Vor allem die sympathischen Schauspieler, ein gutes Tempo und die Einblicke in die arabische Exil-Gesellschaft machen Ali's Wedding aber zu einem sehenswerten und gut gelaunten Unterhaltungsfilm.

Michael Schleeh

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