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Incoherence / Jirimyulryul (Bong Joon-ho, Südkorea 1994)

In diesem Kurzfilm, den Bong noch vor BARKING DOGS NEVER BITE an der Korean Academy of Film Arts drehte, verbindet er drei nur scheinbar für sich isoliert stehende Geschichten durch einen Epilog zu einem runden Ganzen, indem er am Ende alle Fäden zusammenlaufen läßt. Alle Geschichten zeichnen sich durch eine actionarme, beinah meditative Ruhe aus, bei der aber immerzu offensichtlich das skurril Humorvolle bis an die Oberfläche durchscheint. Ständig scheint etwas ausbrechen zu wollen.

Im ersten Teil versucht ein Universitätsprofessor verzweifelt, die Aufmerksamkeit einer seiner Studentinnen zu erlangen - und gerät dank eines Schmuddelheftchens in die Bredouille...


Im zweiten Teil bedient sich ein Jogger frühmorgens an den am Hoftor abgestellten Milchlieferungen der Anwohner und schiebt die Schuld auf einen Zeitungszusteller. Doch da ertappt ihn dieser, und ist als Zusteller konditionell ganz schön ausdauernd...


Im dritten Teil muss ein wohldistinguierter Herr nach durchsoffener Nacht dringendst auf die Toilette - und findet keine. Dieser Part scheint mir ein wenig spannungsärmer, weniger subil geraten zu sein sondern brüstet sich eher mit leisem Fäkalhumor. Ist ja auch etwas neues.



Wie im Nachklapp dann das alles zusammenkommen soll, das werde ich hier nicht spoilern. Selber ankucken! - Das ist ein feines, gut gefilmtes, flottes und intelligentes Kurzfilmensemble.

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Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Shinjuku Mad (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Der Film beginnt wie ein jazziges Requiem: zu sowohl swingender wie melancholischer Musik läuft die Kamera (wie der Protagonist) durch die Straßen Shinjukus und überall liegen Leichen oder schwerverletzte Jugendliche herum. Ein Gefühl von Vergeblichkeit und Hoffnungslosigkeitg, von Entsetzen macht sich breit. In einem amerikanischen Film wäre das nun die Ausgangslage, und in einem Rückblick würde man sehen, wie es zu diesem Desaster gekommen ist. Nicht so bei Wakamatsu, der von seinen Zuschauern zu wissen erwarten kann, dass man es hier mit den Aufständen der Studenten zu tun hat, die Mitte und Ende der 60er gegen den Staat und das Militär die Stimme und auch ihre Fäuste erhoben, eine Gemeinschaft der Revolte, mit Splittergruppen der Japanischen Roten Armee, oder sonst einer radikalisierten linken Zelle. Vielleicht waren es aber auch nur Künstler oder Hippies, die hier ihr Leben lassen mussten. Vor diesem politischen Hintergrund spielt sich das persönliche Drama eines Vaters ab,...

Eighteen Years, to the Sea / 十八歳、海へ (Toshiya Fujita, Japan 1979)

 Toshiya Fujita (Regisseur von z.B. den LADY SNOWBLOOD-Filmen oder STRAY CAT ROCK: WILD JUMBO ) liefert hier einen typischen japanischen End-70er-Jahre Genrebeitrag ab, in dem sich "Junge Wilde" in ihrem ganzen übersatten Ennui dermaßen anöden, dass sie auch mal dieses Ding mit dem Doppel-Liebestod ausprobieren wollen. Existenziellere Nöte gibt es kaum, sie sind sogar in ihrer Abschlußklasse ganz vorne auf der Liste. Die Eltern haben alle Geld, aber man kann es sich leisten, es nicht annehmen zu wollen.  Also geht man in Kamakura ins Meer, legt sich mit einer Bikergang an, nimmt Schlaftabletten (aber immer nur eine) und erhängt sich zum Spaß mit einem Seil, das schon ganz verrottet ist und auf jeden Fall reißt.  Ansonsten gibt es viel unbeholfenen Sex, der schnell in Gewalt ausartet, einmal auch in eine (fürs Genre obligatorische) Vergewaltigung, an deren Ende das Opfer den Täter sogar noch bittet, sich zukünftig um die Schwester zu kümmern.  Es ist alles wunderbar a...