Direkt zum Hauptbereich

Beyond our Ken (Pang Ho-Cheung, HK 2004)


Drei Jahre vor EXODUS konnte Edmond Pang mit dieser anspruchsvolleren Mixtur aus Liebeskomödie und Drama brillieren. Zwei junge Frauen lernen sich kennen - die eine ist die Freundin von Ken, die andere dessen Ex. Auslöser sind Nacktbilder der Ex im Internet, und sie wendet sich in ihrer Verzweiflung an die aktuelle Geliebte. Je besser sie sich jedoch kennenlernen, desto mehr tauschen sie sich über Ken aus; wobei ihnen immer klarer wird, was für ein Schwein hinter der liebevollen Maske steckt. Das fängt schon damit an, daß er sie mit denselben Sprüchen rumgekriegt hatte. Und das ist nur der Gipfel des Eisberges.

Pang ist hier ein ordentlicher Genremischer: Komödie, Drama und Detektivgeschichte fügt er zu einem wunderbaren Film, manchmal etwas zu hip, zu ausnahmslos schön, zu sehr ins rechte Licht gesetzt. Aber das sieht man ihm gerne nach, macht der Film doch ordentlich Spaß, hat einen geschickt konstruierten Handlungsverlauf mit einigen Überraschungen und zwei Darstellerinnen, die nicht von dieser Erde stammen. Kameramäßig hat er sich auch was überlegt: ganz im Gegensatz zu EXODUS dominiert hier die Handkamera, die sehr dicht an den Personen dran ist. Das paßt sehr gut, ist dieser doch letztlich auch ein sehr intimer Film. Und irgendwann denkt man sich wirklich, sie sollen jetzt endlich den Typen links liegen lassen, sich in die Arme nehmen und anfangen zu knutschen!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

In Bong Joon-hos OKJA (2017) rettet die Liebe eines Mädchens zu seinem Hausschwein eine kleine Welt

Am Beginn von OKJA, Bong Joon-hoos neuestem creature feature für netflix, öffnet sich die koreanische Landschaft auf die schönste Weise. Man staunt über die grünen Hügel und Wälder, die steilen Schluchten und Täler, die einen großen Kontrast setzen zu den allerersten Minuten des Films im Herzen der zubetonierten Metropole Manhattans. Dort nämlich befindet sich die Mirando Corporation, ein Nahrungsmittelhersteller, der mittels Gen-Food seinen Aktienindex hochjubeln möchte. Dazu braucht es Fleisch. Viel Fleisch, und besonders leckeres. Und viel kosten darf es auch nicht. Deswegen werden Riesenschweine gezüchtet (optisch geht das Richtung Seekuh), die Qualitätsfleisch versprechen. Eines der Versuchsschweinchen durfte in den Wäldern und Bergen Koreas aufwachsen, und es ist freilich das Prachtexemplar schlechthin, das dem Film den Titel gibt. Möglicherweise ist es aber vor allem die Liebe, die das Tier erfahren hat, das es so gut gedeihen ließ. Geliebt wird es heiß und innig von dem 13-j…

Wenn die Festplatte raucht: GANTZ:0 - ein Computerspiel getarnt als Film (Yasushi Kawamura & Keiichi Sato, Japan 2016)

"We are stuck in an endless survival game!"
 Im Funkenflug löst sich das Ich auf: rausgebeamt aus dem Spielfeld, in diesem Fall die berühmte Shibuya-Kreuzung (weil: drunter geht's nicht), als das Monster mit dem Tentakelkopf erledigt ist. Der Tote bleibt zurück, die Überlebenden dürfen ins nächste Level vordringen. Nach dem Vorspann, der eigentlich keiner ist, weil nur der Filmtitel eingeblendet wird: next stop: Osaka! Dort sind weitere Monster gesichtet worden, dort muss man sie nun bekämpfen. Freilich auf der Brücke in der Fußgängerzone, in Dotonbori, vor dem Hintergrund der berühmten Werbetafelfeuerwerke (weil: drunter geht's nicht).
 Ein Film, der nicht mehr aussieht wie ein Film, sondern wie ein Computerspiel. Künstliche Charaktere mit Stimmen von Menschen. Alles präzise gesteuert, sogar das Wippen der Brüste im Kampfdress völlig CGI-verseucht. Alles designt, noch viel künstlicher als in den beiden GANTZ - Teilen zuvor. Die Kämpfe haben freilich auch nichts mit…

I Am a Hero (Shinsuke Sato, Japan 2016)

Hideo Suzuki ist der Protagonist dieses Films und sein Vorname lässt sich in Kanji geschrieben wohl auch als Held lesen. Eine Tatsache, die der schüchterne Hideo verlegen weit von sich weist. Das sei er nämlich ganz sicher nicht. Vielmehr ist er, wie seine langjährige Freundin stets betont, vor allem ein richtiggehender Loser, der immer noch einem jahrzehntealten, realitätsfernen Jugendtraum nachhängt, ein echter Mangaka, ein Mangazeichner, zu werden. Nicht nur ein namenloser Assistent, der er nämlich ist. Der Filmtitel darf also getrost ironisch gelesen werden - und deutet doch darauf hin, dass mit seinem Protagonisten etwas passieren wird: ein Reifeprozeß, als es eben nicht mehr anders geht, als er dazu gezwungen wird, "seinen Mann zu stehen". Das muss er für seine Ersatzfamilie, eine Krankenschwester und das Schulmädchen Harumi, das sich zur Hälfte in einen Zombie verwandelt hat. Aber eben nur halb, und da sie sich kaum mehr richtig bewegen kann - dabei aber schubweise …