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Harikomi / The Chase aka The Stakeout (Yoshitaro Nomura, Japan 1958)


Die beiden tokyoter Polizisten Yuji Shimooka (Seiji Miyaguchi) und Takao Yuki (Minoru Ohki) sind dem Killer Kyuichi Ishii (Takahiro Tamura) auf der Spur. Doch genau diese ist erkaltet, und als letzter Versuch einigt man sich darauf, Ishiis ehemalige Geliebte Sadako (Hideko Takamine) zu observieren - in der Hoffnung, er könne mit ihr Kontakt aufnehmen. Also reisen die beiden Polizisten mit dem Schnellzug nach Kyushu und logieren sich ihr gegenüber in einem kleinen Ryokan ein. Doch zu ihrer Bestürzung müssen sie feststellen, dass Sadako nicht nur eine vorbildliche Ehefrau ist, sondern zudem enorm unter den Drangsalierungen ihres Gatten zu Leiden hat. Die Fassade der Bürgerlichkeit verdeckt also nur ein tiefes emotionales Unglück. Kurz bevor sie bereit sind, die Beschattung aufzugeben, ereignet sich aber etwas Merkwürdiges...

Darüber, ob HARIKOMI ein Film Noir ist oder nicht, gibt es unterschiedliche Ansichten; offensichtlich ist aber die enorm präzise Kameraarbeit, die sich sehr dem Chiaroscuro verschrieben hat, und immer wieder mit kunstvoll gestalteten Schattenmalereien zu überzeugen weiß. Und natürlich gibt es die Mördergeschichte, die über allem schwebt und erst nach und nach durch ihre kunstvoll gewebte Struktur den Plot offenlegt. Der Zuschauer steht zunächst ohne Informationen da und durchforscht den Film nach Indizien, wie die Ermittler innerhalb des Filmes dasselbe tun. Die Paralleleln zu Hitchcocks REAR WINDOW sind überdeutlich. Außerdem gibt es einen gesichtslosen, weil abwesenden Killer, um den sich eine Atmosphäre der Bedrohung aufbaut. Als er dann endlich ins Bild tritt, ist er keineswegs der brutale Unhold, den man erwarten würde. Da zeigt sich ein verängstigter, gebückter Mensch, zudem tuberkulosekrank, da wird die Bedrohung ad absurdum geführt.

HARIKOMI ist ein langsamer Film. Er nimmt sich Zeit für seine Charakterdarstellungen und präzisen Beobachtungen. Lange Diskussionen, wenig Schnitte, ausfürliche Plansequenzen sprechen für einen Film, der sich nicht hetzen läßt. Dann aber die Verfolgungsszenen: besonders markant fallen die Gegensätze zwischen statischer Ruhe (auf Beobachungsposten) und Bewegung (Verfolgungen der Verdächtigen) auf, die in ihrer Ausführlichkeit der Darstellung beinah etwas pedantisch wirken. Wie auch in DER POLIZIST UND SEINE SCHWESTER (1975) begleitet der Film sein Personal quer durch die ganze Stadt, über Land, entlang auf dem Feldweg. Und diese Verfolgungen sind selten gehetzt, auch diese sind eher Spaziergänge und Stadtbesichtigungen. Man bekommt also sehr viele Lokalkolorit geboten.Die Zugfahrt der Polizisten am Beginn zum Beispiel dauert beinah 10 Minuten; der Zuschauer kann also sehr mit der die Charaktere quälenden Endlosigkeit der mühseligen Distanzüberbrückung mitfühlen. Wie alle Szenen eigentlich ein bißchen zu lange ausgereizt anmuten. Heute wäre der Film jedenfalls mit einem ganz anderen Tempo montiert worden (nicht dass das zwangsläufig besser wäre).

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das soziale Engagement, das sich im Film ausdrückt. Vor allem die Rolle der Frau unter der Knute des Patriarchats wird hier der Kritik unterzogen. Dies geht soweit, dass sich die Polizisten sogar in der Ausübung ihrer Dienstpflicht Dinge herausnehmen, die sie sonst niemals tun würden. Es ist das Unglück Sadakos, das einem nahe geht. Und es ist eine Spiegelung, mit der der Film schließt. Wie die Polizisten den Geliebten ab- und ins Gefängnis führen, so überantworten sie mit dieser Handlung Sadako dem Gefängnis einer unglücklichen Ehe.

Michael Schleeh

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