Direkt zum Hauptbereich

Ghost Story of the Snow Witch / Kaidan Yuki Jorou (Tokuzo Tanaka, Japan 1968)


Der 2007 verstorbene Tanaka ist wohl am ehesten für seine ZATOICHI-Beiträge und seine grimmigen Samurai-Filme SLEEPY EYES OF DEATH, sowie THE BETRAYAL (über den ich hier schon etwas geschrieben habe) bekannt. Wie schon in BETRAYAL überzeugt auch diese Geistergeschichte durch ihre unglaublich dichte Atmosphäre und die enorm gelungenen Bilder. Die musikalische Untermalung durch Akira Ifukube trägt da enorm viel bei - es ist schlicht ein Geniestreich, wie hier zusammengewirkt wird.


Die Liebe zwischen einem Skulpurenbildhauer und einer unbekannten Frau, die urplötzlich in seinem Dorf auftaucht, nimmt familiäre Formen an, als sie sich ihre Liebe gestehen. Dabei hätte Yosaku sich nicht von der Schönheit Yukis blenden lassen sollen - die Ähnlichkeit zur Snow Woman, zur Schneehexe, die in den Wäldern ihr Unwesen treibt, ist offensichtlich. Bei ihrem fesselnden Anblick, so die Legende, erstarren die Menschen zu Eis. Doch davon will Yosaku nichts wissen. Auch der korrupte Stadtvorsteher, der jedem Rock im Bezirk hinterhersteigt, ist an Yuki interessiert, und bürdet der jungen Familie eine kaum zu lösende Aufgabe auf, bei deren negativen Ausgang ihm Yuki zur Verfügung stehen müsse....


Die Schamanin des Dorfes erkennt den Geist in Menschengestalt und setzt sich zur Wehr. Dass sie dabei eine Familie zerstört und den Zuschauern die Tränen in die Augen treibt, ist ihr egal.


Habe ich tatsächlich den besten Film 2010 schon jetzt am Beginn des Jahres gesehen? Unbedingte Empfehlung!

Beliebte Posts aus diesem Blog

Und dann friert die Pfütze zu: Liebe am Papierrand (Yoko Ogawa, 1991/2005)

Abgesehen vom obligatorisch esoterischen Asien-Coverbild auf dem Buchdeckel, das die Erwartungshaltung in eine völlig falsche Richtung lenkt, ist dieses Buch, eine Kranken- und Liebesgeschichte einer Frau zu einem mysteriösen Stenographen mit schönen Händen, vor allem aber eines für Ohrenfetischisten. Laut Wikipedia war dieses der erste große, erfolgreiche Roman der Autorin und vielleicht ja auch eine Hommage an Murakami Haruki, dessen Ohren-Obsession hinlänglich bekannt ist. Es hagelte jedenfalls Literaturpreise in Japan.
 Es ist ein leises Buch, noch viel leiser als die Eulersche Formel, und ein präzises in der Beobachtung des Alltäglichen. Die Figuren sind noch behutsamer und rücksichtsvoller gegen sich selbst und die Umwelt. Hier wird viel in Erinnerungen geschwelgt und in Gefühlszuständen, die nur mit ständig eingeschaltetem Seismographen wahrgenommen werden können. So ziemlich das Gegenteil von einem Ryu Murakami-Roman, aber keinesfalls besser. Und dann fällt Schnee, oder es l…

Afterlife / Wandâfuru raifu (Hirokazu Kore-eda, Japan 1998)

Angekommen in einem nüchternen Zwischenreich, müssen zehn Verstorbene den schönsten Moment ihres Leben auswählen, um mit dieser Erinnerung anschließend ins Jenseits einzugehen.

Kore-eda ist ein Regisseur der vom Dokumentarfilm kommt. Das sieht man ihm auch bei seinen filmischen Mitteln im feature film an. Die Kreation irrwitziger Filmwelten ist nicht sein Ding. Stets führt die ruhige Kamera in langen Einstellungen "reales" Leben vor, das sich nicht den Gesetzen des Entertainments unterwirft. Lange Einstellungen, Stille, Respekt vor den Menschen, dem kleinen Moment des Besonderen.
Seine Mittel der Authentizitätserzeugung wählt er gründlich: neben den bereits erwähnten technisch-strukturellen Komponenten ist es auch die Wahl der Schauspieler und Laiendarsteller, für die er sich enorm viel Zeit genommen hatte. So werden die Toten (etwa 10 Personen) allesamt von Laien dargestellt, die Kore-eda nach 500 geführten Interviews ausgewählt hatte. Zudem waren nur die Dialoge der profe…

Violent Virgin aka Gewalt! Gewalt: shojo geba-geba (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Ein verstörender Film: die beiden Protagonisten, ein Mann namens Hoshi (gespielt von Toshiyuki Tanigawa) und eine Frau (Hanako, gespielt von Eri Ashikawa - doch die Namen spielen wieder mal eigentlich keine Rolle) mit Sack über dem Kopf, werden offensichtlich von einer Gruppe sadistischer Yakuza und ihren kreischenden Gespielinnen entführt. Man gelangt über holprige Wege in eine Einöde, wo die Frau nach einigen Misshandlungen an ein großes Holzkreuz gefesselt wird. Blut läuft ihr über die Brust, sie ist beinahe nackt. Der Mann wird auf verschiedene Arten misshandelt, bevor er von den Peinigern zum Verkehr mit den prolligen Weibern gezwungen wird. In seiner Wut und Hilflosigkeit geht er jedoch äußerst ruppig mit ihnen zur Sache. Er beginnt sich aufzulehnen und erwürgt eines der Mädchen. Später kommt dann heraus, dass die Gräueltaten von einer Anhöhe aus vom Yakuza-Boss beobachtet werden, der seine sadistische Freude daran hat, das Liebespaar zu quälen. Denn Hoshi ist sein untreu gewo…