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Thilagar (B. Perumal Pillai, Indien 2015)


Die beiden Familien von Bose Pandian und Ugren Pandian sind schon lange verfeindet. Die Liebe zwischen zweier ihrer Kinder kann den Graben tragischerweise auch nicht überbrücken, ganz im Gegenteil: nach dem Mord an Bose eskaliert die Situation vollkommen und über Jahre hinweg wird nur noch mit Macheten kommuniziert. Das Haus kann keiner mehr verlassen ohne über die Schulter zu blicken. Vor allem als der nur noch vom Hass sich nährende Ugren seine drei Söhne verliert, ist mit Frieden überhaupt nicht mehr zu rechnen. Die Polizei, Recht und Gesetz kommen in diesem Film, in dem alle Macht bei den Clan-Ältesten liegt, quasi überhaupt nicht vor. Die dürfen am Ende nur die Leichen wegräumen. Da das ein bejammernswerter Zustand ist, wird dem Zuschauer im Abspann auch noch eins mit der Moralkeule übergezogen. Ein Voice-Over-Kommentar spricht sich ganz deutlich gegen den Hass und für die Nächstenliebe aus, nur so könne Frieden entstehen, eben durch die Vergebung von Schuld. Rache mache alles immer nur noch schlimmer. Nun ja, das hatte man eigentlich durchaus hinreichend verstanden.

Dieser aktuelle tamilische Film ist nun leider der am wenigsten überzeugende, den ich bisher gesehen habe. Abgesehen von einigen zähen Passagen, die nur mit Durchhaltevermögen zu überstehen sind, besteht der Film vor allem aus Übertreibungen. Larger than life wird hier ganz groß geschrieben, aber das Kondensat mag nicht so richtig schmecken. Der wie so häufig im tamilischen Film völlig übertriebene Inszenierungsstil kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass unterm Rockschoß eigentlich nicht allzuviel los ist. Zumindest in den Action-Szenen. Da können die langhaarigen Primitivlinge noch so oft vom Trampolin aus den Gebüschen heraus springen und laut grunzend die Macheten schwingen. Da fehlt es an Finesse, Budget, und darstellerischem Können. Und an gutem Geschmack freilich auch. Die Figuren, zumeist funktionale Schablonen, bleiben fremd und in der Distanz, sie besitzen so gut wie keine Biographien. Eine Nähe zu ihnen aufzubauen ist quasi nicht möglich.


Ganz missraten ist der Film aber nicht. Das bisweilen hohe Tempo lässt den Zuschauer dann doch immer weiter dran bleiben bis zum Schluss, indes, die ruhigen Szenen sind oftmals stärker und einprägsamer als die lauten und gewalttätigen. Mit der Sequenz beim Kali-Festival in Filmmitte etwa, das völlig atmosphärisch und unheimlich geraten ist und das dann zum Mord an Bose führt, ist dem Regisseur tatsächlich ein großartiger cineastischer Moment gelungen - der eigentliche Höhepunkt des Films. Wie in Trance bewegen sich hier die Menschenmassen in ekstatischem Tanz und Gesang, verkleidet mit langen Perücken, heraushängenden Zungen und grusligen schwarzen und roten Masken, mehreren Armen und Halsketten aus Totenköpfen (Kali ist im Hinduismus die Göttin der Zerstörung und des Todes (aber auch der Erneuerung)), eine wogende Menge, die Bose seinen Mördern in die Arme treibt, die im Getümmel leichtes Spiel mit ihm haben. Thilagar übrigens ist der Name des jungen Mannes, der sich am Anfang in die Tochter der anderen Familie verliebt hatte und der nun Bose rächen wird. Man sieht ihn oben auf dem Plakat - eindrucksvoller, auch als Schauspieler, ist aber eigentlich Bose selbst, der wie eine tamilische Variante von Rohit Shettys Singham wirkt, also ein bisschen wie der magnetische Ajay Devgn. Der Bezug verwundert nun wiederum nicht, da SINGHAM das Remake eines tamilischen Originals ist. Thilagar ist ein Film, den man sich mit etwas gutem Willen anschauen kann. Zwingend empfehlen möchte ich ihn aber nicht. Abgesehen von der oben genannten Szene.

Michael Schleeh

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