Direkt zum Hauptbereich

KILL / KIRU (Kihachi Okamoto, Japan 1968)

Kihachi Okamoto hatte mit SWORD OF DOOM (1966) bereits einen enorm gutaussehenden Abgesang auf den Samuraifilm gedreht - und dort alle Normen und Werte des ehrenvollen Kämpfers ins Gegenteil verkehrt. Zwei Jahre (und 3 Filme) später ist er soweit diesen Weg konsequent weiterzuschreiten und fügt ein entscheidendes Element hinzu, das beim grimmigen SWORD noch nicht möglich war: Humor.


Und Humor in all seinen Ausprägungen begegnet uns hier: als Situationskomik, als Sprachwitz in den Dialogen, als Slapstick, als ironisiertes Genrezitat. Okamotos Können zeigt sich jedoch darin, diesen wohl zu dosieren, und nichtsdestotrotz einen wahrhaftigen und keineswegs veralberten Schenkelklopfer zu drehen. Davon ist er weit entfernt.



Vielleicht liegt das auch an Okamotos Generation: wie Suzuki, Masumura und Kobayashi waren die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs prägend, die ihn letztlich dazu führten, einen zwar harten und gewalttätigen, zugleich aber auch einen humorvollen und pazifistischen Film zu machen: Kritik am Bushido. Denn dass Genta (Tatsuya Nakadai) dem hitzköpfigen Bauern Hanjiro (Etsushi Takahashi), der so gerne Samurai werden möchte, diesen Wunsch mißbilligt und ihm mehrfach versucht, das Bedürfnis auszureden, wird vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes deutlich - in denen wieder einmal die Samurai entweder als geldgeiles, ränkeschmiedendes Pack desavouiert werden, oder als Schlachtvieh hochgestellter Beamter.


Genta: Jetzt weißt du es, oder?
Hanjiro: Was denn?
Genta: Wie Samurais sind...
Hanjiro: Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht.
Hanjiro will es einfach nicht wissen, obwohl er es mit eigenen Augen mit ansehen muß. Das Desaster. Das Töten. Die Lächerlichkeit. Die Intrigen. Sollte das denn so erstrebenswert sein, um dafür den Kopf zu riskieren? Letztendlich kriecht man doch auf dem Boden herum, um den dürren Truthahn zu fangen, weil der Magen knurrt. Ach pardon, da hat uns die Tonspur verarscht, das Knurren war der Hahn...

Beliebte Posts aus diesem Blog

The Woman who wanted to Die / Segura magura: shinitai onna (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Ein wahnsinnig schöner Film von Wakamatsu mit einem etwas verwickelten Plot: in einem tief verschneiten Provinznest verbringt ein beinah schon vermähltes Liebespaar ein paar gemeinsame Tage, doch reist ihnen der ehemalige Geliebte der Frau, ein heißblütiger Student, hinterher. Der befreundet sich, dort angekommen - überraschend und auch sexuell - mit einer älteren, reifen Frau, der Wirtin seines Gasthofes. Diese aber ist die ehemalige Geliebte seines Rivalen, des Mannes seiner Freundin. Damals liebten sich die beiden innig, aber ihre Liebe hatte keine Zukunft. Sie hatten sich dazu entschieden, den Doppelselbstmord aus Liebe   durchzuführen, was aber an der Willensstärke des Mannes gescheitert war, der sich, nachdem er die Frau mit einem Schwerthieb niedergestreckt hatte, nicht selbst töten konnte. Fortan quälte ihn die Gewissheit, seine große Liebe emordet zu haben, aber selbst zu feige gewesen zu sein. Die Frau jedoch überlebte schwerverletzt, zu einem Leben im Leid fern des Ge...

Wenn Kunst und Qual und Lust zusammen kommen ~ IREZUMI - The Spirit of Tattoo (Yoichi Takabayashi, Japan, 1982)

  Yuki no hana , Blumen des Schnees sind es, die auf perfekte Haut tätowiert werden; Abbildungen, die besonders gelingen, wenn beim Akt des Stechens die körperliche Ekstase einhergeht. In diesem Erotik-Drama, das die Kunst des Tätowierens vor allem auf seinen spirituellen Überbau hin abklopft, gerät das Leben einer Frau aus den Fugen. Die Erfahrungen, die sie macht, verändern sie über die Zeit völlig und so weiß am Anfang niemand, wo das enden wird - jedenfalls nicht dort, wo es die dominante Männergesellschaft vorgesehen hatte. Im Hintergrund lauert aber ein größeres Drama, das sich später enthüllt - und auch hier ist das Motiv der Schneeflocke zentral.  Hideo Fujii, ehemals Technik-Assistent bei Hideo Gosha und Nagisa Oshima ist Kameramann bei Yoichi Takabayashis IREZUMI (aus dem Jahr 1982 - nicht mit dem gleichnamigen Film von Yasuzo Masumura verwechseln), ist in IREZUMI für die Kamera verantwortlich. Die Bilder sind gelungen in ihrem manchmal etwas biederen Vers...

Black Rose Mansion / Kuro bara no yakata (Kinji Fukasaku, Japan 1969)

Der gut situierte Geschäftsmann Kyohei (Eitaro Ozawa) führt in seiner Freizeit einen elitären Herrenclub, in dem nur ausgewählte Gäste Zutritt haben. Eines abends steht ein besonderes Highlight an: die bekannt-berüchtigte Sängerin Ryuko Fujio (Akihiko Maruyama), die perfekte Personifikation einer exotischen Femme Fatale, ist zu Gast, und weiß in wenigen Momenten und mit nur einem Lied die Herren des Clubs zu betören. Da stürmt urplötzlich ein verzweifelter Geschäftsmann herein, stürzt sich auf Ryuko und fleht um ihre Liebe, bettelt um ihre Rückkehr, droht sich umzubringen. Alle sind schockiert: doch die Zeichen sind gesetzt. Hinter dieser seltsamen Frau verbirgt sich ein Geheimnis, und Kyohei selbst, erfolgreich und verheiratet mit einer liebenden Gattin, verfällt der exzentrischen Unbekannten. Fukasaku gelingt mit BLACK ROSE MANSION ein echter Augenschmaus, der sich recht eindeutig bei Film Noir-Motiven bedient. Stilistisch aber gleicht er einem bis ins Psychedelische reichende ...