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True Women for Sale / Sing kung chok tse yee: Ngor but mai sun, ngor mai chi gung (Herman Yau, Hongkong 2008)


Übersetzt man den Originaltitel komplett, so lautet er Ich verkaufe nicht meinen Körper, sondern meinen Unterleib. Und damit ist man mittendrin im Drama der Prostituierten von Sham Shui Po, die sich weigern, dem Freier mehr darzubieten, als den Unterleib.
Im Zentrum des Filmes stehen vier Charaktere: die Prostituierte Chung, die sich dank ihres Kokainkonsums die geschrotteten Zähne richten lassen möchte; ein Fotoreporter, der sich ihr an die Fersen heftet, da er dringend eine Story braucht; die Festlandchinesin Lin-Fa, die hochschwanger ihren Gatten bei einem Unfall verliert und nun um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangt; sowie der Versicherungsmakler Lau (Anthony Wong), der diesen heruntergekommenen Bezirk durchstreift, um den Ärmsten eine Versicherung aufzuschwatzen. Doch entdeckt er in den Schicksalen der Menschen stets und dummerweis sein Herz, sodaß er selbst ausstehende Zahlungen zu tätigen pflegt.
Anthony Wong konnte nicht nur in TURNING POINT überzeugen, sondern tut es auch hier (wieder). Seine Darstellung des tolpatschigen Geschäftsmanns mit Herz ist äußerst gelungen, er ist das emotionale Zentrum des Films. Überhaupt überzeugt der Film mit einem durchweg leichten Ton, der zwar vor den Unbilden des Lebens nicht zurückschreckt, doch auch auf recht "humanistische" Weise seine Figuren begleitet, und diese gerade nicht als skandalöses Ereignis mißbraucht. Es ist ein Alltag von vielen, mit dem Schicksal von vielen. Schaut man genauer hin, individualisiert man die Tragödien und Komödien, entsteht ein Portrait, das manchmal weh tut, manchmal zum Lachen bringt.

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Shinjuku Mad (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Der Film beginnt wie ein jazziges Requiem: zu sowohl swingender wie melancholischer Musik läuft die Kamera (wie der Protagonist) durch die Straßen Shinjukus und überall liegen Leichen oder schwerverletzte Jugendliche herum. Ein Gefühl von Vergeblichkeit und Hoffnungslosigkeitg, von Entsetzen macht sich breit. In einem amerikanischen Film wäre das nun die Ausgangslage, und in einem Rückblick würde man sehen, wie es zu diesem Desaster gekommen ist. Nicht so bei Wakamatsu, der von seinen Zuschauern zu wissen erwarten kann, dass man es hier mit den Aufständen der Studenten zu tun hat, die Mitte und Ende der 60er gegen den Staat und das Militär die Stimme und auch ihre Fäuste erhoben, eine Gemeinschaft der Revolte, mit Splittergruppen der Japanischen Roten Armee, oder sonst einer radikalisierten linken Zelle. Vielleicht waren es aber auch nur Künstler oder Hippies, die hier ihr Leben lassen mussten. Vor diesem politischen Hintergrund spielt sich das persönliche Drama eines Vaters ab,...

Mad World - Hong Kong's entry for the foreign language Oscar (Wong Chun, 2016)

Wong Chun's debut feature film is not really part of the Hong Kong International Film Festival , but one I did see during my stay here at Mongkok's Broadway Circuit outlet as a regular screening on a sunday morning. It's a quiet and atmospheric film that is quite beautifully shot and extremely well acted by Eric Tsang (kudos!) and Shawn Yue, his son suffering from bipolar disease. It's a film about fatherhood and responsibilities, about getting old in financially difficult times. They both live in a shared flat with three other parties. No one seems to be able to pay rent anymore in Hong Kong. It's really depressing. Mad World is definitely worth watching, as it has been screened in Busan and in Toronto. It got mixed reviews overall, but I really don't understand why. There are no loose ends, the plot is fragmented with flashbacks to family history, but that always makes sense and adds to the depth of the characters. I really liked it and...

HKIFF 2017: VANITAS (Takuya Uchiyama, Japan 2016)

 Ein kleiner Independent-Film, der für den Fipresci-Preis nominiert war, ein Debüt-Film eines noch jungen, erst 24-jährigen Regisseurs. Ein dennoch souverän gemachtes, relativ stilles Alltagsdrama über vier neue Schüler an einem College in einer Provinzstadt. Man freundet sich an, erlebt gemeinsam ein paar Sachen, Krisen und den üblichen Alltagskram - nur um am Ende herauszufinden, dass man sich doch gar nicht so gut kannte, wie man zunächst vermutet hatte. Der Film endet dann auch in der Tragödie.  Und so geht es in diesem Film mit seinen vier sympathischen Schauspielern letztendlich darum, wie einsam und zurückgezogen - trotz aller Freundschaft - jeder ist, wie diese individualisierte Gesellschaft heute funktioniert. Die japanische Gemeinschaft funktioniert deshalb so gut, da jeder seine eigene Individualität wegsperrt, niemals herauslässt. Denn wirklich kennen tut sich hier keiner, die vier Freunde sind sich fremde Freunde . Besonders markant ist das bei einem der J...