Direkt zum Hauptbereich

Sanshiro Sugata 2 / Judo Saga 2 / Zoku Sugata Sanshiro (Akira Kurosawa, Japan 1945)

Als Sanshiro einem Rikschafahrer zu Hilfe kommt, der sich mit einem amerikanischen Seemann angelegt hat, pariert er dessen Boxtechnik mit Leichtigkeit und befördert ihn -wie in Teil 2 bereits sein Lehrer- mit einem Schulterwurf ins Hafenbecken.


Die amerikanischen Besatzer fühlen sich herausgefordert und entsenden ihren stärksten Boxer um gegen den größten Judoka Japans (Sanshiro Sugata) anzutreten. Als dieser einem Kampf im amerikanischen Konsulat als Zuschauer beiwohnt, ist er entsetzt ob der brutalen Gewalt, die dieser Technik inhärent ist. Ebenso ist er abgestoßen von der Schreienden und johlenden Menge, die dem Kampfe beiwohnt. Mit der Finesse und dem respektvollen Umgang eines Judokampfes hat das alles nichts zu tun.


So zumindest will es der japanische wartime Patriotismus, der alles Japanische zur Hochkultur verklärt, und alles Westliche, Amerikanische verdammt. Entsprechend wird der japanische Judoka von dem amerikanischen Boxer niedergemetzelt, wie es brutaler nicht sein könnte. Spott und Hohngelächter erntet der Unterlegene, und Sanshiro verläßt empört und traurig zugleich den Ort des Schreckens. So geht das ja nicht, das muss gerade gerückt werden; auch wenn Sanshiro damit gegen die heiligen Gesetze eines erleuchteten martial-arts-spirits verstößt. Das sind Momente, in denen der Film allzu penetrant auf der politisch stromlinienförmigen und auch langweiligen Linie mitschwimmt, mitschwimmen mußte.


Nicht weniger verwirrend (dafür nicht ärgerlich) ist der satirische, oft sogar slapstickartige Ton, der das Geschehen färbt. So kann der erste Kampf mit dem Seemann nur eine Parodie auf einen Kampf genannt werden, die schon stummfilmhafte, überzeichnete Züge trägt. Zugleich jedoch wird die Aggression deutlich, die da freigesetzt wird: der Rikschafahrer weiß sich nicht zu wehren und wir zum Spielball der Gewalt (eine weitere satirisch-humoristische Szene ist das Aufeinandertreffen mit den irren Karateka (Genzaburo!) im Dojo Sugatas sowie einige Einstellungen beim anschließenden Kampf gegen den amerikanisch Killer).


Leider muss man auch konstatieren, dass dieser zweite, der Legende nach Kurosawa aufgezwungene Teil, nicht die Klasse des früheren Werkes erreicht. Der platte Patriotismus ist teilweise unerträglich (als Zeitdokument aber interessant), die Bildgestaltung erreicht nur in wenigen Momenten die Klasse des Vorgängers, und auch die formale Komposition kann nicht mehr mithalten. Ein Film ohne Herzblut, könnte man meinen. So richtig enttäuschend finde ich ihn aber nicht. Der schlechte Ruf, der ihm vorauseilt, sollte vielleicht in Relation gesetzt werden. Dieser ist vielleicht ein schlechter Kurosawa, weil es ein vorhersehbarer Unterhaltungsfilm ist. Jede Figur zum Beispiel ist eindeutig vordefiniert. Es gibt aber weitaus doofere Filme. Tonnenweise doofere sogar.

Das Schicksal dieses Films wird aber sicherlich dasjenige bleiben, dass man sich beim Volumen an hochqualitativen Fimen in Kurosawas Werk im Zweifelsfall lieber die abgesicherten Meisterwerke ansieht, und die kleineren Filme oder die mit gar schlechterer Reputation links liegen läßt. Das ist schade. So kann sich natürlich auch keine alternative Meinung abseits des Kanons bilden. Vielleicht sollte man öfters mal die abgesicherte Route verlassen und sich die kleinen Nebenwege erschließen. Man kann dabei interessante Entdeckungen machen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

I Am a Hero (Shinsuke Sato, Japan 2016)

Hideo Suzuki ist der Protagonist dieses Films und sein Vorname lässt sich in Kanji geschrieben wohl auch als Held lesen. Eine Tatsache, die der schüchterne Hideo verlegen weit von sich weist. Das sei er nämlich ganz sicher nicht. Vielmehr ist er, wie seine langjährige Freundin stets betont, vor allem ein richtiggehender Loser, der immer noch einem jahrzehntealten, realitätsfernen Jugendtraum nachhängt, ein echter Mangaka, ein Mangazeichner, zu werden. Nicht nur ein namenloser Assistent, der er nämlich ist. Der Filmtitel darf also getrost ironisch gelesen werden - und deutet doch darauf hin, dass mit seinem Protagonisten etwas passieren wird: ein Reifeprozeß, als es eben nicht mehr anders geht, als er dazu gezwungen wird, "seinen Mann zu stehen". Das muss er für seine Ersatzfamilie, eine Krankenschwester und das Schulmädchen Harumi, das sich zur Hälfte in einen Zombie verwandelt hat. Aber eben nur halb, und da sie sich kaum mehr richtig bewegen kann - dabei aber schubweise …

Nippon Connection 2017: Kohei Taniguchis Independent-Wrestling-Komödie DYNAMITE WOLF (Japan, 2017)

Der kleine Hiroto, oben links außen auf dem Bild, steckt in der Krise: er ist zwar erst in der Grundschule, doch kann er sich partout nicht dafür entscheiden, welchen Freizeit-Kurs er an der Schule belegen soll. Es versucht es mit Fußball, das endet aber dramatisch als Desaster. Da gerät er zufällig in ein Wrestling-Match mit dem berühmten Dynamite Wolf und ist wie elektrisiert: das Spektakel, die Inszenierung, das Toben der Leute vor Begeisterung - ja, da schlägt sein Herz höher und zum ersten Mal lächelt er dann im Film. Seinen Eltern und den Mitschülern erzählt er erstmal nichts von seiner neuen Leidenschaft, ist doch seine einzige Möglichkeit zu trainieren die Bekanntschaft mit einem merkwürdig abgerissenen Gesellen am Flußufer (oben rennend), der mit einer umgebauten Dummy-Sexpuppe als Sparringspartner trainiert. Ob das der richtige Umgang für einen Jungen ist, das darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
 Aber natürlich, so will es das Gesetz des Films: es hätte ihm nichts Be…

Nippon Connection 2017 ~ Love lost and found in Hakodate: Over the Fence von Nobuhiro Yamashita (2016)

Eine Frau (Yu Aoi) rennt über die Straße, sie streitet sich mit ihrem Begleiter – er soll sich gefälligst mehr um die Kinder kümmern. Plötzlich führt sie einen abgehackten Stakkato-Tanz auf, der, wie man später erfährt, das Balzritual eines (Vogel) Straußes ist. Aus einiger Entfernung betrachtet Joe Odagiri diese absurde Szene und fragt sich  – wie der Zuschauer – ob diese Frau noch alle Tassen im Schrank hat. Er selbst hat Tokio vor ein paar Monaten den Rücken gekehrt, nachdem ihn seine Frau mitsamt der Tochter nach einem tragischen Vorfall bereits vor Jahren verlassen hatte. Nun ist er traumatisiert und arbeitslos und muss an einem Lehrgang zur Schreinerlehre teilnehmen, um weiter Arbeitslosengeld zu beziehen. Mit ihm eine ganze Reihe von Berufsjugendlichen, und diese gründen eine Softball-Mannschaft, da auch die sportliche Fitness vom Staate vorgeschrieben ist. Allerdings stehen sie lieber rauchend in der Ecke und unterhalten sich über alles mögliche, vor allem aber das Leben un…