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True Women for Sale / Sing kung chok tse yee: Ngor but mai sun, ngor mai chi gung (Herman Yau, Hongkong 2008)


Übersetzt man den Originaltitel komplett, so lautet er Ich verkaufe nicht meinen Körper, sondern meinen Unterleib. Und damit ist man mittendrin im Drama der Prostituierten von Sham Shui Po, die sich weigern, dem Freier mehr darzubieten, als den Unterleib.
Im Zentrum des Filmes stehen vier Charaktere: die Prostituierte Chung, die sich dank ihres Kokainkonsums die geschrotteten Zähne richten lassen möchte; ein Fotoreporter, der sich ihr an die Fersen heftet, da er dringend eine Story braucht; die Festlandchinesin Lin-Fa, die hochschwanger ihren Gatten bei einem Unfall verliert und nun um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangt; sowie der Versicherungsmakler Lau (Anthony Wong), der diesen heruntergekommenen Bezirk durchstreift, um den Ärmsten eine Versicherung aufzuschwatzen. Doch entdeckt er in den Schicksalen der Menschen stets und dummerweis sein Herz, sodaß er selbst ausstehende Zahlungen zu tätigen pflegt.
Anthony Wong konnte nicht nur in TURNING POINT überzeugen, sondern tut es auch hier (wieder). Seine Darstellung des tolpatschigen Geschäftsmanns mit Herz ist äußerst gelungen, er ist das emotionale Zentrum des Films. Überhaupt überzeugt der Film mit einem durchweg leichten Ton, der zwar vor den Unbilden des Lebens nicht zurückschreckt, doch auch auf recht "humanistische" Weise seine Figuren begleitet, und diese gerade nicht als skandalöses Ereignis mißbraucht. Es ist ein Alltag von vielen, mit dem Schicksal von vielen. Schaut man genauer hin, individualisiert man die Tragödien und Komödien, entsteht ein Portrait, das manchmal weh tut, manchmal zum Lachen bringt.

Kommentare

  1. So nervig der Film manchmal ist (Endlos-Einstellungen mit quengelndem Kind etc.), beweist Yau hier wieder, dass er neben Ann Hui die letzte Bastion des sozialen Realismus im HK-Kino ist. Gerade weil er ohne den typisch nostalgischen Blick auf die kleinen Leute auskommt. Fast schon Andreas Dresen-like. ;)

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  2. Ich fand den Film auch nicht übermäßig gelungen, aber doch sehenswert.
    @sozialer Realismus: hmmmm.... also da kenne ich ehrlich gesagt nicht genug Regisseure um da fundiert zu kontern. Spontan fällt mir aber z.B. Fruit Chan ein, der in einigen seiner Filme sehr sozialkritisch ist.

    Dresen finde ich noch figurenzentrierter, psychologischer. Der stellt sein Ensemble stärker in den Mittelpunkt als Yau. Zeigt sich schon daran, daß man bei TRUE WOMEN die erste halbe Stunde gar nicht so recht weiß, wer eigentlich die Haupt-, und wer die Nebenfiguren sind.

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  3. Was mir an Yau und auch Ann Hui gefällt, ist ihre Zurückhaltung. So sehr ich z.B. "Made in Hong Kong" mag (einer meiner Lieblinge), blickt bei einem Film von Fruit Chan der Regisseur einem immer über die Schulter. Wohingegen Hui und Yau extrem uneitel daherkommen.
    Auf der Figurenebene, da stimm ich dir zu, fehlt Yau durchaus Dresens Tiefgang. Aber für HK-Verhältnisse ist das schon ziemlich viel. ;)

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