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Rescue Dawn (Werner Herzog, USA 2006)

Little Dieter wants to fly... sooo badly, dass er sogar dazu bereit ist, ein paar Napalmbomben für seinen Traum abzuwerfen: irgendwo fern der Heimat, in einen Dschungel hinein, auf einen "anonymen" Versorgungsweg irgendwelcher Vietcong.
Jedoch, die Mission geht schief, er wird beim ersten Einsatz abgeschossen und crasht fulminant in eine Reisfeldidylle hinein. Sattes Grün, Wälder, Schluchten: AGUIRRE-Flash. Die Vietnamesen - oder besser Laoten (wir sind in Laos) - sind darob nicht amüsiert, und als er sich weigert ein Papier zu unterzeichnen, dass dieses Land, das ihm diesen Traumflug ermöglicht hat, diskeditieren würde, kommt er irgendwo in einen Dschungel hinein, in ein kleines Camp voll halbirr gewordener Kriegsgefangener und durchdrehender Wärter mit Spitznamen wie "Little Hitler". Der Rest des Filmes ist Flucht.

Man muss schon sagen, dass Christian Bale den Dieter Dengler in seiner emotional ehrlichen Naivität äußerst überzeugend gibt, doch wenn er noch ein einziges Mal in seiner Karriere den halben Film lang DEN MUND OFFEN STEHEN LÄSST, dann drehe ich komplett durch. Das kann doch nicht wahr sein! Kann man denn seine Gesichtsmuskeln nicht irgendwie anders anspannen? Und das als Schauspieler! Steve Zahn dagegen als Duane: Hut ab, sehr tolle Leistung. Ebenso Musik und Herzogsche kontemplative Arthouseness: die Inszenierung des Schönen in Bedrohung ist ihm wieder hervorragend gelungen, kulminiert exemplarisch in dem einen Bild, als Duane auf den Boden blickt und detailverliebt die 1 fleischfressende Pflanze aus dem Urwald heraus in den Filmstrom hebt, den Finger leicht auflegt und sich die Blätter langsam schließen. Das ist ganz wunderbar, magisch, wunderschön herzzerreißend und vor allem: wichtig. Gerade solche Szenen machen den Film aus. Der Schluß wäre mir dann nicht nötig gewesen, paßt aber tolerablerweise zur Handlung.
Pflichtfilm.

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Dutta Vs. Dutta (Anjan Dutt, Indien 2012)

Wie schreibt man einen Text über diesen Film, wenn man noch nie in seinem Leben in Kalkutta war? Und der Film, wie man allerorten liest, besonders dafür gelobt wird, wie er das Kalkutta der 70er Jahre besonders liebevoll und detailgetreu wiederaufleben lässt? Ich bin 1971 geboren - wie sollte ich einen Bezug zu dieser fernen Zeit, zu diesem fernen Land und zu dieser unbekannten Stadt haben oder bekommen?
Und es geht doch. Denn der Film geht ganz ähnlich vor wie Amitav Ghosh in seinem großen Roman The Shadow Lines, über die Erinnerung der Erzählerfigur an seine Jugend. Der Film als Rückblick, in dem die Hauptfigur, der zugleich auch der Voice-over-Erzähler ist, auf seine eigene Kindheit und Jugend wie auf eine vergangene Zeit, zurückschaut. Und auf eine Jugend können wir alle zurückschauen. Das Schöne: auch ohne melancholischen Revisionismus.
DUTTA VS DUTTA beginnt dabei wie ein Film Robert Altmans (um, hoffentlich verzeihlicherweise und als Referenz gemeint, mit einer westlichen Pers…

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 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf…

Das Lächeln im Angesicht der Tragödie: Yasujirô Shimazus Tonari no Yae-Chan / Our Neighbour, Miss Yae (Japan 1934)

 Als ich vor kurzem einmal wieder Our Neighbour, Miss Yae gesehen hatte, da war das einer von diesen seltenen Momenten, wo man nicht genau weiß, was da eigentlich gerade passiert ist; aber als die Abblende kam, nach dem letzten Bild mit der Kamera in den wolkenverhangenen Himmel hinauf – obwohl sich doch, wenn nicht alles, so doch so manches zum Guten aufgelöst hatte – war ich den Tränen nahe und zutiefst gerührt. Dabei war da gar nichts wirklich Rührseliges passiert, oder gar aufwühlend Melodramatisches. Der Film endet so, wie er anfängt, zumindest auf der Tonspur. Eine liebliche, langgezogen sehnsuchtsvolle Geigenminiatur, die von etwas Herzschmerz aus dem Leben kleiner Leute der unteren Mittelschicht aus irgendeiner japanischen Vorstadt in der Nähe von Tokio verkündet. Einmal sagt die Mutter, heute sei das Wetter so klar, man könne den Fuji sehen, aber das muss man glauben. Im Film taucht er nicht auf. Das ist kein Film für nationale Monumente. Hier wirken Dinge und K…