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Es werden Posts vom 2017 angezeigt.

Nippon Connection 2017 ~ Love lost and found in Hakodate: Over the Fence von Nobuhiro Yamashita (2016)

Eine Frau (Yu Aoi) rennt über die Straße, sie streitet sich mit ihrem Begleiter – er soll sich gefälligst mehr um die Kinder kümmern. Plötzlich führt sie einen abgehackten Stakkato-Tanz auf, der, wie man später erfährt, das Balzritual eines (Vogel) Straußes ist. Aus einiger Entfernung betrachtet Joe Odagiri diese absurde Szene und fragt sich  – wie der Zuschauer – ob diese Frau noch alle Tassen im Schrank hat. Er selbst hat Tokio vor ein paar Monaten den Rücken gekehrt, nachdem ihn seine Frau mitsamt der Tochter nach einem tragischen Vorfall bereits vor Jahren verlassen hatte. Nun ist er traumatisiert und arbeitslos und muss an einem Lehrgang zur Schreinerlehre teilnehmen, um weiter Arbeitslosengeld zu beziehen. Mit ihm eine ganze Reihe von Berufsjugendlichen, und diese gründen eine Softball-Mannschaft, da auch die sportliche Fitness vom Staate vorgeschrieben ist. Allerdings stehen sie lieber rauchend in der Ecke und unterhalten sich über alles mögliche, vor allem aber das Leben un…

Nippon Connection 2017 ~ Vom langsamen Sterben in der Sperrzone: La Terre Abandonnée von Gilles Laurent (2016)

Eine Großaufnahme eines faltigen Gesichts. Gestochen scharf, übergroß das Portrait des Mannes, der mit gesenktem Kopf an einem Holztisch sitzt und den Tag Revue passieren lässt. Er war draußen, hat hart gearbeitet, das Feld bestellt. Die Hunde gefüttert und die Kühe versorgt. Er hat das alles alleine gemacht, denn außer ihm ist sonst niemand mehr hier. Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist die Gegend verseucht, zur Sperrzone erklärt worden. Der Mann wohnt in seinem Geburtshaus, es steht irgendwo in der Nähe der Kleinstadt Tomioka. Die Schiebetür zum Garten ist offen, es weht ein leichter Wind. Sonnenstrahlen auf den Tatami-Matten, ein Falter stirbt im Spinnennetz am Dachbalken. Ein Geigerzähler knarzt. 0.33 Mikrosievert radioaktive Belastung. Bis ich 90 Jahre alt werde, bin ich sowieso schon tot. Da kann ich auch hier bleiben. Ein Gesicht im Gegenlicht, Wolken ziehen vorüber, die Zikaden. Der Soundtrack der ländlichen Provinz. Der Mann schläft ein.
 Es ist ein Idylle, aber e…

Visaaranai / Interrogation (Vetrimaran, Indien 2015)

Visa(a)ranai ist ein Film, der bisweilen kaum auszuhalten ist: wegen den enormen psychischen Grausamkeiten, wie auch der exzessiven körperlichen Gewalt. Ein Film der mit zunehmender Laufzeit wie kaum ein anderer das krebsartig wuchernde Geschwür der Korruption in Indien darlegt. In den Behörden, den Polizeistellen, allen öffentlichen Diensten, die mit einander unter einer Decke stecken. Exemplifiziert wird das am Schicksal dreier Freunde, die wie verlorene Zugvögel als Wanderarbeiter ihre Heimat, den Bundesstaat Tamil Nadu, verlassen, um sich im nördlich gelegenen Andra Pradesh als Tagelöhner zu verdingen. Dort geraten sie aber schon bald in Polizeigewalt und müssen für irgendein anderes Verbrechen den Kopf hinhalten, da der dortige Kommissar aus politischen Gründen einen Fahndungserfolg nachweisen muss. Oder auch nur deswegen, um die eigene Karriere nicht zu beschädigen. Einmal im System gefangen, ist es den eingeschüchterten Tamilen kaum mehr möglich, sich aus dem spinnenne…

HKIFF 2017: VANITAS (Takuya Uchiyama, Japan 2016)

Ein kleiner Independent-Film, der für den Fipresci-Preis nominiert war, ein Debüt-Film eines noch jungen, erst 24-jährigen Regisseurs. Ein dennoch souverän gemachtes, relativ stilles Alltagsdrama über vier neue Schüler an einem College in einer Provinzstadt. Man freundet sich an, erlebt gemeinsam ein paar Sachen, Krisen und den üblichen Alltagskram - nur um am Ende herauszufinden, dass man sich doch gar nicht so gut kannte, wie man zunächst vermutet hatte. Der Film endet dann auch in der Tragödie.
 Und so geht es in diesem Film mit seinen vier sympathischen Schauspielern letztendlich darum, wie einsam und zurückgezogen - trotz aller Freundschaft - jeder ist, wie diese individualisierte Gesellschaft heute funktioniert. Die japanische Gemeinschaft funktioniert deshalb so gut, da jeder seine eigene Individualität wegsperrt, niemals herauslässt. Denn wirklich kennen tut sich hier keiner, die vier Freunde sind sich fremde Freunde. Besonders markant ist das bei einem der Jungen, der in ek…

HKIFF 2017: What a Wonderful Family! 2 (Yoji Yamada, Japan 2017)

Yoji Yamada hat eigentlich schon längst das Rentenalter erreicht, aber er scheint nicht aufhören zu können. Zu unserem Glück muss man sagen, denn seine letzten Filme waren allesamt Höhepunkte eines routinierten Filmschaffens, wie es sich erst nach langen Jahren der Könnerschaft zeigt. Seine Ozu-Hommage TOKYO KAZOKU: fantastisch, THE LITTLE HOUSE: berührend leichtfüßig und zärtlich traurig zugleich, seine etwas ins Alberne driftende Komödie WHAT A WONDERFUL FAMILY!, wie schon der Titel als verzweifelter Ausruf und ironischer Kommentar suggeriert, eine ferne Neuauflage von Sogo Ishiis Klassiker der FAMILIE MIT DEM DÜSENANTRIEB. Man kennt also diese ganz normale Vorstadt-Familie bereits aus Teil 1, dieser – wie es scheint – sich zu einer Reihe auszuwachsenden Darstellung des ganz normalen Wahnsinns des Alltags.
 Diesmal geht es um die mittlerweile eingeschränkten Fähigkeiten des Großvaters, ein Auto lenken zu können. Ständig kommt er mit irgendwelchen Dellen in der Karosse zurück. Nur:…

Hong Kong International Film Festival 2017: Beaten Black and Blue (Kim Soo-hyun, Südkorea 2016)

Vor einem sozio-politischen Hintergrund entfaltet sich dieses sehr spezielle Independent-Drama, das nur so vor körperlicher Gewalt strotzt. Es wird jedoch sehr schnell deutlich, wie sehr der Film darum ringt, überhaupt erst einmal eine allgemein notwendige, politische Wissensbasis zu etablieren - denn im wilden Zitieren von Politikernamen und Ereignissen, Studentenprotesten, regionalen Konflikten und Machtverschiebungen in verschiedenen politischen wie konterrevolutionären Zusammenhängen ist der Zuschauer schnell verloren. Da nutzt es auch wenig, diese Verhältnisse erläuternd im obigen Bildkader als Texterklärung einzublenden, wenn am unteren Bildrand in rasender Schnelligkeit die Untertitel zum gerade stattfindenden Dialog vorbeihuschen. Möglicherweise ist das im Heimvideobereich stemmbar, ganz sicher aber nicht im Kino. Ich fühlte mich jedenfalls überfordert, und das, obwohl ich mich ganz gut in der koreanischen Geschichte, mit all ihren Verwicklungen der letzten Jahrzehnte, auske…

Hong Kong International Film Festival 2017

Bereits zum vierten Mal werde ich dieses Jahr am Festival teilnehmen, und da verwundert es mich nicht, wenn ich dem Ereignis mit viel Vorfreude, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit entgegensehe. Es ist einfach gut zu wissen, dass man hier so viel erleben kann, selbst wenn man mal überhaupt keine Lust mehr auf Kino haben sollte. In diesem unwirklichen Szenario ist man gut aufgehoben: zum Beispiel könnte man sich auch die kleineren Attraktionen der Stadt einmal gönnen, die sonst gerne hinten runter fallen. Zum Beispiel mal nach Whampoa fahren, das liegt hinter Hung Hom, denn dort liegt inmitten der Hochhaussiedlungen ein Kreuzfahrtschiff herum. In diesem ist freilich eine Mall untergebracht, in der man - wie überall in Hongkong - alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Gegenüber liegt noch ein Einkaufszentrum mit dem "Golden Harvest-Cinema", das aber irgendwie nur so heißt, dass man das Herzflattern bekommt - es ist ein ganz normales Multiplex. Von klassischem Kampfk…

In Another Country (Hong Sang-soo, Südkorea 2012)

Im Gegensatz zu Right Now, Wrong Then, bei dem alles am Ende seine Ordnung bekommt, ist es bei diesem Film so, dass in der letzten der drei Varianten die Geschichte in die Katastrophe kippt. Oder diese sich zumindest andeutet. Man denkt, gut, jetzt betrinkt sie sich, die sitzengelassene Frau mit ordentlich Soju und geht dann ins Wasser. Aber von wegen: aus dem Wasser heraus ersteigt ihr Retter: ein lifeguard. Leben gerettet, nun bereits schon wieder an Land. Aus Dankbarkeit und weil es halt plötzlich so kommt, da schaut sie mal in sein Zelt hinein: zwei, drei Flaschen später ist der Todestrieb passé. Vom Thanatos zum Eros. Isabelle Huppert spielt da eine leicht Derangierte, die emotional einiges sortieren muss, weil ihr Mann sie gerade für seine koreanische Assistentin verlassen hat. Andererseits sagt ihr ein Mönch auf den Kopf zu, sie habe sich seit ihrer Kindheit nie verändern müssen. Sie sei ein wenig zu sehr verwöhnt worden vom Leben und hat wohl oft das bekommen, was sie wollte…

The Story of 90 Coins (Michael Wong, China 2015)

Michael Wong ist ein Filmemacher aus Malaysia, der zur Zeit in Peking, China, lebt. Dort ist auch sein romantischer, 10 minütiger Kurzfilm angesiedelt: in einem hippen Ambiente zwischen Luxuswohnung im Neubau und einer schicken Agentur für Modedesign, in der die beiden Protagonisten arbeiten (gespielt von Han Dongjun und Zhuang Zhiqi). Er liebt sie und sie liebt ihn (vielleicht, ja) - aber als er einen Heiratsantrag macht, da ist sie zurückhaltend. Man weiß nicht warum, allerdings scheint es so, als sei sie sehr erfolgreich und gerade mit der neuen Kollektion beschäftigt. Möglicherweise ist es die Arbeit, die ihr den nötigen (geistigen?) Freiraum nicht gewährt. Später stellt man dann fest: vielleicht ist es auch seine Eifersucht, die sie zurückhält, sich "für immer" zu binden.
Er gibt ihr 90 Tage Zeit, zu einem Entschluß zu kommen. An jedem Tag wird sie symbolisch eine Münze von ihm bekommen und nach Ablauf des Zeitraums soll die Summe gemeinsam vertrunken werden; entweder …

Sleep Has Her House (Scott Barley, GB 2016)

"And the dark is always hungry." (Scott Barley)
Scott Barley's apocalyptical drone-room of a film is a fascinating experience. Not only a film to watch, but definitely one to listen to, as the audio is almost as impressive as its pictures. Very often, the images are blurred in the beginning, but with the slightest movements of the camera, the picture does get clearer, more concrete, focused, but sometimes nothing happens at all, too. Nevertheless, the film feels very dynamic - it's a weird state of an inherent Bildspannung, a suspense (and tension that might rip apart) inside of the images themselves that keeps you totally immersed. Static movement of the camera might be the term of technique to describe the process of capturing those dreamlike images, which are almost incomprehensive at first, always hard to grasp. As there seems to be no plot, no dialogue, no actors, there are none of the usual narrative anchors that guide us through a film, or movie. Obviously, th…

The Ebb of Forgetting (Liryc Dela Cruz, Philippinen 2016)

Liryc de la Cruz is a young filmmaker from Mindanao, the Philippines, and was an assistant to Lav Diaz a couple of times (e.g. duringNorte, the End of History)."Like walking through an endless dream"is a line that preludes the opening scene and what follows is the meanderings of a woman through woods and brushland, until she finally arrives at some kind of seashore - in search of another person which might exist only in her own troubled mind. You can obviously see and feel the influence of Lav Diaz in the imagery and the pictures of the first half of this 17 minute short film. So, this starts like a tribute to him, a continuation maybe that might give the filmmaker its own place in cinematic history. 
It definitely is film about remembrance aswell, which is more obvious in the second half. It is very open in its structure and towards a possible meaning. I guess, you could read some political meaning into it, too, as the Philippines have got a heavily burdenend history of po…

Raees (Rahul Dholakia, Indien 2017)

Die Geschichte des Gangsters und Spirituosenschmugglers Raees (Shah Rukh Khan) im Gujarat der 80er und 90er-Jahre, und wie er mit seiner Unerschrockenheit ganz an die Spitze der Macht gelangt. Doch dann der Fall: zur Strecke gebracht durch die Hartnäckigkeit eines einzigen Polizisten namens Majmudar (gespielt von Nawazuddin Siddiqui). Ein Epos, das sogleich mindestens drei Assoziationen und Verbindungslinien aufscheinen lässt: eine, die zu Coppolas Epos Der Pate reicht, eine weitere zu den aktuellen Serienproduktionen wie Narcos, und eine zu den Anfängen von Shah Rukh Khans Karriere, noch vor seiner Zeit als er den hanswurstigen Schwiegermutterliebling zu verkörpern wusste, wie kaum ein anderer. Als er die Bösewichte spielte, die zu Sympathiefiguren wurden, obwohl sie drastische Gewaltverbrechen begingen.
 Das ist hier in Raees nicht viel anders: immer wieder schockiert der Film geradezu, etwa in den Faustkampfszenen, die von einer Härte sind, die man eher mit südkoreanischen oder t…

The Oil-Hell Murder (Hideo Gosha, Japan 1992)

In diesem allerletzten Film von Hideo Gosha, der zwar von Shochiku - aber auch von Fuji TV - produziert wurde und vielleicht auch deswegen manchmal artifizell wirkt und ausschaut wie ein TV-Film (vor allem wegen der ziemlich sterilen Kulissen), wird die Geschichte einer Leidenschaft, dann eines Untergangs und schließlich eines Mordes erzählt. Fantastisch dabei die beiden Hauptdarstellerinnen Kanako Higuchi (Ronin Gai, Zatoichi, Achilles and the Tortoise) und Miwako Fujitani (aus Ryu Murakamis Raffles Hotel), in einer Nebenrolle auch ein bekannteres männliches Gesicht wie Renji Ishibashi (Outrage, Gozu, Audition).

 Die Ehefrau eines etwas tumben Ölhändlers kann ihre Blicke nicht mehr von ihrem nun erwachsenen Neffen fernhalten und ist bald bereit, jedes Tabu für ihre wachsende Leidenschaft zu ignorieren. Dumm nur, dass dieser sich mit der Tochter seines Bosses eingelassen hat. Das fliegt aber bald auf und weil hier Klassenschranken missachtet wurden, gibt es Schläge: und nur noch die…

Exzesse in der Hölle: Alipato – The Brief Life of an Ember (KHAVN, Philippinen 2016)

Mondomanila im Jahr 2031: in einem philippinischen Slum leben die Ärmsten der Armen und verdienen ihr Geld mit der Gewinnung von Kohle. Die „Kostkas“, eine Bande von Straßenkindern, ziehen marodierend und mordend durch die „Schwarze Stadt“. Irgendwann wird es dem Anführer aber zu doof, dieses ewige Klein-Klein: er fasst den Plan, die Zentralbank auszurauben. Was freilich schief geht, und so muss er für 28 Jahre in den Knast. Als er schließlich wieder herauskommt, ist er ein alter Mann. Aber nicht weniger brutal. Und dann ist da noch die Frage, wo eigentlich die Beute hingekommen ist.

 Die Filme des philippinischen Independent-Regisseurs und Punkpoeten KHAVN de la Cruz waren schon immer keine leichte Kost. Die südostasiatische Metropole wird hier als erbarmungsloser Moloch dargestellt, in dem Raub, Vergewaltigung, das Morden auf der Tagesordnung steht, und wo zudem der ohrenbetäubende Soundtrack der Stadt mit der viel zu heiß herabbrennenden Sonne den Schauplatz in eine Variation de…

Operation Mekong (Dante Lam, HK/China 2016)

Vor dem Hintergrund erfolgreicher Serienformate wie etwa Narcos auf netflix kann man auch deren Nachahmung von solch südostasiatischen Ablegern verstehen, die im sogenannten Goldenen Dreieck von Laos, Thailand und Myanmar spielen: dort wird traditionell Schlafmohn angebaut, das anschließend zu Heroin verarbeitet wird. Hier nun also ein großchinesischer Blockbuster, der einen seiner erfahrensten Actionregisseure aus Hong Kong ans Ruder lässt: Dante Lam. Der hat nach seinem überragenden Frühwerk und der Leuchtrakete The Beast Stalker seit längerem jedoch eine Flaute: The Viral Factor, Fire of Conscience und Stool Pigeon waren nicht viel mehr als routiniertes Handwerk. Doch dann die Rückkehr auf beinahe altes Formniveau mit dem durchgedrehten That Demon Within und dem sagenhaft dichten Unbeatable mit einem unfassbar guten Nick Cheung in der Hauptrolle. Sein Radrennfahrer-Drama To The Fore (2015) allerdings war wiederum eher etwas für die Tonne. Auch visuell, eigentlich immer eine Stärk…

Raman Raghav 2.0 / Psycho Raman (Anurag Kashyap, Indien 2016)

Was an Anurag Kashyaps Serienkiller-Thriller Psycho Raman (aka. Raman Raghav 2.0) zuerst auffällt, ist der harte Gegensatz der Eröffnungsszene in der Diskothek mit der darauffolgenden Stille, in der man zum ersten Mal dem Killer Raman (Nawazuddin Siddiqui) begegnet: während der Polizist Raghavan (Vicky Kaushal) ein Gefangener der Beats und der Drogen ist, die er eingeworfen hat, ist Raman in einem Zimmer eines Abbruchhauses vor den Toren Mumbais eingesperrt. Dort spricht er mit sich selbst mit wehleidiger Stimme, was ihm Schlimmes widerfahren sei. Er probt das richtiggehend, wie ein Schauspieler. Dann ruft er ein paar Jugendliche um Hilfe herbei, die dort gerade Cricket spielen wollten. Sein Vortrag ist so überzeugend, dass sie ihn gleich befreien. Raman darauf, mit einem leisen Lächeln im Gesicht, ausgezehrt und mit schwarzen Augenrändern, streunt durch das Gelände, eine wilde Brache voller wilder Pflanzen umgeben von Ruinen – es ist beinah eine Idylle, eine Idylle de…

The Handmaiden / Die Taschendiebin (Park Chan-wook, Südkorea 2016)

Das ungute Gefühl, vom Regisseur an der Nase herum geführt zu werden, das kann man bei Filmen mit Twists sehr schnell bekommen. Wenn sich nun einer, der dafür bekannt ist, jeden Millimeter seiner filmischen Erzählung genau zu vermessen wie eine architektonische Zeichnung, dann wundert es nicht, dass sich dieser Mann einen Roman wie Sarah Waters' The Handmaiden zur Vorlage seines neuesten Filmes nimmt. Der Roman, der im viktorianischen London des 19. Jahrhunderts spielt (und dann auf einem Landgut draußen im Themsetal) wird von Park ins Korea des 20. Jahrhunderts versetzt, in eine Zeit in den 30ern, in der die japanischen Truppen sich im Land breit gemacht haben. Offensichtlichste Referenz ist das Gebäude, in dem The Handmaiden dann erstmal die erste Filmhälfte über spielt. Das Haupthaus ist ein westliches Herrschaftsgebäude, das durchaus auch in Europa stehen könnte oder in den Hammer Studios, die Anbauten aber sind koreanischer und japanischer Art. Besonders auffällig wird das …

Sethu (Bala, Indien 1999)

Balas Debütfilm SETHU mit Vikram in der Hauptrolle ist in der ersten Hälfte nur mit viel Geduld und goodwill zu ertragen. Wieder einmal prügelt sich ein Tunichtgut ins Herz einer unschuldigen jungen Frau, Tochter eines Tempelpriesters. Typisches Tamil-Kino erstmal, ein Liebesdrama. Kernige Typen, Schnurrbärte, anstatt Argumente sprechen ausschließlich die Fäuste. Warum reden, wenn man auch brüllen kann auf diesen staubigen Straßen des Tamil Nadu im Süden Indiens. Grotesk wirkt das auch deswegen, da die Hauptfigur Chiyaan (Vikram) eigentlich Student ist. Aber mit Worten hat er es nicht so, und auch nicht mit dieser Empathie, wo man sich in andere Menschen hineinversetzen müsste.

 Dass dann der Film in der zweiten Hälfte eine krasse Wende macht (auch musikalisch wird das immer bizarrer und experimenteller), die einen wirklich von den Füßen haut, hätte ich so nicht erwartet. Plötzlich bricht ein Realismus in die testosterongeschwängerte, hyperpotente Erzählung ein, die eine …

Bestenlisten 2016

Top Ten 2016 deutsche Kinostarts:

1. Baahubali (S.S. Rajamouli, 2015)
2. The Hateful Eight (Quentin Tarantino, 2015)
3. Toni Erdmann (Maren Ade, 2016)
4, Wild (Nicolette Krebitz, 2016)
5. The Revenant (Alejandro Gonzalez Inarritu, 2015)
6. Cemetery of Splendour (Apichatpong Weerasethakul, 2015)
7. Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo, 2015)
8. Sweet Bean (Naomi Kawase, 2015)
9. The Whispering Star (Sion Sono, 2015)
10. The Assassin (Hou Hsiao-hsien, 2015)

runners up: Paterson ~ Aloys ~ Sully


Top Ten International:

1. Journey to the Shore (Kiyoshi Kurosawa, 2015)
2. Bitter Money (Wang Bing, 2016)
3. The Wailing (Na Hong-jin, 2016)
4. Lowlife Love (Eiji Uchida, 2015)
5. The Mobfathers (Herman Yau, 2016)
6. What a Wondeful Family (Yoji Yamada, 2016)
7. Creepy (Kiyoshi Kurosaw, 2016)
8. Starless Dreams (Mehrdad Oskouei, 2016)
9. Bajirao Mastani (Sanjay Leela Bhansali, 2015)
10. The Mermaid (Stephen Chow, 2016)

runners up: Bone Tomahawk, Being Good, Neerja


Top Ten älterer stuff, first vi…