DVD BluRay

Freitag, 21. April 2017

HKIFF 2017: What a Wonderful Family! 2 (Yoji Yamada, Japan 2017)

 

 Yoji Yamada hat eigentlich schon längst das Rentenalter erreicht, aber er scheint nicht aufhören zu können. Zu unserem Glück muss man sagen, denn seine letzten Filme waren allesamt Höhepunkte eines routinierten Filmschaffens, wie es sich erst nach langen Jahren der Könnerschaft zeigt. Seine Ozu-Hommage TOKYO KAZOKU: fantastisch, THE LITTLE HOUSE: berührend leichtfüßig und zärtlich traurig zugleich, seine etwas ins Alberne driftende Komödie WHAT A WONDERFUL FAMILY!, wie schon der Titel als verzweifelter Ausruf und ironischer Kommentar suggeriert, eine ferne Neuauflage von Sogo Ishiis Klassiker der FAMILIE MIT DEM DÜSENANTRIEB. Man kennt also diese ganz normale Vorstadt-Familie bereits aus Teil 1, dieser – wie es scheint – sich zu einer Reihe auszuwachsenden Darstellung des ganz normalen Wahnsinns des Alltags.

 Diesmal geht es um die mittlerweile eingeschränkten Fähigkeiten des Großvaters, ein Auto lenken zu können. Ständig kommt er mit irgendwelchen Dellen in der Karosse zurück. Nur: wie ihm das beibringen, diesem herrischen Patriarchen, diesem zärtlichen Familiendrachen, der sich stets seiner Autorität als Familienvorstand versichern muss? Das kann keiner so richtig, das traut sich niemand. Also sucht man sich jemand, der zwar nah dran ist, aber der dennoch nicht zu sehr in der Schusslinie steht. Das ist wieder einmal die einsichtige Schwiegertochter, hinreißend gespielt von Yu Aoi, die mit dem Enkel verheiratet ist und als Krankenschwester sowieso über ein wie natürliches Einfühlungsvermögen verfügt.

 Hier ist also einiges an skurril witziger Situationskomödie geboten – und doch geht es im Kern um etwas ganz anderes. Nämlich um das Altwerden. Wie ist das mit der Würde, mit den eigenen Träumen und Sehnsüchten, wenn man realisiert, dass langsam die Zeit abläuft? Wenn der Körper nicht mehr so kann, wie man will? Die Großmutter jedenfalls lässt sich von dem Grummel nicht mehr an der Realisierung der eigenen Träume hindern und reist mit einer Seniorengruppe – ebenfalls alles Frauen, deren Männer grummelig sind – nach Norwegen, um das Polarlicht mit eigenen Augen zu sehen. Er bleibt freilich zu Hause, dazu hat er gar keine Lust. Nun zeigt sich auch, wofür er den Führerschein noch braucht: er hat sich nämlich auf seine alten Tage in die Wirtin seiner Lieblingskneipe verguckt, die er zum Essen ausführen möchte. Und wie es so kommt, trifft er auch noch auf einen alten Schulfreund, der allerdings in ganz anderen Familienverhältnissen steckt, als er selbst. Diese Figur fungiert als Spiegel der Lebenssituation des alten Mannes, und wirkt wie ein Katalysator. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

 Mit einem Hauch von Wehmut durchzogen, ganz so wie Yamadas legendäre Tora-san-Reihe über den herumziehenden Taugenichts Torajiro, kann man sich auch noch weitere Filme mit und über diese Familie gut vorstellen; denn weitermachen kann man hier eigentlich endlos. Das wirkliche Leben gibt genug Geschichten vor, die sich umsetzen ließen. Und man kann dem Regisseur nur alles erdenklich Gute wünschen, dass er noch lange so weitermachen möge, wie es die Gesundheit zulässt. Auch dieser Film fühlt sich wieder so an, wie ein kleines Meisterwerk.

Michael Schleeh

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Mittwoch, 19. April 2017

Hong Kong International Film Festival 2017: Beaten Black and Blue (Kim Soo-hyun, Südkorea 2016)

 

 Vor einem sozio-politischen Hintergrund entfaltet sich dieses sehr spezielle Independent-Drama, das nur so vor körperlicher Gewalt strotzt. Es wird jedoch sehr schnell deutlich, wie sehr der Film darum ringt, überhaupt erst einmal eine allgemein notwendige, politische Wissensbasis zu etablieren - denn im wilden Zitieren von Politikernamen und Ereignissen, Studentenprotesten, regionalen Konflikten und Machtverschiebungen in verschiedenen politischen wie konterrevolutionären Zusammenhängen ist der Zuschauer schnell verloren. Da nutzt es auch wenig, diese Verhältnisse erläuternd im obigen Bildkader als Texterklärung einzublenden, wenn am unteren Bildrand in rasender Schnelligkeit die Untertitel zum gerade stattfindenden Dialog vorbeihuschen. Möglicherweise ist das im Heimvideobereich stemmbar, ganz sicher aber nicht im Kino. Ich fühlte mich jedenfalls überfordert, und das, obwohl ich mich ganz gut in der koreanischen Geschichte, mit all ihren Verwicklungen der letzten Jahrzehnte, auskenne.

 Ein weiteres offensichtliches Problem des Films ist dann die konkrete Realisierung des Plots, der sich eben nur nebenher, sozusagen als Hintergrundfolie, mit diesen Ereignissen beschäftigt. Über den Umweg der Machenschaften eines Lokalpolitikers, der einen jungen Studenten, die eigentliche Hauptfigur des Films, in seine Fänge bekommt. Dieser Student, ein Loser vor dem Herrn, interessiert sich eigentlich nur für Alkohol und Mädels. Und darauf "versteift" sich dann auch der Film: die Erlebnisse eines jungen Mannes mit seiner Latte. Wie interessant das nun ist, im Jahr 2016/2017, muss jeder für sich selbst entscheiden - ich kann es eigentlich kaum mehr sehen. Ein typischer Topos des sich ach so radikal gebärdenden Indie-Kinos ist der Fokus auf die Unterhose. Das muss nun wirklich nicht mehr sein, auch wenn der Protagonist noch so toll aussieht.

 Was sonst noch alles passiert, verliert sich in Bildern der Kälte, des beginnenden Schneefalls in der Großstadt Seoul; auch im Zusammenspiel mit den Erlebnissen einer alternden Prostituierten, die "mit ihrer Muschi das neue Korea aufgebaut" habe - sie musste sich den amerikanischen Besatzungssoldaten verkaufen, um überleben zu können. Heute dankt ihr das freilich keiner mehr. Und diese wirklich bedrückende Erzählung, die in diesem Film drinsteckt, die wird leider nur angerissen. Stattdessen verbleibt er bei dem jungen Wilden, bei Erlebnissen, die wirklich keinen mehr hinterm Ofen hervorlocken. Der Mann schaut sich Yoga-Videos im Netz an, um dadurch zu lernen, wie man sich selbst einen blasen könnte. Naja, auf diesem Niveau eben. Wenn er dann auch noch eine Frau auf brutale Weise zusammenschlägt, ist es endlich Zeit, das Kino zu verlassen.

Michael Schleeh

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Montag, 17. April 2017

Hong Kong International Film Festival 2017


  Bereits zum vierten Mal werde ich dieses Jahr am Festival teilnehmen, und da verwundert es mich nicht, wenn ich dem Ereignis mit viel Vorfreude, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit entgegensehe. Es ist einfach gut zu wissen, dass man hier so viel erleben kann, selbst wenn man mal überhaupt keine Lust mehr auf Kino haben sollte. In diesem unwirklichen Szenario ist man gut aufgehoben: zum Beispiel könnte man sich auch die kleineren Attraktionen der Stadt einmal gönnen, die sonst gerne hinten runter fallen. Zum Beispiel mal nach Whampoa fahren, das liegt hinter Hung Hom, denn dort liegt inmitten der Hochhaussiedlungen ein Kreuzfahrtschiff herum. In diesem ist freilich eine Mall untergebracht, in der man - wie überall in Hongkong - alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Gegenüber liegt noch ein Einkaufszentrum mit dem "Golden Harvest-Cinema", das aber irgendwie nur so heißt, dass man das Herzflattern bekommt - es ist ein ganz normales Multiplex. Von klassischem Kampfkunstfilm der goldenen Ära ist hier nichts zu verspüren. Hier schauen sich Eltern mit ihren Sprößlingen die Smurfs an und schmatzen Popcorn dazu.

 Das Festival fährt dick auf dieses Jahr: mit den tollsten Filmen der Berlinale ausgestattet, sowie einer - wie es scheint - komplett ausverkauften Edward Yang-Retrospektive (teilweise restauriert). Besonders toll auch die Reihe Paradigm Shift: post-97 Hong Kong Cinema, die eine Überwindung der Krise nach dem Handover an China suggeriert, und in der besonders charakteristische Filme dieser Zeit laufen: von Shaolin Soccer, Running on Karma, Full Alert und Infernal Affairs kann man hier so etliches (wieder-) sehen und neu entdecken, was mittlerweile schon wieder als klassisches Kino gilt. Aber auch andere supertolle Sachen aus dem Bereich Weltkino lassen sich über die Sektionen verstreut finden: etwa Brillante Mendozas Ma' Rosa, Kleber Mendoza Filhos Aquarius, Safari von Ulrich Seidl, Sieranevada von Cristi Puiu, Daguerrotype von Kiyoshi Kurosawa oder auch Revenger (aka. The Assignment) von Walter Hill. Und bevor man's vergisst: wer etwas mehr Sitzfleisch hat, der darf sich Lav Diaz' The Woman who Left gönnen.

 Unmöglich das alles unterzubringen in einer Woche oder zehn Tagen, und da es noch nicht genug ist, so läuft im regulären Kino zum Beispiel an: Mad World von Wong Chun (mit Eric Tsang und Shawn Yue), On the Beach at Night Alone von Hong Sang-soo, Antiporno von Sion Sono, und schließlich auch noch Herman Yaus Shock Wave mit Andy Lau, der in der Stadt beworben wird wie ein neuer James Bond. Auf dem Festival läuft zeitgleich ein ebenso neuer Film von ihm: 77 Heartbreaks. Da bleibt nur eines: sich entspannen, vielleicht zur Chi Lin Nunnery rauszufahren, und ein wenig beten. Das ist alles nur mit buddhistischem Gleichmut auszuhalten. Nach dem Sushi und vor dem Bibimbap, eh klar.

Michael Schleeh

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Samstag, 25. März 2017

In Another Country (Hong Sang-soo, Südkorea 2012)


 Im Gegensatz zu Right Now, Wrong Then, bei dem alles am Ende seine Ordnung bekommt, ist es bei diesem Film so, dass in der letzten der drei Varianten die Geschichte in die Katastrophe kippt. Oder diese sich zumindest andeutet. Man denkt, gut, jetzt betrinkt sie sich, die sitzengelassene Frau mit ordentlich Soju und geht dann ins Wasser. Aber von wegen: aus dem Wasser heraus ersteigt ihr Retter: ein lifeguard. Leben gerettet, nun bereits schon wieder an Land. Aus Dankbarkeit und weil es halt plötzlich so kommt, da schaut sie mal in sein Zelt hinein: zwei, drei Flaschen später ist der Todestrieb passé. Vom Thanatos zum Eros. Isabelle Huppert spielt da eine leicht Derangierte, die emotional einiges sortieren muss, weil ihr Mann sie gerade für seine koreanische Assistentin verlassen hat. Andererseits sagt ihr ein Mönch auf den Kopf zu, sie habe sich seit ihrer Kindheit nie verändern müssen. Sie sei ein wenig zu sehr verwöhnt worden vom Leben und hat wohl oft das bekommen, was sie wollte.

 Hong also erzählt drei Geschichten, die weniger miteinander zusammenhängen, als dass sie Varianten von einander sind: einmal ist die Huppert eine Regisseurin, das alter ego Hongs oder der Regisseure aus seinen vorherigen Filmen, egal; und einmal ist sie die Geliebte eines älteren Arthouse-Regisseurs und sie treffen sich dort in Mohang am Meer auf ein Stelldichein. Und drittens ist sie eine frisch Geschiedene, die sich von ihrem untreuen Mann getrennt hat, und die nun am Meer mit einer Begleitung ein paar Tage verbringt. Problemfrei ist das nie, der Film ist wie das Leben. Und die Huppert spielt das alles sehr natürlich mit ihrem herben Huppert-Charme, auf den, scheint's, auch die koreanischen Männer fliegen, wie die Honigbienen zur Blütenstaude. Dreigeteilt also die Struktur, eingebunden zudem in den Film als fiktive Visualisierungen eines Drehbuchs, das in einer Rahmenhandlung in actu gerade erst verfasst wird. Denn so beginnt der Film: als Fantasie zwischen einer Mutter und Tochter, die ebendort in Mohang ein paar Tage verbringen. Die Mutter beginnt, um ihre Nerven zu beruhigen,  ein Drehbuch zu schreiben. Das sind die Geschichten, die der Film erzählt.

Dieser Entstehungsprozess dürfte auch eine Meta-Anspielung auf Hongs eigene Arbeitsweise sein, der bekanntlich recht spontan morgens am Frühstückstisch die nächste Szene seines Films skizziert. Welche dann semi-improvisiert gespielt und recht frei gesprochen wird. So findet der Film sich selbst, zu sich, im Moment des Entstehens. Die Filme Hongs sind suchende Filme, die vorher noch nicht wissen, wohin sie streben werden. Offenes Konzept, offene Struktur. Einfluss aller Beteiligten. Man mag es manchmal kaum glauben in einer Welt, in der Filme nicht als Kunst, sondern überwiegend als vermarktbare Produkte betrachtet werden, als Ware zum Verkauf. Aber so wird es berichtet.

Michael Schleeh

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Freitag, 10. März 2017

The Story of 90 Coins (Michael Wong, China 2015)


Michael Wong ist ein Filmemacher aus Malaysia, der zur Zeit in Peking, China, lebt. Dort ist auch sein romantischer, 10 minütiger Kurzfilm angesiedelt: in einem hippen Ambiente zwischen Luxuswohnung im Neubau und einer schicken Agentur für Modedesign, in der die beiden Protagonisten arbeiten (gespielt von Han Dongjun und Zhuang Zhiqi). Er liebt sie und sie liebt ihn (vielleicht, ja) - aber als er einen Heiratsantrag macht, da ist sie zurückhaltend. Man weiß nicht warum, allerdings scheint es so, als sei sie sehr erfolgreich und gerade mit der neuen Kollektion beschäftigt. Möglicherweise ist es die Arbeit, die ihr den nötigen (geistigen?) Freiraum nicht gewährt. Später stellt man dann fest: vielleicht ist es auch seine Eifersucht, die sie zurückhält, sich "für immer" zu binden.

Er gibt ihr 90 Tage Zeit, zu einem Entschluß zu kommen. An jedem Tag wird sie symbolisch eine Münze von ihm bekommen und nach Ablauf des Zeitraums soll die Summe gemeinsam vertrunken werden; entweder als Feier zur anstehenden Hochzeit oder als Goodbye-Zelebrierung. Der Plot des Films wirkt etwas stark forciert, ein Plot, der eine künstliche Spannungskurve aufbaut: spielerisch zwar, aber auch einen allzu schönen Bogen abgebend für einen Kurzfilm. Es ist die "unerhörte Begebenheit", die dem Film zum einen das Zentrum gibt, zum anderen aber zugleich zu sehr nach Lehrbuch, nach Schablone, nach Filmschul-Skizze schmeckt. Insgesamt wirkt der Film auch sehr gedrängt, vollgestopft mit Erzählung, etlichen Voice-Over-Kommentaren und Perspektivwechseln, sodaß man in diesem eigentlich sehr melancholischen Film als Zuschauer ziemlich in die Bedrängnis gerät, nichts zu verpassen. Dazu gesellen sich teils rasend schnelle Untertitel, was kontraproduktiv zur Wahrnehmung der Bilder ist.

Und das ist schade, denn - neben der überzeugenden Protagonistin - sind es vor allem die Bilder der Kamera, die zu gefallen wissen. Der Film ist sehr schön geschossen und flüssig (manchmal allerdings zu schnell) montiert. Die Musik hingegen drückt zu sehr auf die Tränendrüse, was vor allem beim Finale deutlich wird, als ihre Aufkündigung der Freundschaft und der Entschluß, nach Paris zu gehen, zum endgültigen Bruch führt. Leider drängt sie der Film in die Rolle der Schuldigen, die ihre Entscheidung schließlich bereut. Kurz vor dem Abflug geraten ihr wieder die Münzen in die Hände, mitsamt den Liebesbriefen, und das große Bedauern setzt ein. In Flashback-Montagen holt der Film dann diese Momente nach, in denen deutlich wird, wie sehr sich ihr Freund um sie bemühte. Dabei gerät außer Fokus, dass es seine eigene Eifersucht war, die sie nicht akzeptieren konnte, und die sie von ihm fort trieb. Es ist ein Ende, das die Motivationen etwas verzerrt und die verworrene Gefühlslage nicht aufzuklären versteht. The Story of 90 Coins ist ein engagierter, professionell inszenierter Debüt-Film, jedoch etwas overstuffed, etwas zu moralisierend, zu slick und "drüber" in mancherlei Hinsicht. Bei dieser kurzen Spielzeit wäre Zurückhaltung und etwas weniger von allem mehr gewesen.

Michael Schleeh

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Man kann sich The Story of 90 Coins online im Stream bei vimeo ansehen.

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Donnerstag, 2. März 2017

Sleep Has Her House (Scott Barley, GB 2016)


"And the dark is always hungry." (Scott Barley)

Scott Barley's apocalyptical drone-room of a film is a fascinating experience. Not only a film to watch, but definitely one to listen to, as the audio is almost as impressive as its pictures. Very often, the images are blurred in the beginning, but with the slightest movements of the camera, the picture does get clearer, more concrete, focused, but sometimes nothing happens at all, too. Nevertheless, the film feels very dynamic - it's a weird state of an inherent Bildspannung, a suspense (and tension that might rip apart) inside of the images themselves that keeps you totally immersed. Static movement of the camera might be the term of technique to describe the process of capturing those dreamlike images, which are almost incomprehensive at first, always hard to grasp. As there seems to be no plot, no dialogue, no actors, there are none of the usual narrative anchors that guide us through a film, or movie. Obviously, the director is searching after something else. Sleep Has Her House looks and feels like an art film that got stuck in the mud of a wasteland.

The audio accompanying the cinematic images build up a horizon resembling a huge wall of sound that makes everything in this film feel dark, dangerous and threatening. It definitely feels like we are the last survivors on earth who got spared from some apocalytical virus attack, hiding in the woods, underneath the branches of wet trees while darkness falls upon earth. And: eternal darkness that is. Maybe there will be a moon coming up illuminating our wounds, our horrors, our fears -  or there may be a planetary crash that might destroy everything that we knew. Then the last souls of mankind may rest in Valhalla (if lucky), go to hell, or have to wander around eternally as there surely is no salvation. The wasteland that we see is already in ourselves. 

And then, suddenly, there's beauty. In the night sky, reflected in the water of a lake. Which one doesn't recognize at first, but as there's wind coming up, the ripples start to break up the surface - and thereby the image. The reflection of the stars is soothing, somehow, although I don't know why. Maybe, because nature has come to rest, became quiet again - like it is quiet in ourselves. There is, at least, a short moment of peace and beauty. The river, for example, being illuminated by the moon bears no resemblance to rivers we know. Not the ones in the films of Shohei Imamura, not the the one in Jean Renoir's Indian masterpiece, not the one in Tsai Ming-liang's ode to urban depravation. It is a river like an imaginery spring of existance, where the origin of mankind found its first drops of life. Only to transform shortly after into the mist of the woods, the deep forests captured by clouds, when everything that was liberating or even soothing maybe, turns into the dark of night again.

I have no clue what the title of that film really means. But it is full of associations, of fatigue and death, of eternal sleep, of a home lost at the end of the world. It might be a fairy tale or the title of a poem. It is melancholic and dramatic at the same time. I could imagine large filmstills from the works of Guy Maddin, huge pictures put up at the walls of a museum that elude a soft gleam into the darkness of an isolated, encapsulated space - transforming maybe into the black box of a film theatre. Sleep Has Her House. I don't know what I have seen exactly in those 90 minutes, but it was beautiful.

Michael Schleeh

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Donnerstag, 23. Februar 2017

The Ebb of Forgetting (Liryc Dela Cruz, Philippinen 2016)



Liryc de la Cruz is a young filmmaker from Mindanao, the Philippines, and was an assistant to Lav Diaz a couple of times (e.g. during Norte, the End of History). "Like walking through an endless dream" is a line that preludes the opening scene and what follows is the meanderings of a woman through woods and brushland, until she finally arrives at some kind of seashore - in search of another person which might exist only in her own troubled mind. You can obviously see and feel the influence of Lav Diaz in the imagery and the pictures of the first half of this 17 minute short film. So, this starts like a tribute to him, a continuation maybe that might give the filmmaker its own place in cinematic history. 

It definitely is film about remembrance aswell, which is more obvious in the second half. It is very open in its structure and towards a possible meaning. I guess, you could read some political meaning into it, too, as the Philippines have got a heavily burdenend history of political oppression through Spanish colonization. Especially in the final sequence of the film, located now in an airplane, where a woman watches out through the windows, might be an implication of leaving the home country behind - aswell as an elopement from personal memories and things lying in le passé of that person's biography. The Ebb of Forgetting - which is a somehow awkward wordplay with the opposite term Flut der Erinnerung / flood of memory was being screened in Locarno - is quite beautifully shot, though I don't really know what to do with and what to think about it. It left me a bit clueless, but nevertheless awakened my interest in the works of the filmmaker. Maybe a second viewing will clear some things up.

Michael Schleeh

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You can watch the film on newly launched Tao Films VoD-platform that focuses on independent slow cinema in general. You can see films here that are very hard to come by anywhere else.

If you want to support Schneeland you could buy some Lav Diaz-Blu-ray via amazon through this link. Thanks.

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Samstag, 11. Februar 2017

Raees (Rahul Dholakia, Indien 2017)


 Die Geschichte des Gangsters und Spirituosenschmugglers Raees (Shah Rukh Khan) im Gujarat der 80er und 90er-Jahre, und wie er mit seiner Unerschrockenheit ganz an die Spitze der Macht gelangt. Doch dann der Fall: zur Strecke gebracht durch die Hartnäckigkeit eines einzigen Polizisten namens Majmudar (gespielt von Nawazuddin Siddiqui). Ein Epos, das sogleich mindestens drei Assoziationen und Verbindungslinien aufscheinen lässt: eine, die zu Coppolas Epos Der Pate reicht, eine weitere zu den aktuellen Serienproduktionen wie Narcos, und eine zu den Anfängen von Shah Rukh Khans Karriere, noch vor seiner Zeit als er den hanswurstigen Schwiegermutterliebling zu verkörpern wusste, wie kaum ein anderer. Als er die Bösewichte spielte, die zu Sympathiefiguren wurden, obwohl sie drastische Gewaltverbrechen begingen.

 Das ist hier in Raees nicht viel anders: immer wieder schockiert der Film geradezu, etwa in den Faustkampfszenen, die von einer Härte sind, die man eher mit südkoreanischen oder thailändischen Martial-Arts-Filmen assoziieren würde, Szenen, bei denen man schon den Schnitt weg von der Bluttat erwarten würde. Aber nein, die Kamera hält drauf, die Gewalt wird in Raees explizit ausgestellt. Somit ist auch der Charakter von Raees selbst etwas ambivalenter, als man zunächst denken würde. Doch andererseits ist es wieder so, dass man sich kaum einen Film vorstellen könnte, der weniger auf seine Hauptfigur, seinen Helden, seinen indischen Nationalhelden zugeschnitten wäre, wie Raees auf Shah Rukh Khan. Der Mann besticht in jeder Szene durch seinen Charme, durch sein extrem gutes Aussehen, durch seine irre tollen Klamotten. Er ist die lebendige Personifizierung von Style schlechthin. Zudem federt der Film Raees' Gräueltaten moralisch auch etwas ab, da sich dieser explizit auf die "mitmenschliche" Versorgung seines Viertels mit Alkohol beschränkt - sozusagen eine semi-soziale Straftat begeht (in Gujarat herrscht Prohibition). Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten, die zudem mit viel übleren Lastern handeln, etwa mit Drogen oder der Prostitution. Der Film will uns glauben machen: Raees ist eigentlich ein Guter unter den Bösen.

 Der Film besticht außerdem durch seine wie hochroutiniert ablaufende Entertainment-Struktur, die ihn trotz seiner Länge extrem kurzweilig macht. Es ist - zumindest bis zur Intermission - kein Moment der Langeweile auch nur zu erahnen. Auch mit den Song & Dance-Szenen wird sich merklich zurückgehalten: vollständig choreographiert sind es lediglich zwei Szenen, die also auch nur bedingt Spielzeit einnehmen im Film - und eine wird sogar zwischenmontiert mit einem weiteren Handlungsstrang: der Ermordung eines Kontrahenten von und durch Raees. Früher hätte man das vielleicht noch mit Split-Screens gemacht, heute funktioniert das auditiv über den Sound, der als Verbindungsglied zwischen den beiden filmischen Ebenen dient.

 Zur persona Raees gehört aber auch das alter ego auf der anderen Seite des Gesetzes, so will es die Genrestruktur, so will es die Schablone: Majmudar, der Polizist, der einzige, der ihm die Stirn bietet. Der irgendwie auch wahnsinnig ist wie Raees, aber der nicht ganz so spiegelbildlich angelegt ist, wie zuletzt etwa Vicky Kaushal als Raghavan in Anurag Kashyaps Psycho Raman. Wo dort bereits die Grenzen verfließen, ist man hier immer sicher, wer gut und wer böse ist. Denkt man zumindest, denn Raees fordert Majmudar heraus: jedesmal, wenn er ihn hinter Gittern hat, befreit er sich wieder mit einem noch klügeren Schachzug. Das treibt Majmudar dazu, ganz am Ende eine unkonventionelle Lösung zu suchen, und für den Kinozuschauer bedeutet das: seht her, verrottet sind sie alle, Werte gibt es keine mehr. Die Moralfrage also stellt der Film nur indirekt. Es wird nicht ausformuliert, wie man sich zum Ende zu positionieren hat, da die Verunsicherungen sogar zugelegt haben, nicht geklärt worden sind. Die Figuren gehen noch ambivalenter aus dem Film hinaus, als sie hereingetreten sind. Und das ist auch gut so, etwas Offenheit in diesem dichten Actionfeuerwerk zu gestatten, etwas, das dieser Film nämlich auch ist: ekstatisches Bewegungskino.

Michael Schleeh

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RAEES läuft seit 5. Februar in den deutschen Kinos.

Der Film erscheint als Blu-ray via Rapid Eye Movies und kann hier schon vorbestellt werden.



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Sonntag, 5. Februar 2017

The Oil-Hell Murder (Hideo Gosha, Japan 1992)


 In diesem allerletzten Film von Hideo Gosha, der zwar von Shochiku - aber auch von Fuji TV - produziert wurde und vielleicht auch deswegen manchmal artifizell wirkt und ausschaut wie ein TV-Film (vor allem wegen der ziemlich sterilen Kulissen), wird die Geschichte einer Leidenschaft, dann eines Untergangs und schließlich eines Mordes erzählt. Fantastisch dabei die beiden Hauptdarstellerinnen Kanako Higuchi (Ronin Gai, Zatoichi, Achilles and the Tortoise) und Miwako Fujitani (aus Ryu Murakamis Raffles Hotel), in einer Nebenrolle auch ein bekannteres männliches Gesicht wie Renji Ishibashi (Outrage, Gozu, Audition).

 Die Ehefrau eines etwas tumben Ölhändlers kann ihre Blicke nicht mehr von ihrem nun erwachsenen Neffen fernhalten und ist bald bereit, jedes Tabu für ihre wachsende Leidenschaft zu ignorieren. Dumm nur, dass dieser sich mit der Tochter seines Bosses eingelassen hat. Das fliegt aber bald auf und weil hier Klassenschranken missachtet wurden, gibt es Schläge: und nur noch die Hoffnung auf einen gemeinsamen Doppelselbstmord aus Liebe. Ein berühmter kultureller Topos in den japanischen Künsten, auf der Bühne, wie im Film oder der Literatur, kann so die "glückliche Vereinigung" der Liebenden nur im Tode gefunden werden.

 Doch leider hält die junge Geliebte dann doch gar nicht so viel davon, diesem Dasein zu entfliehen und vergnügt sich bald mit anderen Herren, die ihr das Leben kommod machen. Yokichi, der am Boden zerstörte Neffe, ist nun todtraurig - aber frei. Bald ist die Tante wieder zur Stelle und es entbrennt eine heiße Leidenschaft zwischen der älteren Dame und dem Jüngling. Der hat allerdings kein Glück: denn ihre Ehe will auch sie nicht unbedingt ruinieren und so gerät der Jungspund bald in rage und zieht den Dolch.

 Die Schlußszene, die zum Beginn des Filmes zurückführt und so einen geschlossenen Rahmen setzt, zeigt uns den Zweikampf in Zeitlupe, totenstill, wie sie vor ihm fliehend die Ölfässer zu Boden wirft und sich beide dann im öligen Schlamm bekämpfen. Hier ist alles Heroische verabschiedet, es ist ein nackter Kampf ums Dasein, ein Krieg, der in den Köpfen entstand. Sie wird nicht davonkommen, man weiß es ja schon, und das ist also die Tragödie in diesem Film, dessen interessante Figuren eigentlich nur die Frauen waren. Die Männer sind - wieder einmal - allesamt ziemliche Versager. Aber es bleibt eben keine wirkliche Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Nicht solange die patriarchalen Strukturen die Gesellschaft bestimmen. Tot zurück bleibt also die Frau. Und mit ihr ihre Welt.

Michael Schleeh

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Freitag, 3. Februar 2017

Exzesse in der Hölle: Alipato – The Brief Life of an Ember (KHAVN, Philippinen 2016)


 Mondomanila im Jahr 2031: in einem philippinischen Slum leben die Ärmsten der Armen und verdienen ihr Geld mit der Gewinnung von Kohle. Die „Kostkas“, eine Bande von Straßenkindern, ziehen marodierend und mordend durch die „Schwarze Stadt“. Irgendwann wird es dem Anführer aber zu doof, dieses ewige Klein-Klein: er fasst den Plan, die Zentralbank auszurauben. Was freilich schief geht, und so muss er für 28 Jahre in den Knast. Als er schließlich wieder herauskommt, ist er ein alter Mann. Aber nicht weniger brutal. Und dann ist da noch die Frage, wo eigentlich die Beute hingekommen ist.

 Die Filme des philippinischen Independent-Regisseurs und Punkpoeten KHAVN de la Cruz waren schon immer keine leichte Kost. Die südostasiatische Metropole wird hier als erbarmungsloser Moloch dargestellt, in dem Raub, Vergewaltigung, das Morden auf der Tagesordnung steht, und wo zudem der ohrenbetäubende Soundtrack der Stadt mit der viel zu heiß herabbrennenden Sonne den Schauplatz in eine Variation des danteschen Infernos gerinnen lässt. Mit technisch einfachen Mitteln aufgenommen, dafür aber kreativ und ungewöhnlich, wird der Zuschauer seit jeher mit seinen eigenen Sehgewohnheiten konfrontiert und vor den Kopf gestoßen. Das war schon immer so bei KHAVN: Mondomanila, The Vampire of Quezon City, Misericordia – The Last Mystery of Kristo Vampiro, The Family that Eats Soil, oder der großartige Ruined Heart (2014) mit Tadanobu Asano in der Hauptrolle – alle diese Filme gehen weit über jeden „guten Geschmack“ hinaus, befinden sich jenseits allem, was man landläufig unter Arthousekino versteht. Am ehesten lassen sich seine Filme als groteske Varianten eines Weltkinos begreifen, die völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Dass ein KHAVN mal auf einem arrivierten Festival liefe, kann man sich kaum vorstellen. Auf einem Genrefilm-Festival hingegen schon. Aber auch da dürfte es dem Publikum schwer fallen, sich auf die offenen Strukturen der Filme einzulassen, in denen sich immer erst sehr spät die narrativen Erzählfäden herauslesen lassen.

 Es ist ein Kino, das zunächst mit Bildern, Stimmungen, der Musik (wichtig!), dem Wechsel von Schönheit und Hässlichkeit spielt, das Szenen von einem Chaos aneinander reiht, dessen Zerrissenheit sich so sehr in den Film hinein drängt, dass auch die Filme selbst chaotisch werden. Dass man aber KHAVNs Werk nicht auf eine Ansammlung von Schimpfwörtern und Gewalttaten im Gossenslang reduzieren sollte, das wird deutlich, wenn sich dann doch, so wie hier: erst nach einer halben Stunde, eine „Geschichte“ herauskristallisiert, wenn kritische und soziale Themen eine Rolle spielen, die immer wieder in den Filmen an die Oberfläche kommen. Diese werden dem Zuschauer auch direkt und ohne Umwege ins Gesicht gespien: das Durchbrechen der Vierten Wand geht KHAVN so leicht von der Hand, wie einem bereits Schwerbehinderten auch noch die Beine abzuhacken.

 KHAVNS Kino, das durchaus etwas Barockes hat in all seiner hässlichen Üppigkeit, mit all dem Pomp, der Gewalt, den Grenzüberschreitungen, den ständigen technischen Verfremdungen, das kann natürlich auch ins Gegenteil umschlagen. So hat sich mittlerweile (bei mir) eine gewisse Sättigung breit gemacht, was KHAVNs dann irgendwann doch sehr redundante Stilistik anbetrifft. Bisweilen schien mir Alipato wie eine durchgeknallte Zirkusnummer vorzukommen. Vielleicht sollte er in Zukunft auch einmal mit sich selber brechen, alles umkrempeln, etwas Anderes, Neues versuchen. Sein Stil, seine Ästhetik sind bereits zu einem Markenzeichen geworden. Das sollte aber natürlich niemanden davon abhalten, in diese verrückte Welt einzutauchen und sich kräftig mit Blut überkübeln zu lassen. Vor allem dann, wenn man noch nichts von ihm gesehen hat.

 Alipato wird von Rapid Eye Movies ins Kino gebracht (die auch diesen Film co-produziert haben), und das im Rahmen der Reihe „Freie Radikale.“ Eine Filmreihe, die sich dezidiert darauf verschrieben hat, Sehgewohnheiten zu brechen und den Zuschauer mit neuen, frischen Produktionen ins Kino zu locken. Das ist freilich mit das Beste, was einem passieren kann. Da darf man kräftig die Daumen drücken.

Alipato läuft ab dem 24. November in den deutschen Kinos.

Michael Schleeh


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Mittwoch, 25. Januar 2017

Operation Mekong (Dante Lam, HK/China 2016)


 Vor dem Hintergrund erfolgreicher Serienformate wie etwa Narcos auf netflix kann man auch deren Nachahmung von solch südostasiatischen Ablegern verstehen, die im sogenannten Goldenen Dreieck von Laos, Thailand und Myanmar spielen: dort wird traditionell Schlafmohn angebaut, das anschließend zu Heroin verarbeitet wird. Hier nun also ein großchinesischer Blockbuster, der einen seiner erfahrensten Actionregisseure aus Hong Kong ans Ruder lässt: Dante Lam. Der hat nach seinem überragenden Frühwerk und der Leuchtrakete The Beast Stalker seit längerem jedoch eine Flaute: The Viral Factor, Fire of Conscience und Stool Pigeon waren nicht viel mehr als routiniertes Handwerk. Doch dann die Rückkehr auf beinahe altes Formniveau mit dem durchgedrehten That Demon Within und dem sagenhaft dichten Unbeatable mit einem unfassbar guten Nick Cheung in der Hauptrolle. Sein Radrennfahrer-Drama To The Fore (2015) allerdings war wiederum eher etwas für die Tonne. Auch visuell, eigentlich immer eine Stärke Dante Lams, hatte der nichts vorzuweisen und erinnerte eher an schnell heruntergekurbelte TV-Dramen.

 Operation Mekong eröffnet mit einem Kameraflug über die weiten Wälder des Mekong-Deltas, durch das sich der Fluss dreckbraun schlängelt. Dann über eine Hügelkuppe hinweg, Creditsequenz, und ein Panorama-Shot: vor uns liegt Medellín, die Hauptstadt Kolumbiens. Oder ist es eine Stadt im Mekong-Delta? Die Anspielung auf die Saga um Pablo Escobar jedenfalls könnte deutlicher nicht sein. Und gleich darauf folgt ein Massaker auf dem Fluß, bei dem einige chinesische Schmuggler samt Frauen und Kindern von gedungenen Mördern des Kartells ausgelöscht werden. Daraufhin greift ein Sonderkommando aus China ein (wie in Narcos die Amerikaner), um die Sache aufzuklären und den Drogenhahn endlich zuzudrehen, der ihre schönen Städte vergiftet. Da kommt auch bald Eddie Peng ins Spiel; mit einem affigen Bart, der in etwa die Rolle von Steven Murphy aus - naja - Narcos eben, übernimmt. Im weiteren löst sich dann aber der Film von seinem Vorbild und verliert sich völlig in seiner stetigen Hatz von Ortswechsel zu Ortswechsel, was Dynamik simulieren soll und weltweite Vernetzung. Halt geben komischerweise nur die Actionszenen, die in regelmäßigen Abständen den Film strukturieren. Was im Detail passiert - was man für gewöhnlich Handlung nennt - ist so uninteressant wie überflüssig. Der Film interessiert sich einen Dreck für seine Figuren oder seine Narration und verlustiert sich lieber im Ablichten pseudo-ästhetischer Digitalbilder, die einen visuellen "Rausch der Sinne" veranschaulichen wollen. Allein, dieser Rauschzustand kommt beim Zuschauer niemals auf.

 Es ist vielmehr alles Müdigkeit. Da überhaupt mitdenken zu wollen, (all diese Kartelle!, die einem schnurzegal sind), wo man sich gerade befindet (all diese Location-Einblendungen), all diese Polizei- und Militäreinheiten (wer ist wo und arbeitet mit wem), das ist äußerst unübersichtlich, sehr bemüht und deswegen ermüdend anstrengend. Zumal die nächste Schwarzblende zum internationalen Inselhopping kurz bevorsteht. Da freut man sich umso mehr, wenn mal eine Actionsequenz ein paar Minuten lang dauert. Etwa gegen Ende die Eröffnung des Finales in einer der großen Malls in Bangkok: das Gebäude wird ausnehmend schön zerlegt mit Schießereien, Rolltreppeneskapaden und auch einem tollwütigen Sportwagen, der eine Kaffeeinsel abräumt. Das macht Sinn, da weiß man, wo man ist, und wer gegen wen kämpft. Diese Szene allerdings läutet einen Showdown ein (siehe Plakat oben), der sich schlussendlich in einem Dschungelcamp abspielt und dann bis zum Erbrechen einfach immer weiter geht. Das ist eine langweiligere Variante von Rambo, der das - auf Spielfilmlänge - sehr viel kompakter hinbekommen hat. Aber sei's drum. Operation Mekong ist bestenfalls öder Durchschnitt und es braucht schon viel goodwill, um aus diesem Exzess der Verwirrung mit einem Mehrwert oder auch nur mit einem Grinsen herauszugehen. Vielleicht sollte man Dante Lam einfach das Geld wegnehmen und wieder zurück in die Straßenschluchten von Mong Kok schicken: in der Hand ein Drehbuch, das wenigstens rudimentären Sinn ergibt. Das wäre doch mal was!

Michael Schleeh

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weitere Links zu Dante Lam:

To The Fore (Dante Lam, Hongkong / China 2015)

The Viral Factor (Dante Lam, Hongkong/China 2012)

Hong Kong International Film Festival 2014: BLIND MASSAGE (Lou Ye) ~ SHADOW DAYS (Zhao Dayong) ~ THAT DEMON WITHIN (Dante Lam) ~ ICE POISON (Midi Z)


Fire of Conscience / For lung (Dante Lam, Hongkong 2010)

Beast Cops (Dante Lam, HK 1998)

The Sniper / Sun cheung sau (Dante Lam, HK 2009)

Jiang Hu -The Triad Zone (Dante Lam, Hongkong 2000)

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Sonntag, 22. Januar 2017

Raman Raghav 2.0 / Psycho Raman (Anurag Kashyap, Indien 2016)


 Was an Anurag Kashyaps Serienkiller-Thriller Psycho Raman (aka. Raman Raghav 2.0) zuerst auffällt, ist der harte Gegensatz der Eröffnungsszene in der Diskothek mit der darauffolgenden Stille, in der man zum ersten Mal dem Killer Raman (Nawazuddin Siddiqui) begegnet: während der Polizist Raghavan (Vicky Kaushal) ein Gefangener der Beats und der Drogen ist, die er eingeworfen hat, ist Raman in einem Zimmer eines Abbruchhauses vor den Toren Mumbais eingesperrt. Dort spricht er mit sich selbst mit wehleidiger Stimme, was ihm Schlimmes widerfahren sei. Er probt das richtiggehend, wie ein Schauspieler. Dann ruft er ein paar Jugendliche um Hilfe herbei, die dort gerade Cricket spielen wollten. Sein Vortrag ist so überzeugend, dass sie ihn gleich befreien. Raman darauf, mit einem leisen Lächeln im Gesicht, ausgezehrt und mit schwarzen Augenrändern, streunt durch das Gelände, eine wilde Brache voller wilder Pflanzen umgeben von Ruinen – es ist beinah eine Idylle, eine Idylle des Verfalls. Dort sieht er plötzlich eine schwarze Katze, und weil er die interessant findet, folgt er ihr. Sie führt ihn zu einem Gehöft am äußeren Rand einer Slum-Behausung, wo gerade eine junge Frau Brot backt. Raman will nun dieses Brot, und man sieht ihm an, dass der Wahnsinnige auch die Frau dafür totschlagen wird, um an ein Brot zu kommen. Zufällig findet er einen Stein, der als Mordwerkzeug dienen soll. Die Katze interessiert nicht mehr. Doch als er die Frau beinahe erreicht, erkennt man hinter dem nächsten Eck eine Gruppe junger Männer sitzen, die zur Frau gehören. Raman steht da, der zerrissene Lump, lässt den Stein fallen. Er schwitzt. Die Männer kommen auf ihn zu.

 Man sieht, wie hier eins zum anderen kommt, ungeplant und kontingent. Das Böse, in Form dieses undurchschaubaren Menschen, der freundlich Lächeln kann und mit Sprache manipuliert, wird zur Inkarnation der Todes, wenn er nicht seinen Willen bekommt („Sein Wille geschehe!“). Spiegelbildlich zu seiner Figur ist der versteinerte drogenabhängige Polizeikommissar Raghavan ebenfalls einer, der seine Umgebung für seine Zwecke missbraucht. Was besonders im Ungang mit seiner Freundin augenfällig wird, die er emotional und sexuell ausbeutet. Sie scheint aber erst jetzt zu realisieren, dass ihre Beziehung nur auf einem Gewaltgefälle bestehen kann, denn sobald sie die Stimme erhebt, wird sie kleingemacht. Der Film erzählt nun eigentlich den bekannten Genre-Topos erneut aus, wie sich die Konstitutionen der beiden Männer nicht nur gegenseitig bedingen, sondern auch brauchen. Es ist beinahe wie in einer grotesken intimen Beziehung – Raman sucht Raghav, und wie sie zueinander finden, wird Raghav zu Raman. Das zeigt sehr schön der allerletzte Mord des Filmes, den Raman gar nicht mehr selbst ausführen muss. Nawazuddin Siddiqui, der intelligentere der beiden, lenkt die Geschehnisse selbst dann noch, wenn er eingesperrt in einer Zelle hockt.

 Psycho Raman als Psycho-Thriller ist somit eher kein Film, der die Kategorien Gut und Böse vertauscht, vielmehr ist es eine vollständige Aufhebung der Kategorien in der Darstellung eines gnadenlosen Nihilismus. Der Film, obwohl er durchaus auch am Tag spielt, ist überwiegend dunkel, düster, bedrückend. Ein soziales Anliegen hat er nicht. Hier geht es nicht um den Ausbruch aus dem Käfig der Armut, um die Benachteiligung der Frau, um eine Liebesgeschichte. Oder gar um Moral. Die Verbrechen werden nicht kommentiert, sondern stehen, so erschütternd sie sind, für sich selbst. Dadurch gewinnt der Film eine Offenheit in der Narration, die wirkmächtiger ist, als jeder Kommentar des Regisseurs. Viel eher ist es das Verhältnis von Raman zu Raghav, eine Homo-Erotik der Gewalt, in der die beiden Parteien sich mythisch zueinander hingezogen fühlen, ohne sich und für lange Zeit gar nicht erst zu begegnen. Wer also der eigentlichere, verkommenere Bösewicht in diesem Film ist, lässt sich gar nicht so richtig ausmachen. Skrupellose Mörder sind sie alle beide.

 Psycho Raman ist ein äußerst kompakter und durchkomponierter Film, und zeigt Anurag Kashyap von einer ganz anderen Seite, als bei seinem ausufernd epischen Film GANGS OF WASSEYPUR. Der Film ist bei Rapid Eye Movies als DVD und Blu-ray erschienen. Das Bild der Blu-ray ist exzellent, ein einziger Genuss. Neben dem Hindi-Originalton mit Untertiteln findet sich eine deutsche Synchronisation auf der Scheibe, wie auch die üblichen goodies (ein Making Of, knapp 30 Minuten, sowie der Original-Trailer, weitere VÖs des Labels u.ä.). Wer diesen cineastischen Höhepunkt des anderen Bollywoods noch nicht kennt, sollte bedenkenlos zugreifen.

Michael Schleeh

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Psycho Raman ist bei Rapid Eye Movies als DVD und Blu-ray erschienen
und via amazon erhältlich ~



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Sonntag, 8. Januar 2017

The Handmaiden / Die Taschendiebin (Park Chan-wook, Südkorea 2016)


 Das ungute Gefühl, vom Regisseur an der Nase herum geführt zu werden, das kann man bei Filmen mit Twists sehr schnell bekommen. Wenn sich nun einer, der dafür bekannt ist, jeden Millimeter seiner filmischen Erzählung genau zu vermessen wie eine architektonische Zeichnung, dann wundert es nicht, dass sich dieser Mann einen Roman wie Sarah Waters' The Handmaiden zur Vorlage seines neuesten Filmes nimmt. Der Roman, der im viktorianischen London des 19. Jahrhunderts spielt (und dann auf einem Landgut draußen im Themsetal) wird von Park ins Korea des 20. Jahrhunderts versetzt, in eine Zeit in den 30ern, in der die japanischen Truppen sich im Land breit gemacht haben. Offensichtlichste Referenz ist das Gebäude, in dem The Handmaiden dann erstmal die erste Filmhälfte über spielt. Das Haupthaus ist ein westliches Herrschaftsgebäude, das durchaus auch in Europa stehen könnte oder in den Hammer Studios, die Anbauten aber sind koreanischer und japanischer Art. Besonders auffällig wird das in den Kameraschwenks, wenn die Personen von einem Trakt in den anderen laufen, und dabei wie von einer Welt in die andere gelangen. Innerhalb des Gebäudes funktioniert das genauso, etwa wenn sich die Charaktere in die Bibliothek begeben, wo die lüsternen Herren sich die Erotika der Weltliteratur kredenzen lassen. Und auch genau darum geht es in diesem Film Parks - mal nicht (nur) um Gewalt, sondern vor allem um Leidenschaft.

 Als Sook-hee (Kim Tae-ri), die dann bald Tamako heißen wird, ihre neue Dienststelle antritt, da weiß ihre neue Herrin Lady Hideko (Kim Min-hee) noch nicht, dass ihr übel mitgespielt werden soll. Ihre neue Zofe nämlich steckt unter einer Decke mit dem teuflischen Edelmann Count Fujiwara (Ha Jung-woo), der sie beabsichtigt, zu heiraten. Aber nicht aus Liebe, er interessiert sich vor allem für ihre Erbschaft. Für sie ist aber auch was drin, in diesem Deal: nämlich rauszukommen aus dieser pseudo-ästhethisierten Hölle der Schlüpfrigkeiten, in der sie den alten Männern zum Plaisir die Animierdame geben muss. Und wenn sie nicht spurt, dann bekommt sie vom bösen Onkel auf die Finger. Das Paradies also ist es dort - auch wenn es auf den ersten Blick so edel erscheint - nunmal gar nicht. Aber viel weiter darf die Handlung nicht verraten werden, sonst, wie gesagt, wird die Überraschung genommen. Eines aber noch: die beiden jungen Frauen freunden sich nicht nur an, nein, es geht sogar noch einen Schritt weiter. Und das ist dann der Punkt, wo in dieser ganzen, fast schon puppenstubenhaft durchästhetisierten Optik die körperliche Liebe zwischen zwei Frauen visuell zelebriert wird. Ob sich der Film, der den Missbrauch ja eigentlich anprangert, in diesem Moment nicht selbst ad absurdum führt, wäre übrigens auch noch zu klären.

 Jedenfalls bricht dann im letzten Drittel Park Chan-wook komplett mit der Buchvorlage - und dichtet sich selbst ein neues Ende hinzu. Und in gewisser Weise macht er genau das, was man sich als Leser des Buches auch gewünscht hat: was wäre eigentlich, wenn sich die beiden Frauen gegen die Männerwelt verschwören würden und nicht in ihren Opferrollen gefangen wären? Aber man sehe selbst, es kommt dann jedenfalls völlig anders, als man zunächst denkt. Und das Finale im mythenumschwebten Folterkeller ist von einer grotesken Absurdität, die den im Film mehrfach angedeuteten Humor auf die Spitze treibt. Allerdings, um auf den Anfang des Textes zurückzukommen, ist es natürlich dann schon so, dass man wieder den Eindruck hat, Park Chan-wook macht hier gerade, worauf er Lust hat. Von Sarah Waters ist nichts mehr übriggeblieben und alleinig die Regie hält die Zügel in der Hand. Das teuflische Spiel, das ist nicht nur das, was Ha Jung-woo im Film passiert - nein, dem ist auch das Kinopublikum ausgeliefert, das in Parks schwarzem Loch, dem Kinosaal, sitzt. Und ihm völlig ausgeliefert ist. Seinem wundervollen Film, seinem autoritären Film, der mit jedem Kameraschwenk weiß, was er tut, der jedes Bild milimetergenau vermisst, der jeden Ton so setzt, dass er maximal effektiv ist. Zum Glück mag Park sein Publikum, denn sonst könnte es uns irgendwann einmal dreckig ergehen.

Michael Schleeh

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Donnerstag, 5. Januar 2017

Sethu (Bala, Indien 1999)


 Balas Debütfilm SETHU mit Vikram in der Hauptrolle ist in der ersten Hälfte nur mit viel Geduld und goodwill zu ertragen. Wieder einmal prügelt sich ein Tunichtgut ins Herz einer unschuldigen jungen Frau, Tochter eines Tempelpriesters. Typisches Tamil-Kino erstmal, ein Liebesdrama. Kernige Typen, Schnurrbärte, anstatt Argumente sprechen ausschließlich die Fäuste. Warum reden, wenn man auch brüllen kann auf diesen staubigen Straßen des Tamil Nadu im Süden Indiens. Grotesk wirkt das auch deswegen, da die Hauptfigur Chiyaan (Vikram) eigentlich Student ist. Aber mit Worten hat er es nicht so, und auch nicht mit dieser Empathie, wo man sich in andere Menschen hineinversetzen müsste.

 Dass dann der Film in der zweiten Hälfte eine krasse Wende macht (auch musikalisch wird das immer bizarrer und experimenteller), die einen wirklich von den Füßen haut, hätte ich so nicht erwartet. Plötzlich bricht ein Realismus in die testosterongeschwängerte, hyperpotente Erzählung ein, die eine Ahnung davon gibt, weshalb der Film als Vorläufer der Tamil New Wave zu gelten hat, und der auch nachvollziehbar macht, weshalb seine Veröffentlichungsgeschichte heute mittlerweile Legende ist. Der Film ist in diesen Momenten - im Tempel mit den aus der Gesellschaft Ausgegrenzten - dann auch schon eine Vorausdeutung auf den sagenhaften NAAN KADAVUL von 2009.

 Bala hatte den Film kaum finanziert bekommen, seinen ersten eigenen richtigen Spielfilm. Und Vikrams Karriere als Schauspieler hing an seidenem Faden, als er sich auf das Projekt einließ. Da sich kein Verleiher fand (mehr als 60 sollen ihn gesehen haben), weil alle das Ende zu erdrückend fanden,  lief der Film dann in genau einem einzigen Vorort-Kino von Chennai, und der sang- und klanglose Untergang war kaum abzuwenden. Bala wollte den Traum des Regisseur-Berufs schon ad acta legen. Da mobilisierte man nochmal alle finanziellen Kräfte (wohl vor allem von Vikrams Frau her stammend) und konnte ein paar Reviews einkaufen, die tatsächlich dann sehr positiv ausfielen. Dennoch: gerettet hat den Film - und damit auch ein Stück weit das Tamilische Kino an sich - die Mund-zu-Mund-Propaganda. Es sprach sich herum, dass dieser Film etwas Besonderes sei, und in nur wenigen Wochen explodierte der Film und zog immer mehr Leute ins Kino. Der Rest, der ist nun Legende.

Michael Schleeh

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Montag, 2. Januar 2017

Bestenlisten 2016

Top Ten 2016 deutsche Kinostarts:

1. Baahubali (S.S. Rajamouli, 2015)
2. The Hateful Eight (Quentin Tarantino, 2015)
3. Toni Erdmann (Maren Ade, 2016)
4, Wild (Nicolette Krebitz, 2016)
5. The Revenant (Alejandro Gonzalez Inarritu, 2015)
6. Cemetery of Splendour (Apichatpong Weerasethakul, 2015)
7. Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo, 2015)
8. Sweet Bean (Naomi Kawase, 2015)
9. The Whispering Star (Sion Sono, 2015)
10. The Assassin (Hou Hsiao-hsien, 2015)


runners up: Paterson ~ Aloys ~ Sully


Top Ten International:

1. Journey to the Shore (Kiyoshi Kurosawa, 2015)
2. Bitter Money (Wang Bing, 2016)
3. The Wailing (Na Hong-jin, 2016)
4. Lowlife Love (Eiji Uchida, 2015)
5. The Mobfathers (Herman Yau, 2016)
6. What a Wondeful Family (Yoji Yamada, 2016)
7. Creepy (Kiyoshi Kurosaw, 2016)
8. Starless Dreams (Mehrdad Oskouei, 2016)
9. Bajirao Mastani (Sanjay Leela Bhansali, 2015)
10. The Mermaid (Stephen Chow, 2016)

runners up: Bone Tomahawk, Being Good, Neerja


Top Ten älterer stuff, first viewing

1. The Middleman (Satyajit Ray, 1976)
2. Susana (Luis Bunuel, 1951)
3. Fusa (Kon Ichikawa, 1991)
4. The Boys from Fengkuei (Hou Hsiao-hsien, 1983)
5. Network (Sidney Lumet, 1976)
6. Withhammer (Otakar Vavra, 1970)
7. Ashes of Time (Wong Kar-wei, 1994)
8. Cross of Iron (Sam Peckinpah, 1977)
9. Dil Se... (Mani Ratnam, 1998)
10. Diary of Yunbogi (Nagisa Oshima, 1965)


Bonusliste: Top Ten Dezember 2016

1. Diary of Yunbogi (Nagisa Oshima, 1965)
2. Women of Tokyo (Yasujiro Ozu, 1933)
3. Firefly Light (Heinosuke Gosho, 1958)
4. In Another Country (Hong Sang-soo, 2012)
5. Pom Poko (Isao Takahata, 1994)
6. Late Chrysanthemums (Mikio Naruse, 1954)
7. Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo, 2015)
8. Dancing Girl (Mikio Naruse, 1951)
9. Sully (Clint Eastwood, 2016)
10. I am a Hero (Shinsuke Sato, 2016)



Michael Schleeh

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