Direkt zum Hauptbereich

Ein Lied um Mitternacht - chinesische Filmgeschichte von 1929 bis 1964


Noch bis 31. März findet im Berliner Kino Arsenal eine Filmreihe zur frühen chinesischen Filmgeschichte statt [Programm], die von und mit den Leuten von The Canine Condition kuratiert worden ist. Besonders schön finde ich, dass es häufig auch Einführungen zu den Filmen geben wird, um diese historisch besser verorten zu können. Hier werden definitiv Schätze zu sehen sein, die so vorher noch nie zu sehen waren und bald wohl auch nicht mehr zu sehen sein werden. Also Hingehen wenn möglich, ist oberste Cineastenpflicht. Glücklicherweise habe ich den einen oder anderen Film als DVD und werde vielleicht aus der Ferne eine begleitende Sichtung zuhause durchführen. Das Kinoerlebnis ist aber mit Sicherheit so nicht zu ersetzen. Hier noch ein Textauszug von der Homepage:

Die Filmreihe "Ein Lied um Mitternacht – Chinesische Filmgeschichte von 1929 bis 1964" erschließt einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland erstmals einen größeren Zusammenhang chinesischer Filmgeschichte. Der chinesische Film findet seit den 1980er Jahren weltweite Aufmerksamkeit, Regisseure wie Zhang Yimou, Jia Zhang-ke oder Wang Bing sorgen für Aufsehen auf internationalen Filmfestivals. "Ein Lied um Mitternacht" zeigt, was vorher kam, und macht das chinesische Kino bis zur Kulturrevolution als eine Nationalkinematographie sichtbar, die eine beeindruckende Heterogenität und Formenvielfalt aufweist.
In den 1930er Jahren entstand in Shanghai ein breit aufgefächertes Star- und Genresystem, in dem sowohl Melodramen und Komödien, als auch Krimis ihren Platz haben – und sogar ein Horrorfilm: "Song at Midnight" von Ma-Xu Weibang, der titelgebende Eröffnungsfilm der Reihe, ist eine chinesische Variation auf "Phantom of the Opera". Gleich eine Reihe von Filmen mit der legendären Ruan Lingyu widmeten sich dem Topos der "Neuen Frau", so der gleichnamige Stummfilm New Woman von Cai Chusheng. Auch das neue Kino, das nach dem Sieg der Volksbefreiungsarmee 1949 entsteht, lässt sich nicht auf die Klischees eines eindimensionalen Propagandafilmschaffens reduzieren. Ein Schwerpunkt bildet hier das Werk des Autorenfilmers Xie Jin, der – zahlreichen Auseinandersetzungen mit der Zensur zum Trotz – ein eindrückliches Werk hinterlassen hat. Anstatt das Vorbild proletarischer Idealtypen zu beschwören, spüren Filme wie "Two Stage Sisters" und "Big Li, Little Li and Old Li" den gesellschaftlichen Umwälzungen ihrer Zeit im Persönlichen und Alltäglichen nach. Und Xies Film "Woman Basketball Player No. 5" kann als eine Fortschreibung der feministischen Tradition im chinesischen Filmschaffen verstanden werden. Die Filmreihe "Ein Lied um Mitternacht – Chinesische Filmgeschichte von 1929 bis 1964" präsentiert 23 Filme, größtenteils als 35mm-Kopien aus dem chinesischen Staatsfilmarchiv. Viele Vorführungen werden begleitet von Einführungen von Filmkritikern und Filmhistorikern.

***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Two famous female writers from Japan: Yû Miri's 'Tokyo Ueno Station' & Hiromi Kawakami's 'People from my Neighbourhood'

TOKYO UENO STATION is not a straight narrative, but rather a quite experimental novel. As "the plot" unravels in flashbacks - by an obscure, already seemingly dead medium floating around Ueno park, the story of a life of hardship  is slowly being revealed. Of heavy labor, broken families, financial troubles and finally: homelessness. This is not the exotistic Japan you will find on a successful youtuber's channel. The events get illustrated by those of "greater dimensions", like the historical events around Ueno park hill during the Tokugawa period, the Great Kanto earthquake, the fire bombings at the end of WW II or the life of the Emperor. Quite often, Yû Miri uses methods of association, of glueing scraps and bits of pieces together in order to abstractly poetize the narrative flow . There are passages where ideas or narrative structures dominate the text, which only slowly floats back to its central plot. TOKYO UENO STATION is rather complex and surely is n...

Solang ich lebe / Jab Tak Hai Jaan (Yash Chopra, Indien 2012)

Der stille Eigenbrötler Samar (Shah Rukh Khan) arbeitet für das indische Militär als Bombenentschärfer, wo er sich einen legendären Ruf als "Mann, der nicht sterben kann" erworben hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen trägt er bei seinen Einsätzen nämlich keinen der dicken, unförmigen Schutzanzüge und Gesichtsmasken, sondern geht mit bloßen Händen und im Grünzeug an die Sache ran. Weshalb nun der schöne Unzugängliche so rücksictslos mit seinem Leben spielt, diese Geschichte erzählt JAB TAK HAI JAAN. Es ist freilich die Geschichte einer unerfüllten Liebe, die hinter seinem persönlichen Unglück steht. Die eines Schwurs im Geiste der Religion, die seine Geliebte von ihm fernhält. In einem Rückblick blättert der Film die Geschichte der beiden ungleichen Liebenden auf: in London soll die schöne Meera (Katrina Kaif), Erbin eines Supermarkt-Tycoons (Anupam Kher), an einen erfolgreichen Karrieremenschen verheiratet werden. Da sie der Augapfel des Vaters ist, wagt sie nicht zu ...