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Tekkonkinkreet (Michael Arias, Japan 2006)


In 'Treasure Town' leben die beiden Straßenkinder Kuro (Black) und Shiro (White), zwei 'Cats', die sich katzengleich fortbewegen, aber durchaus auch mal durch die Lüfte segeln können. Ihr Alltag allerdings ist wenig lustig: die elternlosen Kinder müssen ständig ihr Revier gegen eindringende Straßenbanden verteidigen. Als der Gangster 'Snake' sich mit den örtlichen Yakuza assoziiert, um aus 'Treasure Town' einen Freizeitpark zu machen, ist es schlecht um unsere Helden bestellt; denn zu allem Unglück heuert er nicht nur schießwütige Revolverexperten an, sondern auch alienartige Superpowermonster mit wahnsinnigen Kräften und einem ausgeprägten Hang zum Töten.

Ein wunderbarer Anime, der sich aus dem Prinzip des Ying und Yang aufbaut. Als die beiden Protagonisten getrennt werden, fehlt dem anderen die komplementäre Hälfte, die ihn zu bändigen weiß. So sind die beiden ohne den anderen jeweils unvollständig. Gespiegelt wird das an der Familiensituation eines Yakuza, aber auch bei den beiden Protagonisten wird das deutlich formuliert: Shiro habe die Schrauben, so sagt er, die Kuros Herzen fehlen, um richtig funktionieren zu können. Wenn man niemanden habe, um den man sich kümmern könne, dann sei das Leben sinnlos, usw. usf.

Dies sind nun wahrlich keine Neuigkeiten auf dem Esoterikmarkt, Arias gelingt allerdings eine ziemlich kitschfrei Einbettung der Elemente in ein soziales japanische Mythengefüge, das im Zusammenspiel mit der (schon immer) herausragenden Musik der Band PLAID, zu einem ergreifenden, schließlich erhabenen Zustand der Rezeption führt. Für solch eine Rührung muß man sich nicht schämen - ähnlich ergriffen war ich wohl nur zuvor bei Isao Takahatas Werken oder bei Darren Aronofskys THE FOUNTAIN. Auch die Entscheidung, die bildgestalterische Homogenität beim Abdriften in Phantasie-, Traum- und Schmerzwelten aufzugeben, bereichert den Film ungemein (der so die Brücke zu Shiros selbstgemalten Bildern schlägt) und macht aus all der Dynamik und dem Reichtum der Ideen ein wahres Kunstwerk. Ich bin begeistert.

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Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Nippon Connection 2016: Ken and Kazu (Hiroshi Shoji, Japan 2015)

Der Konflikt, der in KEN TO KAZU das Leben der Hauptfiguren ruiniern wird, ist der Spagat zwischen dem Lebensentwurf des kriminellen Kleingangsters und dem einer bürgerlichen Existenz. Als Saki schließlich schwanger wird, setzt sie ihren Freund Ken mächtig unter Druck: endlich mit Kazu zu brechen und ein ordentliches Leben zu beginnen. Etwas, was Ken ihr wohl schon mehrfach versprochen hat, aber anscheinend nicht einhalten wollte. Die Spuren seines unsteten und kriminellen Lebenswandels werden ihm während des Films mehrfach entlarvend ins Gesicht geschrieben: Kratzer auf den Wangen, eine blutige Nase, Schwellungen und blaue Flecken von Prügeleien. Und so muss sich Ken entscheiden, ob er eine Familie gründen und es bei den Einkünften aus seiner Autowerkstatt belassen will, oder ob er dem ständigen Drängen des penetrant grenzüberschreitenden, brutalen Kazu nachgibt und weiterhin Drogen verhökert. Doch Ken kommt nicht gegen ihn an, er wirkt eingeschüchtert und scheint zuviel Angst vo...