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Brutal River / Khoht phetchakhaat (Anat Youngngoun, Thailand 2005)

Der Fluß ist das Leben, die Fruchtblase, die ewige Wiedergeburt. Positive Konnotationen en masse und doch zugleich die Urgewalt, die alles, nämlich das Leben, zu nehmen vermag. Zumindest wenn darinnen ein Alligator haust. Da wird ganz schnell aus jeder allegorisch-psychologisch verklärten Mythologie der nackte Überlebenskampf.


So auch in diesem südostasiatischen Krokohorror. Zumindest dann irgendwann nach der Hälfte, wenn man schon fast keine Lust mehr auf den Film hat; denn vorher werden wir erstmal auf die Folterbank gespannt mit einem thematisch deplazierten und völlig befremdlichen Liebesmelodram zwischen einer Krankenschwester und einem Polizisten, das auch genausogut in, sagen wir mal, Bangkok Zentrum spielen könnte. Man wird den Eindruck nicht los, der Film weiß nicht was er will, mußte gedehnt und gestreckt werden um Spielfilmlänge zu erreichen. Das soll übrigens nicht heißen, daß er dann besser würde, wenn er sich endlich gefunden hat.
Geht es schließlich rund, wird die Dorfgemeinschaft, die am und mit dem Flusse lebt, nach und nach auf heimtückische Weise dezimiert. Erst der bedingungslose Einsatz des soldatischen Helden kann dem mörderischen Treiben ein Ende setzen, nachdem zuvor verschiedene religiöse und schamanistische Beschwörungsversuche blutig scheiterten.


BRUTAL RIVER ist ein Film, der völlig unmotiviert eine Szene an die andre pappt. Von Übergängen hat man - scheint's - noch nie etwas gehört, oder von erzählerischer Geschlossenheit – und wir befinden uns hier im Mainstreamkino, nicht im dekonstruiert avantgardistischen Experiment. Besonders nervig ist, daß so gut wie jedes Szenenende durch eine Schwarzblende abgeblendet wird, was den episodischen Charakter des Filmes noch verstärkt. Eine Eigenschaft dieses völlig verkorksten Filmes ist sowieso diejenige, daß aus einer Handlung, einem Ereignis, nie eine Folgehandlung entsteht, nie etwas nachkommt. Wenn jemand gefressen wird, könnte man doch Rettungsmaßnahmen einleiten oder wenigstens später darüber diskutieren. Nichts davon: hier steht alles isoliert nebeneinander, konsequenzlos. Der Bürgermeister guckt dumm aus der Wäsche. Wir könnten doch 'ne Runde schwimmen gehen!
Wenn man sich mal den Monolog der Krankenschwester vor dem Rat der versammelten Dorfvertreter anschaut, dann ist das nicht deswegen kurios, da sie eigentlich nichts zu sagen hat, sondern auch deswegen, weil ihr nichts erwidert wird, keine Reaktion kommt. Kurz ernst kucken, dann Abblende. So geht das die ganze Zeit. Und obwohl der Film über ein sehr begrenztes Figurenensemble verfügt, hat man es hinbekommen, nicht einmal die Hauptfiguren mit ein klein wenig Tiefe auszugestalten: Charakterentwicklung gleich null. Hier gibt es ausschließlich rein funktionale Gesichter zu sehen. Immerhin sind die CGI-Schnappfisch-Aktionen aber ganz unterhaltsam. Vor allem als einmal der Kaiman urplötzlich eine ganze Brücke zerlegt, um an die hübsche Krankenschwester zu kommen, die gerade auf dieser flanierte.


Nun denn, wenn jemand mal ein Beispiel dafür sucht, wie man einen Film auf keinen Fall machen sollte (dieser schafft es sogar, die Actionszenen völlig ohne Spannung zu gestalten), dann greife man zu BRUTAL RIVER. Denn lernen kann man viel von diesem thailändischen Meisterwerk.

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