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Kichiku dai enkai (Kazuyoshi Kumakiri, Japan 1997)


Als der Anführer Aizawa einer linksradikalen Studentengruppe in den Knast kommt, beginnt unter seinen Anhängern der Kampf um die Nachfolge. Hier tut sich insbesondere seine Ex hervor, die als nymphomanische Verrückte es recht schnell versteht, die Männer für sich einzunehmen. Wenig später allerdings rächt sich dieses Auserwähltsein, denn im angrenzenden Wald wird sich dieser Emporkömmlinge entledigt. Als die Gewaltschranken fallen gibt es kein Halten mehr, und der Alptraum zieht sich bis in die Schlußsequenzen im verfallenen Gebäude im Wald hin.

In meinen Augen ein echtes Highlight, den ich mindestens genauso gerne kucke wie Tsukamotos TETSUO. Wie Kumakiri hier den Ton zur DV-Kamera einsetzt ist großartig, immer verstörend, und umso faszinierender. Die Atmosphäre in der ersten Hälfte des Films ist enorm dicht um dann in der zweiten in eine Odysse der Gewalt abzudriften, die am Ende mit den Mythen und Traditionen Japans abrechnet, emblematisch eingefangen in dem Bild, als der wiedergekehrte Samurai sein Schwert in den roten Kreis der japanischen Flagge stößt.

Fantastischer Film des aus Osaka stammenden Regisseurs, der mit seinen Folgefilmen bewiesen hat, daß er zu den ganz großen Hoffnungen der japanischen Filmkunst gehört. KICHIKU ist immer wieder atemberaubend toll.

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Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Nippon Connection 2016: Ken and Kazu (Hiroshi Shoji, Japan 2015)

Der Konflikt, der in KEN TO KAZU das Leben der Hauptfiguren ruiniern wird, ist der Spagat zwischen dem Lebensentwurf des kriminellen Kleingangsters und dem einer bürgerlichen Existenz. Als Saki schließlich schwanger wird, setzt sie ihren Freund Ken mächtig unter Druck: endlich mit Kazu zu brechen und ein ordentliches Leben zu beginnen. Etwas, was Ken ihr wohl schon mehrfach versprochen hat, aber anscheinend nicht einhalten wollte. Die Spuren seines unsteten und kriminellen Lebenswandels werden ihm während des Films mehrfach entlarvend ins Gesicht geschrieben: Kratzer auf den Wangen, eine blutige Nase, Schwellungen und blaue Flecken von Prügeleien. Und so muss sich Ken entscheiden, ob er eine Familie gründen und es bei den Einkünften aus seiner Autowerkstatt belassen will, oder ob er dem ständigen Drängen des penetrant grenzüberschreitenden, brutalen Kazu nachgibt und weiterhin Drogen verhökert. Doch Ken kommt nicht gegen ihn an, er wirkt eingeschüchtert und scheint zuviel Angst vo...